Wulff verlängert das Bauchgefühl ins Bundespräsidialamt hinein. Alexander Kissler

Hintergrund

Die Freiheit nehm ich dir

Big_fdd88ce0a7

Das Internet stellt den Gesetzgeber vor neue Herausforderungen. Urheberrecht und Datenschutz müssen angepasst werden, neue demokratische Modelle werden debattiert - das Netz verliert sein anarchisches Moment.

Hintergrund

Betrachtet man Tim Berners-Lees „Information Management – A Proposal“ als Startschuss für das World Wide Web, dann leben wir seit 22 Jahren mit „dem Internet“. In dieser Zeit hat die „Mediatisierung der Alltagswelt“ dazu beigetragen, dass „Netzpolitik“ ein fester Bestandteil im öffentlichen Diskurs werden konnte.

Mit den Piraten kam gar eine Partei auf, die zumindest ihre Anfänge völlig auf Themen wie Urheberrecht, Datenschutz, freien Wissensaustausch oder Transparenz im Netz gegründet hat. Inzwischen ziehen die etablierten Parteien nach, selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht nun auf Youtube über die Fragen des Netzes. Die zentralen Themen im Überblick:

Urheberrecht: Illegal Musik herunterladen und Filme schauen, geschriebene Inhalte kopieren und verwenden, sorglos Bilder verwenden – im Internet hat sich der Begriff des Eigentums verändert, das klassische Urheberrecht stößt an seine Grenzen. Einige meinen, die Unterscheidung von Original und Kopie sei im digitalen Zeitalter ohnehin hinfällig. Ganz in diesem Sinne spricht beispielsweise Joichi Ito, CEO von „Creative Commons“, von einer Read-write-Kultur: vorhandene Dinge würden adaptiert und weiterentwickelt.

Dem stehen Verfechter des Urheberrechtes entgegen, die den Schutz von geistigem Eigentum allein schon ökonomisch für unerlässlich halten. Eine Schriftstellerin sei schließlich darauf angewiesen, ihr Buch gewinnbringend vermarkten zu können. Die Abkehr vom diesem Leistungsschutzrecht könnte beispielsweise in einer „Kulturflatrate“ resultieren.

Datenschutz: Facebook, Google, Amazon, Ebay – die großen Unternehmen des Netzes wissen beängstigend viel über uns. Welche Freunde man hat, was für Interessen, was man gerne liest und welches Geschenk die Oma zu Weihnachten bekommt. Daten sind bares Geld im Netz, lassen sich beispielsweise durch personalisierte Werbung vergolden. Aber auch der Staat sammelt kräftig mit, manchmal in rechtlichen Grauzonen, wie der Fall des „Staatstrojaners“ belegt.

Netzneutralität: Während im Jahr 2000 nur rund fünf Prozent der Weltbevölkerung das Internet nutzten, waren es Anfang 2011 laut „Internetworldstats“ schon über 30 Prozent. Dementsprechend werden globale Datenströme zum einen größer, zum anderen aber werden sie aufgrund der Datenvielfalt komplexer – die Kapazitäten der Netze stoßen an ihre Grenzen.

Bisher wurden alle Daten gleich behandelt und auf der „Best-Effort-Basis“ (PDF) verschickt. Nun könnte im Zuge des technischen Fortschritts die „Quality of Service“ (für manchen) verbessert werden, indem Daten einer bestimmten Art verlangsamt oder blockiert werden. Gegner dieser Praktiken plädieren jedoch dafür, dass das freie Internet auf der Gleichheit aller Daten basiere – ein Abrücken würde Diskriminierung erzeugen. Andere, zum Beispiel David Gelernter, halten Netzneutralität für „eine dumme Idee im netten Gewand“.

Internet-Demokratie: Das Internet bietet als umfassender Kommunikations- und Informationskanal theoretisch zahlreiche neue Möglichkeiten der politischen Teilhabe. So könnte online über Themen beraten und abgestimmt werden – die digitale griechische Agora. Die Piratenpartei versucht sich an solch einem Projekt im Kleinen, der Verein „Liquid Democracy“ sucht nach der großen Lösung.

zurück

Der Weg zu einer nachhaltigen digitalen Welt

Medium_bd83b22fdd

Digitale Diät

Bereitwillig geben wir all unsere Daten an große Unternehmen weiter. Wer da nicht mitmacht, ist vom Alltagsleben ausgeschlossen. Dabei gäbe es durchaus einen dritten Weg.

Medium_7b5ab7c6a0

Coach

Martin Hellweg
15.01.2015

Populismus bei der Regulierung von Google

Medium_5ef4c45069

Über das Ziel hinaus

Google ist zum Lieblingsgegner der Regierung geworden. Dumm nur, dass die Politiker weder die Funktion der Suchmaschine verstehen, noch ihre eigene Kompetenz überschauen.

Internetdebatte zwischen Lobo und Morozov

Medium_677bf44358

Im digitalen Mittelalter

Eine kleine Clique privater Akteure dominiert das Netz. Doch statt jetzt auf den Staat und eine digitale Magna Carta zu hoffen, können wir unser Schicksal auch selbst in die Hand nehmen.

Der Streit um ACTA

Medium_7786e0e3fb

Unheilige Dreifaltigkeit

Das Internet rüttelt an demokratischen Strukturen – und kann dabei helfen, sie zur Geltung zu bringen. Die Politik sollte die Proteste gegen ACTA ernst nehmen – drei Gründe sprechen gegen das Abkommen.

Freiheit und das Internet

Medium_2c9de82532

Mach dich frei

Das Internet und all seine Vorzüge sind aus dem modernen Leben nicht mehr wegzudenken. Politiker müssen das Netz und die dadurch verwirklichte Freiheit verstehen und nicht versuchen, das Rad zurückzudrehen.

Medium_d088e11c0d

Politiker

Peter Tauber
02.02.2012

Verantwortung im Internet

Medium_c7a3cac337

Wir brauchen einen eStaatsminister

Das Internet offenbart großartige Chancen für den Einzelnen, die Gesellschaft und die Wirtschaft unseres Landes. Wir brauchen im Internet so viel Sicherheit wie nötig, um so viel Freiheit wie möglich zu wahren.

 
meistgelesen / meistkommentiert