The European: Wie stark ist das Umweltbewusstsein in unserer Gesellschaft heute?
Wenzel: Umweltbewusst zu leben ist heute fest in der Mitte unserer Gesellschaft verankert. Wir als Zukunftsinstitut haben das bereits 2003 prognostiziert. Damals nahmen wir an, dass wie in den USA bald auch in Deutschland ein Drittel der Gesellschaft umweltbewusst leben würde. Das ist heute der Fall und erschöpft sich nicht in Mülltrennung und Strom sparen. Die Leute engagieren sich heute auch gesellschaftlich. Sie wollen Verantwortung übernehmen.
The European: Welche Motivation haben sie dazu?
Wenzel: Es wäre falsch zu glauben, die Leute täten das aus reinem Gutmenschentum. Sie engagieren sich so stark, weil ihnen klar ist, dass Umweltverschmutzung die Erde zerstört und der Klimawandel Folgen hat. Ihr Anreiz, sich umweltbewusst zu verhalten, ist es, der Nachwelt, sprich ihren Kindern, gute Lebensbedingungen zu erhalten.
The European: Wie kam es zu dieser Entwicklung?
Wenzel: Die 90er waren das Jahrzehnt der Ironie und der Spaßgesellschaft. Denken Sie an den Erfolg von Comedysendungen wie “RTL Samstag Nacht”. Diese gleichgültige Einstellung gegenüber allem außer dem eigenen Leben hörte Ende der 1990er-Jahre auf. Den Menschen wurden Werte wieder wichtig. Sie wollten Verantwortung übernehmen. Umweltbewusstsein war jetzt von Parteizugehörigkeit unabhängig. Man konnte jetzt grün sein, ohne links zu sein.
The European: Ist grün sein eine Modeerscheinung?
Wenzel: Nein. Allerdings stehen wir erst am Anfang. Das hat uns die Finanzkrise gezeigt, die Tabula rasa gemacht hat hinsichtlich der Annahme, dass es auch eine Zukunft ohne Nachhaltigkeit geben könnte. Vor uns liegt ein großer Berg Arbeit. Es wird eine dritte industrielle Revolution geben, die eine neue Form des Konsums bringen wird.
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