Manche verwechseln Colgate mit Golgotha. Karl Lehmann

Die Fratze des hässlichen Deutschen

Die Rauschschwaden über Hamburg lichten sich allmählich und darunter wird das ganze Ausmaß des deutschen Desasters sichtbar. Damit sind nicht etwa nur ausgebrannte Autowracks oder verkohlte Barrikaden gemeint. Es ist viel schlimmer.

Nach und nach zeigen sich Abgründe von Hass, die selbst hartgesottene Beobachter sprachlos machen. So offenbart sich seit zwei Tagen ein erschütternder Fall von Menschenjagd, genauer gesagt Jagd auf Journalisten und Demonstrations-Beobachter, der sich während des G20-Gipfels in Hamburg abgespielt hat. Die Fratze des hässlichen Deutschen ist wieder da.

Dass dies jetzt überhaupt zum Thema wird, liegt daran, dass auch junge amerikanische Journalisten und Blogger betroffen sind, die sich als unabhängige Berichterstatter einen Namen gemacht haben. Die Vorfälle sind deshalb ziemlich lückenlos dokumentiert. Die verschiedenen Videos (Liste unten) zeigen beklemmende Szenen, für die man sich schämen muss. Sie gehen um die Welt, allerdings bislang nicht über deutsche Medien.

Schämen muss sich allen voran Sören Kohlhuber, der auf ZEIT ONLINE den Blog Störungsmelder veröffentlicht. Der Mann, der sich auf seiner Webseite als Experte für „Fussball, Neonazismus und Protest“ verortet, glaubte, auf den Hamburger Demonstrationen ausländische „Identitäre“ erkannt zu haben, nahm ein Fahndungs-Foto auf und twitterte die Kunde von den entlarvten „Faschisten“ schnurstracks in die Welt im Allgemeinen und seine Freunde von der Antifa im Speziellen. Das muss man sich mal geben: Ein Journalist denunziert möglicherweise andersdenkende Berichterstatter mit der implizieten Aufforderung, diese sozusagen auszusondern.

Im Bild waren Tim Pool, ein eher links orientierter Blogger aus USA, der durch seine kritischen Berichte und Interviews einen gewissen Kult-Staus erreicht hat. Ferner die kanadische Journalistin Lauren Southern; sie gilt als den nordamerikanischen “Libertarians” zugeneigt und war wohl der eigentliche Anlass für die Hetzjagd. Außerdem Luke Rudkowski, ein amerikanischer Videoblogger vom Journalistenkollektiv „WeAreChange“. Ferner Marcus DiPaola von heavy.com und Max Bachmann, ein junger Journalist aus Dresden.

Die Gemeinsamkeit zwischen diesen Kollegen ist die Tatsache, dass sie sich wohl teilweise auf solchen Veranstaltungen über den Weg gelaufen oder anderweitig bekannt waren und zusammen durch die Demonstration liefen. Ein ganz normales kollegiales Verhalten. Ich kann ihre politischen und beruflichen Hintergrund nicht wirklich einschätzen, aber darauf kommt es auch gar nicht an. Entscheidend ist etwas anderes: Mitten in Deutschland müssen junge Journalisten und Gäste aus dem Ausland um ihr Leben fürchten, weil sie als „Rechte“ denunziert und zur „Fahndung“ ausgeschrieben werden.

Es ist geradezu unglaublich, welche Menschenjagd die Antifa im Gefolge der Denunziation in Hamburg veranstaltet hat. Die Betroffenen wurden gesucht, verfolgt, teilweise zusammengeschlagen und an Leib und Leben bedroht, wenn sie nicht aus der Stadt verschwinden würden (was sie auch taten). Wer die Bilder anschaut, weiß, dass es keine leere Drohung war. Die Polizei sah sich nach Angaben der Betroffenen nicht imstande, sie zu schützen, sondern signalisierte ihnen, sie müßten sich selbst helfen.

Wer möchte, dass es ihm nachhaltig schlecht wird, kann sich die unten aufgeführten Videos nach und nach anschauen. Diese Szene ist beispielsweise pures Nazi 2.0.

Was mich andererseits beeindruckt hat: Die Gelassenheit, mit der die betroffenen jungen Kollegen mit diesen Vorfällen umgehen. Und die menschliche Solidarität untereinander, der sie Vorrang geben vor politischen Meinungsverschiedenheiten, die sie untereinander selbstverständlich auch haben. Zum Beispiel Tim Pool und Lauren Southern hier. So etwas nennt man Anstand – und der scheint hierzulande bis in die Reihen von ZEIT ONLINE vollkommen verloren gegangen zu sein.

Nachdem die Sache international Wellen schlägt, inszeniert sich der mitteilsame Sören Kohlhuber derweil schon mal als Opfer eines „Shitstorms“ und sieht sich seinerseits bedroht. Die Täter-Opfer-Umkehr läuft in solchen Fällen ja mittlerweile im Automatik-Modus. Doch damit sollte man ihn nicht davon kommen lassen. Der Denunziant von ZEIT ONLINE ist ein Fall für den Staatsanwalt.

Quelle: Achse des Guten

Quelle. You Tube

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Michael Klonovsky , Vera Lengsfeld, Wolf Achim Wiegand.

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