Wer 1989 bewusst erlebt hat, weiß, dass Veränderungen und die Befreiung aus hoffnungslosen Situationen möglich sind. Marianne Birthler

Hintergrund

Wankender Riese

Big_a744344994

Freie Meinungsäußerung, freie Wahlen, freie Religionsausübung. Europa ist ein großer Freiheitsraum. Doch in der Krise bröckelt die Fassade. Die 27 Mitglied-Staaten müssen sich auf einen Kurs verständigen, um diesen Traum am Leben zu halten.

Hintergrund

Was macht Europa zu dem, was es ist: seine Geschichte, seine Kultur, sein gemeinsamer Wirtschafts- und Währungsraum? Auch. Aber das Wesentliche ist: Die Union der 27 ist ein großer Freiheitsraum. Freie Meinungsäußerung, freie und geheime Wahlen, freie Religionsausübung. Aus der Geschichte haben die Völker Europas gelernt: Diskurs ist besser als Gefecht. Auf absolute Wahrheitsfragen folgen absolute Konflikte.

Der Friede von Münster und Osnabrück steht unter dem Vorzeichen “etsi Deus non daretur” – als ob es Gott nicht gäbe. Der bewaffnete Konflikt aufgrund religiöser Streitigkeiten ist Geschichte auf dem Kontinent der Freiheit. Umso mehr hat die Staatengemeinschaft der Konflikt im ehemaligen Jugoslawien Ende der 90er-Jahre des 20. Jahrhunderts irritiert.

Die große Stärke Europas ist die Fähigkeit zur Diskussion, zum Diskurs, zur Selbstreflexion. Eine selbstbewusste Streitbarkeit, die dem besten Argument verpflichtet ist, ist das Alleinstellungsmerkmal jener westlichen Sphäre, die lange als das christliche Abendland bezeichnet wurde.

Die Fähigkeit zur Selbstreflexion, zur Selbstkritik führt zu einem versöhnten Umgang mit der Geschichte. Der Furor, den die Mohammedkarikaturen in der islamischen Welt ausgelöst haben oder die Verweigerungshaltung, mit der die Türkei die Frage nach der Ermordung der Armenier ausspart, belegen, dass diese Fähigkeit in anderen Kulturen nicht automatisch vorhanden ist.

Das kann die Welt von Europa lernen: Verschiedenes unter einem Dach versöhnt nebeneinanderstehen zu lassen. Im Diskurs gewinnt der, der die überzeugendsten Argumente am glaubhaftesten darstellen kann. Auch wenn die Einwohnerzahl Europas in den nächsten Jahrzehnten deutlich schrumpfen wird, steht der Kontinent weiterhin Pate als maßgebliches Beispiel für die Entwicklung anderer kultureller Räume.

zurück

Die Koalition radikaler Eurogegner

Medium_591a9e0c63

Geister des Ressentiments

Bei der anstehenden Europawahl könnten die Populisten auftrumpfen. Das Misstrauen, das im Kampf gegen Europa geschürt wird, ist so schnell nicht wieder zu vertreiben.

Reform der Europäischen Union

Medium_f86759b8c7

Modell der Vergangenheit

Es geht nicht darum, die Europäische Union von heute stur zu verteidigen. Denn Europa wird nicht gebraucht, um Olivenöl in Restaurants zu regeln oder die Wassermenge, die eine Toilettenspülung verbrauchen darf.

Sozialpolitik in der Europäischen Union

Medium_ee93b3d249

Auf den sozialen Kompass kommt es an

Die Sozialpolitik ist eines der zukunftsweisenden Themen der EU. Die politischen Akteure sollten hierfür wesentlich sensibler sein, als dies bisher der Fall war. Sie riskieren sonst ihr Auseinanderbrechen.

Europhile und euroskeptische Blicke auf die EU

Medium_ca4f9a3e7c

EU ≠ Europa

Euroskeptiker werden von Populisten als Problemgruppe abgetan. Ganz nach dem Motto: Die klugen Europhilen, die alles für Europa tun, gegen die dummen Euroskeptiker, die alles nur zerschlagen wollen. Doch brauchen wir nicht die Skepsis im Sinne der Dialektik?

Maßnahmen gegen Jugendarbeitslosigkeit

Medium_df30a43fd5

Hauptsache beschäftigt

Europäische Politiker haben das Thema Jugendarbeitslosigkeit für sich entdeckt. Auf hektischen Aktionismus folgten nun konkrete Maßnahmen. Ob diese Jugendlichen tatsächlich helfen, ist jedoch fraglich – denn das Kernproblem der EU wird weiterhin ignoriert.

Catherine Ashton & das Dilemma der EU-Außenpolitik

Medium_bfbd6be2ef

Die wächserne Lady

Die europäische Außenministerin Catherine Ashton ist saft- und kraftlos. Das liegt aber nicht nur an ihrer Person, wie ein fiktives Telefonat mit Henry Kissinger verdeutlicht.

Medium_d296b190a4

Journalist

Jon Sopel
29.06.2013
 
meistgelesen / meistkommentiert