Die deutsche Linguistin Luise F. Pusch diagnostizierte vor rund 30 Jahren, dass das Deutsche eine Männersprache ist und sowohl im Sprachsystem wie im Sprachgebrauch die gesellschaftliche Ungleichstellung von Frau und Mann abbildet und weiter verfestigt. In ihrem Buch “Das Deutsche als Männersprache” publizierte sie ihre linguistische Analyse zusammen mit einer Reihe von Glossen, in denen sie auf unterhaltsame Art diese Erkenntnis darstellt.
Das generische Maskulinum meint gar nicht immer beide Geschlechter
Vor allem deckte Luise Pusch auf, dass das generische Maskulinum (d. h. die Tatsache, dass mit dem grammatikalisch männlichen Begriff, z. B. Studenten, sowohl Männer wie Frauen gemeint sind) je nach Kontext gar nicht beide Geschlechter meint, also pseudogenerisch ist. In der Schweiz haben wir bis 1971 damit leben müssen, dass Frauen kein Stimm- und Wahlrecht hatten, obwohl in der Verfassung festgehalten war, dass jeder Schweizer vor dem Gesetz gleich ist. Wenn wir im Zusammenhang mit der “Fußballweltmeisterschaft” von Fußballern sprechen, ist uns allen klar, dass da ausschließlich Männer spielen und Frauen nicht mitgemeint sind. Unterdessen hat Deutschland aber auch erfolgreiche Fußballerinnen, die in Südafrika nicht dabei sind, weil die “Fußball-Weltmeisterschaften der Frauen” später ausgetragen werden, nämlich 2011 in Deutschland.
In den letzten 30 Jahren haben diese Erkenntnisse zu einigen Veränderungen geführt. In Stelleninseraten wird selbstverständlich eine Doppelform “Küchenchef/in” oder das Binnen-I “GärtnerIn” verwendet, wenn Männer und/oder Frauen gesucht werden. Zur Vermeidung von allzu umständlichen Formulierungen mit langen Doppelformen werden sogenannte geschlechtsneutrale oder -abstrakte Begriffe verwendet: “Studierende” für Studentinnen und Studenten oder “Lehrpersonen” für Lehrerinnen und Lehrer.
Von der Krankenschwester zur Pflegefachfrau
Wir mussten auch feststellen, dass mit der Berufsbezeichnung “Koch” und “Köchin” zwei unterschiedliche Ausbildungen verbunden waren. Eine Frau konnte durchaus eine Ausbildung zum Koch machen, nannte sich dann auch Koch, weil das eine höhere Qualifikation und eine bessere Bezahlung bedeutete. Unterdessen gibt es diese Unterscheidung nicht mehr. Der Beruf der hoch qualifizierten Krankenschwestern kann seit vielen Jahren auch von Männern erlernt werden, allerdings nennen sie sich dann nicht Krankenschwester oder (was eine analoge Bildung wäre) Krankenbruder, sondern Pfleger. Unterdessen wurde in der Schweiz die Bezeichnung für beide geändert. Die offizielle Bezeichnung ist heute Pflegefachfrau und Pflegefachmann, und sie lassen sich gern mit ihrem Nachnamen ansprechen und nicht mehr mit “Schwester Anna”. Etwas schwieriger wurde es mit männlichen Kindergärtnerinnen, weil der “Kindergärtner” bereits für das Kind im Kindergarten besetzt war. Der “Erzieher” war die Alternative, die nun im Sinne der Gleichbehandlung auch für Frauen, die “Erzieherin”, verwendet wird.
Das pseudogenerische Maskulinum wird auch in zusammengesetzten Wörtern wie Führerausweis, Fußgängerstreifen, Rednerpult oder leserfreundlich verwendet. Wer sich daran stört, kann valable Alternativen wie Fahrausweis, Zebrastreifen, Redepult und lesefreundlich verwenden und auch hier das pseudogenerische Maskulinum vermeiden.
Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Gabriele Kuby, Melitta Walter.

















