Der Klügere gibt solange nach, bis er der Dumme ist. Heiner Geißler

Merkel for President

In Krisen entstehen immer wieder kuriose Lösungsansätze: Wenn es nach dem Willen des Bankiers und Historikers Ehrhardt Bödecker geht, übergibt Angela Merkel die Regierungsverantwortung an Karl Theodor zu Guttenberg und übernimmt selber das Amt der Bundespräsidentin. Dieser Vorschlag war Bödecker zumindest eine riesige Anzeige in der FAZ wert.

Nach dem Rücktritt des Bundespräsidenten Horst Köhler schlug ich am 3. Juni 2010 der Bundesversammlung vor, an seine Stelle als Bundespräsidentin Angela Merkel zu wählen. Als Bundeskanzler sollte Freiherr Karl-Theodor zu Guttenberg vorgesehen werden. Die finanziell desolate Lage aller europäischen Länder verlangt harte Maßnahmen. Seit 1980 fordert die Deutsche Bundesbank von unserer Bundesregierung, die staatlichen Ausgaben den Einnahmen anzupassen. Es ist der alte preußische Grundsatz von König Friedrich Wilhelm I: “Gebt nicht mehr aus, als ihr einnehmt.” Aber trotzdem geschah nichts. Im Gegenteil: Erheblich wachsende Steuereinnahmen haben eine weiter steigende Staatsverschuldung nicht verhindern können. Die OECD erklärte, ein Staatsanteil von 30 Prozent sei in den westlichen Demokratien angemessen.

Sparpotenzial von 300 Milliarden Euro

Der deutsche Staatsanteil beträgt ca. 45 Prozent und zeigt nicht die geringste Tendenz zum Sinken. Würde die Regierung den Staatsanteil auf 30 Prozent senken, ergäbe sich damit ein Sparpotenzial von rund 300 Milliarden Euro und nicht nur von zehn Milliarden Euro. Bei einer gesamten öffentlichen Verschuldung von ca. 1,7 Billionen Euro (die erheblichen Pensionsverpflichtungen gegenüber den Beamten nicht eingerechnet) reden die Politiker ernsthaft bei einem Betrag von zehn Milliarden Euro von Einsparung! Über diese Summe wird ein Fernsehrummel entfacht, der nicht nur lächerlich, sondern angesichts der Höhe der Verschuldung auch völlig unzureichend ist.

Die Deutschen wollen endlich wissen, wann die Parteien bei sich selbst anfangen zu sparen. Müssen wir 620 Abgeordnete im Bundestag haben? Die USA kommen bei wesentlich höherer Bevölkerung mit 420 Abgeordneten aus. Warum wird der Regierungssitz nicht endlich total von Bonn nach Berlin verlegt? Es gibt viele Maßnahmen, die zu erheblichen Kosteneinsparungen führen würden. Warum muss jeder Landesminister zwei Staatssekretäre haben? Warum müssen wir 16 Ministerpräsidenten bezahlen und die dazugehörigen Regierungen? Für die politischen Parteien gibt der Staat 26 Milliarden Euro aus. Würden zehn Milliarden Euro nicht ausreichen?

Eine zentralisierte Bildungszuständigkeit würde Milliarden einsparen. Bildung erfordert nicht mehr Geld, sondern mehr Sachkunde, Organisationstalent und mehr gut ausgebildete Lehrer. Die Regierung könnte auf diese Weise bei sich auf vielen Gebieten sparen, sie muss es nur endlich wollen. Das gilt auch für Parteien und ihre Apparate, die sich auf Kosten der Steuerzahler ein unkontrolliert bequemes Dasein leisten können.

Unternehmer werden nur noch beschimpft

Noch schlimmer sind die Gewerkschaften, die schon jetzt Streik gegen die notwendigen Sparbeschlüsse ankündigen, obwohl noch gar kein Beschluss gefasst ist. Deutschland hat eine leistungsfähige und erfolgreiche Wirtschaft. Davon leben unsere Parteien, unsere Regierung und alle Empfänger, die ohne Gegenleistung staatliche Hilfe bekommen. Dazu gehören auch über zwei Millionen Studenten. Es gibt leider Funktionäre, die nichts anderes im Sinn haben, als Unternehmer zu beschimpfen und zu verunglimpfen. Unternehmer werden zwar gebraucht, aber nicht mehr bewundert. Das war früher anders.

Nicht aus irgendwelchen eigenen Interessen, sondern aus Sorge um unseren Staat bin ich an die Öffentlichkeit gegangen. Eine andere Möglichkeit hat der einfache Bürger in Deutschland leider nicht, um gehört zu werden. Frau Merkel wäre eine hervorragende Bundespräsidentin, doch sie ist eine zu schwache Bundeskanzlerin. Für diese Position wäre Freiherr zu Guttenberg die bessere Alternative.

