Es gibt keinen Grund, zu denken, dass wir Menschen besonders gut darin sind, Moralvorstellungen umzusetzen. Ronald C. Arkin

Rettet euch selbst

Wer den Journalismus am Leben erhalten möchte, muss vor allem eines tun: Journalismus machen.

Ach, diese Gratiskultur überall. Ach, diese elende Digitalisierung. Ach, diese Diebe, die wertvollen journalistischen Content einfach kopieren und einen Dreck darüber nachdenken, ob sie das überhaupt dürfen. Ach, es ist also auch im Jahr 2011 noch ein Drama allergrößten Ausmaßes, das den Verlagen widerfährt, wenn sie im Netz die sagenhaften Renditen vergangener Tage erwirtschaften möchten.

Dabei meinen sie es doch gut. Sie wollen den Journalismus schützen. Sie wollen die Gesellschaft kontrollieren. Sie wollen spannende Medien machen. Und sie wollen dafür endlich wieder unser Geld, so wie früher, als wir täglich unsere Tageszeitung kauften. Ein über Jahrzehnte funktionierender Deal, der vielen Journalisten ein gutes Leben ermöglicht hatte.

Journalismus im Netz hat ein Problem

Nur leider ist er ein bisschen aus dem Lot geraten, denn Journalismus im Netz hat ein Problem. Er wird vom User Stück für Stück bewertet. Früher wurde Journalismus pauschal abgegolten, etwa durch das Abonnement einer Tageszeitung, den Kauf eines Magazins oder die Gebühren für öffentlich-rechtliches Fernsehen. Die Gelder, die so (abzüglich vieler anderer Kosten) an die Produzenten flossen, wurden für die Präsenz von Inhalten innerhalb klar definierter Rahmen entrichtet. Deren journalistischer Wert (egal, ob an den Faktoren Popularität oder Relevanz gemessen) war oft allein deshalb unumstritten, weil er sich nicht erheben ließ.

Doch war das tatsächlich nur früher so? Um diese Frage zu beantworten, gehört das Verhalten eines Users betrachtet, der sich online über die Vorgänge in der Welt informiert. Er nutzt dafür die Websites seiner Wahl, er wird vielleicht via Facebook-Statusmeldungen mit Links versorgt, die er für interessant hält – und wenn er einer Minderheit angehört, passiert ihm das auch auf Twitter und zusätzlich postet er ebenfalls regelmäßig Statusmeldungen mit Links zu journalistischen Inhalten.

Dieser User ist der Traum des Journalisten, weil er hilft, den Wert journalistischer Arbeit zu erheben. Er sorgt durch seine Klicks für Popularität einzelner Artikel (was viele Portale leider als Aufforderung zu Kate-und-William-Diashows missverstehen) und er sorgt für die Relevanz, die sich aus der Verlinkung ergibt. Doch dieser User ist leider auch der Albtraum vieler Medienkonzerne, weil er bei allem Aktivismus nicht gewillt ist, für Journalismus zu bezahlen. Mit dem zusätzlichen Nachteil, dass diese These nicht ganz stimmt.

Der Weg ist hart und steinig

Er hat nämlich schon sehr viel bezahlt. Allein der Zugang zum Internet kostet ihn Monat für Monat eine durchaus üppige Summe, die mit mobiler Nutzung noch steigt. An diesem Punkt der Diskussion werden dann gerne Begriffe wie Kulturflatrate oder Leistungsschutzgebühr als Heilsbringer eingeworfen. Davon ist nicht viel zu halten, denn es handelt sich dabei auch bloß um Subventionsmodelle, die einen von der Last des Nachdenkens und Ausprobierens befreien, welche journalistischen Angebote den User zum Altruismus anstiften könnten.

Letztlich steht und fällt der Erfolg von ausgeklügelten Paid Content-Modellen wie dem der New York Times nur damit, ob eine erkleckliche Anzahl User bereit ist, zusätzlich zu ihren monatlichen Fixkosten für den Internetzugang auch noch Journalismus zu bezahlen. Der Weg dorthin ist hart und steinig. Und welcher der richtige ist, weiß keiner. Ich wage allerdings eine Vermutung: Es wird nur relevanter, spannender und aufregender Journalismus sein Publikum finden. Es wird ein recht kleines sein. Und das ist völlig zu Recht nicht bereit, für Kate-und-William-Diashows zu bezahlen.

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