Die einfach zugänglichen Ressourcen an fossilen Brennstoffen in der Welt schwinden; Energiekonzerne müssen immer größere Anstregnungen unternehmen, um den wachsenen Energiehunger der Welt zu stillen. Steigene Nachfrage sorgt dabei dafür, dass auch solche Vorkommen erschlossen werden, deren schwere Zugänglichkeit sie bislang unrentabel gemacht hatte. Somit wird Erdöl in immer größeren Meerestiefen gefördert und Erdgasvorkommen unterhalb von schwer durchdringbaren Gesteinsschichten rücken in den Fokus der Mineralölkonzerne.
In Deutschland besteht dabei die Hoffnung, unter Zuhilfenahme diese neuen Methoden auch domestische Energiereserven nutzen zu können. Erdgas gilt als sauberste Variant der fossilen Energieträger und könnte langfristig die deutsche Abhängigkeit von Importen aus Krisenregionen zu mindern.
Zugang zu diesen Gasreserven bietet “unkonventionelle Erdgasförderung”, bekannt unter dem englischen Namen Hydraulic Fracturing oder kurz “Fracking”. Hierbei wird eine Gesteinsschicht an mehreren Stellen angebohrt und anschließend unter hohem Druck ein sogenanntes Fracfluid eingeleitet, ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien. Dessen hydraulische Eigenschaften erzeugen Risse in der Gesteinsschicht, welche dadurch porös wird und Zugang zu darunterliegenden Erdgasvorkommen ermöglicht.
Streit herrscht hingegen um die Auswirkungen dieses Verfahrens und der (oft geheim gehaltenen) verwendeten Chemiekalien auf die Umwelt: So besteht die Gefahr, dass Teile des Fracfluids ins Grundwasser gelangen können von wo die verwendete Chemie in den Wasserkreislauf des Menschen weitergetragen wird. In den USA, wo Hydraulic Fracturing bereit seit Jahren angewendet wird, kommen daher immer lautere Proteste gegen diese Fördermaßnahme und die Aufnahme von neuen Bohrungen. Anwohner berichten von Übelkeit, Kopfschmerzen und Konzentrationsschwäche. Die US-amerikanische Environmental Protection Agency untersucht daher die Langzeitwirkungen des Fracking auf Menschen und Umwelt.
Währenddessen wird das Verfahren weiter eingesetzt. Während in den USA bereits 90% aller Erdgasvorkommen mit Fracking gewonnen werden, befindet es sich in Deutschland noch in der Anfangsphase. Energiekonzerne verwenden das Verfahren in Norddeutschland sowie bei Probebohrungen im Münsterland und stoßen dabei vermehrt auf Widerstände von lokalen Aktionsbündnissen und der Politik.