Das öffentliche Wohl sollte das oberste Gesetz sein. Marcus Tullius Cicero

Hintergrund

Gebt uns ein AAA

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Ratingagenturen sind private Unternehmen – und enorm einflussreich auf den globalen Finanzmärkten. Selbst eine einzelne Fehlentscheidung kann zum Brandbeschleuniger der Finanzkrise werden. Überwacht und hinterfragt werden die Agenturen trotzdem kaum – und gefährden die Neuausrichtung nach der Krise.

Hintergrund

Seit es 2007 im Finanzsektor zu brodeln begann, geraten private Ratingagenturen immer wieder in die Kritik – spätestens, wenn ein Unternehmen oder ein Land zu hoch bewertet oder herabgesetzt wird. Die Aufgabe von Ratingagenturen ist es, die Bonität einzelner Personen, von Unternehmen oder sogar Staaten zu bestimmen. Auch wenn eine Firma ein neues Finanzprodukt – zum Beispiel eine Anleihe – auf den Markt bringt, wird das Risiko eines solchen Produkts von den Ratingagenturen untersucht. Risikoarme Produkte erhalten das beste Rating AAA, risikoreiche Produkte können zu B- oder C-Ratings herabgestuft werden.

Die “Großen Drei” – Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch gibt es teilweise schon seit über 100 Jahren. Doch anders als früher wird der Rating-Prozess heute nicht mehr von den Investoren oder Käufern angeregt, sondern von den Emittenten der Anleihen. Eine Bank bezahlt also dafür, dass ihre Finanzprodukte mit einem Rating versehen werden. Das Problem: Die Ratingagenturen agieren profitorientiert, das zu untersuchende Unternehmen ist gleichzeitig Kunde der Agentur. Außerdem verwenden Ratingagenturen bei komplexen Finanzprodukten teilweise die gleichen Risikomodelle wie die Unternehmen, deren Produkte sie bewerten – mit der Folge, dass sich eine Investmentbank beispielsweise schon bei der Entwicklung von Kreditanleihen Gedanken machen kann, welche Produkte hohe Ratings erzielen können. Das tatsächliche Risikopotential und das Rating stimmen also nicht notwendigerweise überein. Positive Ratings täuschen Kreditwürdigkeit vor, die nicht notwendigerweise existiert; schlechte Ratings können Krisen von Unternehmen oder Staaten verstärken, indem Vertragspartner oder Investoren sich panikartig zurück ziehen.

Im Zuge der Euro-Krise hat die Bewertung von Staatsanleihen enorme Relevanz gewonnen. Falls die Ratingagenturen die Bonität eines Landes herabstufen oder die freiwillige Beteiligung von privaten Gläubigern an einem Rettungspaket als Zahlungsausfall werten, sinkt das Vertrauen der Märkte. Die Staatsanleihen würden weiter an Wert verlieren. Obwohl die Europäische Zentralbank bei Länderratings auch noch eine andere Ratingagentur hinzuzieht, haben die großen Drei eine relative Monopolstellung inne. Eine europäische Ratingagentur könnte einen Gegenpol schaffen. Doch auch sie wäre – ähnlich wie die EZB selber – letztlich wohl keine unabhängige Instanz, sondern Teil der Euro-Politik der EU-Mitgliedsstaaten.

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Amerika gegen Standard & Poor's

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Klagen, damit sich nichts ändert

Die US-Regierung klagt gegen die mächtigste Rating-Agentur der Welt, Standard & Poor’s – und untermauert damit nur den Status quo. Deutschland und Europa denken indessen schon weiter.

Macht der Rating-Agenturen

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Setzen, CCC

Die Arbeit der Rating-Agenturen ist ein Eiertanz. Kommt das Rating zu früh oder zu spät, ist es zu hart oder zu weich, verliert das Institut seine Glaubwürdigkeit. Statt über die Nutzen zu meckern, sollten Staaten also den eigenen Defiziten in die Augen schauen.

Das Problem mit den Rating-Agenturen

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Sag mal AAA

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Juristin

Claire Hill
11.07.2012

Arbeitsweise und Rolle der Rating-Agenturen

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Leck-Entdecker

Keine Glaubwürdigkeit, keine Aufträge, keine Marktmacht – so die Denke der Rating-Agenturen. Schönreden hilft am Ende nicht, denn wenn das Schiff leckt, muss es gestopft werden.

Problem des Ratingoligopols

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Der Plumpsack geht um

Von Ratingagenturen herabgestufte Länder müssen ein Klagerecht erhalten. Ansonsten wird niemals transparent, wie die eng mit der Finanzwirtschaft verklüngelten Agenturen ihre Bewertungen eigentlich erstellen.

Die europäische Rating-Agentur

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Falsche Freunde

Die Kreditwürdigkeit von Irland und Portugal ist herabgestuft worden - und alle rufen plötzlich nach einer europäischen Ratingagentur als Antwort auf die Krise. Welch ein Trugschluss! Gute Ratings einer Euro-Agentur sollten nicht über die miserable Wirtschaftsentwicklung hinwegtäuschen.

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Juristin

Claire Hill
22.07.2011
 
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