Wir können Gott nicht einfach abschreiben. Martin Walser

Viel Erfolg, Herr Platini

Das Financial Fairplay wird den europäischen Fußball prägen – zum Vorteil der Bundesliga. Bereits jetzt beginnt die Regelung zu greifen, auch wenn das viele Vereine nicht zu interessieren scheint.

Im Januar 2011 sagte der UEFA-Präsident Michel Platini bei einem Medientermin: „Es gibt kein Zurück mehr“ vom UEFA Financial Fairplay. Gleichzeitig betonte er: „Dies ist eines der wichtigsten Projekte meiner Amtszeit.“

Trotz dieser klaren Ansage des Präsidenten scheint sich so gut wie niemand in der europaweiten Fußballszene ernsthaft mit den Auswirkungen des Financial Fairplay (FFP) zu beschäftigen. Denken die Verantwortlichen der Vereine etwa, das wird sich ohnehin totlaufen – oder glauben sie, das Regelwerk würde erst im Spieljahr 2013/14 in Kraft treten? Fast scheint es mir so, als seien wir in Hoffenheim die Ersten und fast Einzigen, die sich mit den Auswirkungen von FFP auseinandersetzen.

Und dabei ist es höchste Zeit dafür, denn die erste Monitoring-Periode hat bereits im Sommer 2011 begonnen und die Zulassung zu den Europäischen Wettbewerben für das Spieljahr 2013/14 hängt von den operativen Ergebnissen der Geschäftsjahre 2011/12 und 2012/13 ab.

Stabilität und Integrität für den europäischen Fußball

Wer also glaubt, es sei noch Zeit, bis die Regelung greift, kann unter Umständen schon jetzt ein böses Erwachen erleben, wiewohl die erste Hürde für die meisten Vereine kein großes Problem darstellen wird, weil der operative Verlust der beiden Jahre zusammengefasst bis zu 45 Millionen Euro, also 22,5 Millionen pro Jahr, betragen darf. Aber schon im kommenden Jahr werden die Vereine, die die erste Hürde gerade noch geschafft haben, Probleme bekommen, weil für die Zulassung 2014/15 der operative Verlust aus den letzten drei Jahren auch nur 45 Millionen, also pro Jahr noch 15 Millionen betragen darf. Wer in den ersten beiden Jahren die 45 Millionen ausgeschöpft hat, muss also das dritte Jahr (2013/14) schon ohne Verlust abschließen. Ab dem Geschäftsjahr 2018/19 darf folglich der durch Kapitalgeber ausgleichbare Verlust durchschnittlich 1,7 Millionen Euro jährlich bzw. über drei Geschäftsjahre noch 5 Millionen Euro betragen.

Die Intention von Michel Platini ist es, mit dieser neuen Regelung die langfristige Stabilität und Integrität des europäischen Klubfußballs zu gewährleisten und verantwortungsvolles Handeln für den langfristigen Nutzen der Vereine zu fördern und zu fordern. Die Regelung trägt auch dazu bei, mehr Chancengleichheit zu schaffen, weil Kapitalgeber bzw. Investoren in absehbarer Zeit so gut wie gar kein Kapital mehr einbringen dürfen. Sinnvolle Ausnahmen sind Ausgaben für Jugendförderung und Aufwendungen für den Neubau von Fußballstadien, die nicht zu den sogenannten „anrechenbaren Ausgaben“ (die in der Regelung nicht berücksichtig werden müssen, Anm. d. Red.) gehören. Die erkennbare Zielrichtung ist die Eindämmung der überhöhten Personalkosten und damit einhergehend auch die Verringerung der Ausgaben für die Spielerberater.

90 Prozent Erfolg sind besser als der heutige Zustand

Kritiker dieser Regelung werden anmerken, dass damit den Vereinen die Chance genommen wird, über Investoren durch zusätzliche Mittel zum Erfolg zu kommen – genau dies soll das Regelwerk FFP verhindern und das halte ich für gut. Die Kritik, dass FFP problemlos unterlaufen werden kann, weil eng verbundene Sponsoren überhöhte Beiträge leisten, teile ich nicht, weil zumindest die deutschen Betriebsprüfer sehr genau die Angemessenheit der Sponsorenbeträge überprüfen.

Dennoch bin ich nicht so blauäugig, dass ich an die astreine Durchsetzung von FFP glaube. Aber eine Erfolgsquote von 90 Prozent, um einfach eine Zahl in den Raum zu stellen, ist doch allemal besser als die Beibehaltung des heutigen Zustandes. Sollte die Deutsche Fußball Liga (DFL) sich dazu entschließen, das FFP mit zum Maßstab bei der Lizenzierung für die Bundesligen zu machen, gibt es positive und negative Auswirkungen.

Einen negativen Nebeneffekt sehe ich darin, dass es mit dieser Regelung keinem Verein mehr gelingen wird, aus einer Liga unterhalb der Profiligen, wozu ich auch die 3. Liga zähle, in die Bundesliga zu kommen, wie das die TSG 1899 Hoffenheim geschafft hat. Viele Fans aus der „Solidargemeinschaft Bundesliga“ würden das begeistert begrüßen, vergessen aber dabei, dass dadurch in unserer Rhein-Neckar-Region eine Infrastruktur für die Jugend vieler Vereine entstanden ist und dass nach vielen Jahren endlich wieder Bundesligafußball in dieser fußballbegeisterten Region gespielt wird. Positiv wäre in jedem Fall, dass alle Vereine, die sich durch ihren erreichten Tabellenplatz für die Europäischen Klub-Wettbewerbe qualifizieren, auch dort mitspielen dürften.

Mit solidem Wirtschaften zum Erfolg

Aber ich bin überzeugt, dass die Bundesliga weit weniger Befürchtungen haben muss als die Top-Ligen in Italien, Spanien und England, weil unsere deutschen Vereine wesentlich solider finanziert sind. Deshalb begrüße ich es, wenn die DFL die FFP-Regelung übernehmen würde. Ein wichtiger Aspekt scheint mir auch zu sein, dass die DFL und der DFB mit dem FFP weit weniger Probleme haben werden, die 50+1 Regelung abzuschaffen und sich damit des Problems zu entledigen, möglicherweise nicht konform mit den EU-Richtlinien zu gehen.

Ich wünsche Michel Platini den größtmöglichen Erfolg bei der Durchsetzung des UEFA Financial Fairplay, weil es den europäischen Fußball noch attraktiver machen kann. Ich bin auch ziemlich sicher, dass die Bundesliga durch diese Regelung gegenüber England, Spanien und Italien eindeutig Boden gutmachen wird, weil die deutschen Klubs weit solider wirtschaften als die europäischen Konkurrenten.

Lesen Sie auch ein Interview mit Dietmar Hopp.

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