Die Kultur des Journalismus ist immer noch die Kultur von Einzelkämpfern. Clay Shirky

Verhoeven: Ich schäme mich für die Mechanismen meiner Branche

Produzent, Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler Simon Verhoeven hat in einem Facebookpost Dieter Wedel scharf kritisiert. Wedel berzeichnete er als brutalen Gewalttäter, dem es erlaubt gewesen war, “jahrzehntelang Frauen zu vergewaltigen und Menschen zu quälen – Geschützt durch das Schweigen der Sender.”

“Ich kann nur jedem empfehlen, den Artikel über den Regisseur Dieter Wedel in der aktuellen ZEIT zu lesen.

Fakt ist: Jeder, der in der Filmbranche eine Zeitlang gearbeitet hat, wusste von den ätzenden Geschichten über Wedel.

Dass er am Set Schauspieler tyrannisiere, dass er ein eitler, egomanischer Schreihals sei, ein Arschloch.

Aber diese Ausmaße, die jetzt bekannt wurden, das konnte und wollte sich wohl kaum jemand vorstellen.

Ich schäme mich für die Mechanismen meiner Branche, die es diesem Sadisten und brutalen Gewalttäter erlaubt haben, jahrzehntelang Frauen zu vergewaltigen und Menschen zu quälen – Geschützt durch das Schweigen der Sender, Produktionen und Filmschaffenden, die mit Wedel arbeiteten.

Es wurde verharmlost, verdrängt, verschwiegen. Aus Angst. Aus Scham. Aus falsch verstandenem Respekt vor einem kranken Tyrannen und seiner Macht.

Aber eben auch aus dem Wunsch, Erfolg zu haben mit Dieter Wedel! Einen Quotenhit zu landen!

Und das ist vielleicht die deprimierendste Erkenntnis überhaupt. Das man bereit war, für einen Quotenerfolg mit einem Monster zu arbeiten.

Ich danke den mutigen Frauen, die ihre Scham überwunden haben und jetzt geholfen haben, diesen Mann zu entlarven. Spät, ja. Aber besser spät als nie.

Und ich erwarte – so wie viele andere auch – vom ZDF, dem Saarländischen Rundfunk und von allen anderen Sendern und Produktionsfirmen, allen Verantwortlichen, auch aus den Filmteams, die mit diesem Drecksack jahrzehntelang gearbeitet und Erfolge gefeiert haben, daß sie jetzt schleunigst beginnen, diese Zeit aufzuarbeiten und offen zu sagen, was sie damals wußten, ahnten, in Kauf nahmen. Das wurde ja teilweise auch schon angekündigt. Gut so.

Wir sind gespannt.

Es ist Zeit, sich von diesem Mann aufs deutlichste zu distanzieren. Seine Serien nie wieder auszustrahlen.

Und sich bei den Opfern zu entschuldigen.

Man kann nur hoffen, daß solchen kranken Typen von nun an – nicht nur in der Filmbranche – sondern in jedem Teil der Gesellschaft – viel früher das Handwerk gelegt wird.

Von Frauen, ja. Aber auch von Männern.

Ich hätte mich jedenfalls über jeden Aufnahmeleiter, Kameramann, Schauspieler etc. gefreut, der diesem Scheiß-Typen einfach mal eine geknallt hätte.

Schade, daß damals dazu anscheinend keiner bereit war."

Quelle: Facebook-Seite von Simon Verhoeven

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Kristina Lunz.

Leserbriefe

comments powered by Disqus

Mehr zum Thema: Sexualitaet, Film, Sexualverhalten

Debatte

Prostitution: Die Moral hat ein dreckiges Geischt

Medium_cdae8eb3a3

15 Milliarden Euro Umsatz in deutschen Bordellen

Deutsche Bordelle machen einen Jahresumsatz von 14 bis 15 Milliarden Euro. 400.000 Prostituierte arbeiten in deutschen Städten. Weltweit gehen 42 Millionen Menschen diesem Beruf nach. weiterlesen

Medium_0dd9339237
von Ansgar Lange
23.01.2018

Kolumne

Medium_b166e0eb31
von Hans-Martin Esser
17.11.2017

Debatte

Das geheime Netzwerk von Soros

Medium_2e5b5784a1

Der Milliardär finanziert Linke und die Genderisierung weltweit

Soros spaltet. Er spielt mit einem Vexierbild: Auf der einen Seite der erfolgreiche Börsenspekulant und auf der anderen Seite der Philanthrop, das ihn als Liebling aller Linken ausweist. Als Philan... weiterlesen

Medium_90f2c9d0c0
von Eckhard Kuhla
28.07.2017
meistgelesen / meistkommentiert