Seit dem Anschlag vor zehn Jahren ist die einzige verbleibende Supermacht der Erde im Niedergang begriffen. Marode Infrastruktur, ein Schuldenberg nahe des Staatsinfarkts und die Diskreditierung freiheitlicher Werte in Folge der 9/11-Anschläge - die USA haben den Zenith ihrer Macht überschritten.
26
Dass die Solidarität mit den USA nach dem 11. September so schnell in Kritik umschlagen konnte, lag nicht zuletzt an den hohen Erwartungen Europas. Dieses Wechselspiel aus Erwartungen und Desillusionierung definiert unser Verhältnis zu den USA.
4
Niedergang der USA? Nicht so schnell. In dem Land mag nach dem 11. September nicht alles rund gelaufen sein, aber die Amerikaner spielen in vielen Disziplinen weiter ganz vorne mit.
Seit den Terroranschlägen des 11. September wurde Dutzende Male der Tod des amerikanischen Heroismus prophezeit. Dabei ist die Opferbereitschaft der amerikanischen Gesellschaft tatsächlich abhängig von der politischen Zielsetzung.
2
Al-Qaida wollte die Welt verändern. Eine historische Zäsur sind die Anschläge vom 11. September aber nie geworden; dazu gibt es in Zeiten der Globalisierung zu viele Entwicklungen, die uns und unsere Welt prägen. Die Mission der Terroristen ist gescheitert.
2
Amerika hat sich verhoben. Die zehn Jahre seit dem 11. September haben die einstige Supermacht an ihre Grenzen geführt, das Land wirkt müde und erschöpft. Die USA müssen sich gesundschrumpfen – und den globalen Führungsanspruch abgeben.
3
Das Mitgefühl mit Amerika nach dem 11. September war von kurzer Dauer. Schnell hat sich die internationale Gemeinschaft in Verharmlosungen, Ressentiments und Überspitzungen verstiegen. Und auch zehn Jahre später ist Antiamerikanismus immer noch en vogue.