Leserbriefe

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    Ruben Alexander Schuster – 09.06.2010 - 19:22

    Geehrter Herr Bödecker.
    Sie haben die Sache auf den Punkt gebracht.
    Eine Politik der kleinen Schritte ist zuende, fälschlich gehütete Tabus müssen gebrochen werden. Will ein Sparprogramm wirklich nachhaltig erfolgreich sein, bringt es nichts an kleinen Stellschrauben wie Elterngeld oder Fluggastabgaben zu drehen.
    Die Politik muss ihre nationale Verantwortung wieder ernst nehmen, das kann sie nur, wenn sie den Mut zur öffentlichen Selbstkritik hat und beginnt ihre eigenen systemischen Prozesse zu effektivieren, wie z.B. einen ausgeuferten Staats- und Parteienapparat zu beschneiden.

  • Theeuropean-placeholder
    Klaus Schumann – 09.06.2010 - 23:08

    Sehr geehrter Herr Bödecker,
    Ihre Idee Frau Merkel zur Bundespräsidentin zu machen, ist sehr interessant, könnte sie doch in dieser Sinekure nicht noch mehr finanzpolitisches Unheil anrichten, jedoch scheint mir Freiherr zu Guttenberg auch nicht zum Bundeskanzler zu taugen. Er wäre sicherlich nicht in der Lage, sich den abstrusen steuerpolitischen Vorstellungen einer immer mehr zu einer Truppe von Herz-Jesu-Marxisten verkommenden CSU zu erwehren, und er würde bestimmt keine Kürzungen im aufgeblähten Sozialetat vornehmen.

  • Theeuropean-placeholder
    Karla Gabriel-Füger – 10.07.2010 - 17:18

    Sehr geehrter Herr Bödecker!
    Ich wünsche mir, dass auch Nicht-FAZ-Leser Ihre Anzeige lesen könnten, in der Sie die Verschwendung von Steuergeldern durch die politische Klasse sowie die Herabsetzung der Leistungsträger in unserem Land zu Recht anprangern. Übrigens unser neugewählter Bundespräsident sagte während eines TV- Interviews
    ( ZDF/ einige Tage vor der Wahl ), dass er das Bundespräsidentengehalt für zu hoch halte und er etwas dagegen unternehmen würde! Seit Jahren versprechen die Abgeordneten, endlich ihre üppige Altersvorsorge zu reformieren! Auf europäischer Ebene überblicken wir Steuerzahler nicht mehr wie , warum und mit welchem Nutzen für uns Bürger, die Geldtöpfe gefüllt werden! Aber wie Sie schon erwähnten, wie soll sich der Bürger wehren??

  • Theeuropean-placeholder
    Hans-Joachim Ebel – 21.08.2010 - 11:15

    Wann kommt die Weisheit des Alters endlich mit der Tatkraft der Jugend zusammen?

Aus der Debatte

Wahl des Bundespräsidenten

Ein lächelnder Präsident

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Der Wahlkrimi am Mittwoch hat eines gezeigt: Angela Merkel hat Schlagseite, sie ist mit dem Virus des Versagens infiziert. Besäße Wulff Killerinstinkt, hätte er sich nach dem zweiten Wahlgang zurückgezogen und die Kanzlerin bloßgestellt.

Alan-posener-kopf_2_
von Alan Posener
04.07.2010

Kandidat der Herzen

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Als Kandidat mag er in der Bundesversammlung gescheitert sein. Für den Diskurs gegen die Politikverdrossenheit und für das Amt des Bundespräsidenten hat alleine das Antreten Joachim Gaucks dennoch großes geleistet.

Michael-knoll-kopf
von Michael Knoll
03.07.2010

Der neue Präsident

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Die Wahl ist ein Sieg der Politik und eine Niederlage für die Medien. Wulff ist – wie die Kanzlerin – präsidial und konsensorientiert. Jetzt liegt es an ihm, aus Bellevue eine politische Denkfabrik zu machen und keine Kirche oder Pilgerstätte.

Detting
von Daniel Dettling
01.07.2010

Mehr zum Thema: Angela-merkel, Bundespraesident, Karl-theodor-zu-guttenberg

Kolumne

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    67 Tage hat Christian Wulff bis zum Rücktritt gebraucht, Röttgen blieben drei Tage bis zum Rauswurf. Wenn es hart auf hart kommt, haben wir uns vor Staatsanwaltschaft und Presse weniger zu fürchten... weiterlesen

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von Martin Eiermann
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