Keine Macht der Welt kann Menschenwürde und Freiheit auf Dauer stoppen. Hans-Dietrich Genscher

Hintergrund

Die Zukunft des Fleisches

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Unsere Fleischproduktion ist schlecht für Umwelt, Gesundheit und Tierwohl. Es ist an der Zeit, gegenzusteuern.

Hintergrund

Noch isst jeder Deutsche rund 60 Kilo Fleisch im Jahr. Aber die gesellschaftliche Akzeptanz für die vorherrschende Form der Fleischproduktion bröckelt. Die Zahl der Vegetarier steigt seit Jahren und mit ihnen die Nachfrage nach fleischlosen Produkten. Viele Menschen versuchen zudem, nur noch wenig und stattdessen qualitativ hochwertiges Fleisch zu essen. „Flexitarier“ zu sein liegt im Trend. Dass große Wursthersteller heute mit vegetarischen Frikadellen werben und ein Firmenchef die Wurst jüngst sogar zur neuen Zigarette erklärte, ist der beste Beweis: Die Zukunft des Fleisches steht auf der Kippe.

Die Argumente für den Fleischverzicht sind vielfältig: Das Tiefkühlhühnchen kostet beim Discounter 2,99 Euro, obwohl der wahre Preis von Billigfleisch um einiges höher ist. Nitrat und Antibiotika im Grundwasser, zerstörte Land-striche, die Notwendigkeit von Massentierhaltung, abgeholzte Regenwälder, Hunger in anderen Regionen der Welt und Gesundheitsprobleme bei den Konsumenten daheim – die Zeche zahlen zum Schluss die Steuerzahler, nachfolgende Generationen oder Menschen in Entwicklungsländern. Das wird immer mehr Menschen in Deutschland klar.

In politischen Konzepten spiegelt sich das bislang aber kaum wieder. So erntete Renate Künast empörte Kritik, als sie 2013 vorschlug, einen „Veggie-Day“ in öffentlichen Kantinen einzuführen. Ein Bericht des Wissenschaftlichen Bei-rats für Agrarpolitik der Bundesregierung wurde dagegen kaum beachtet. Das Gremium aus renommierten Wissen-schaftlern kam im Frühjahr 2015 zu dem Schluss, dass die Nutztierhaltung in Deutschland in ihrer jetzigen Form nicht zukunftsfähig ist, und fordert die Politik zur Kehrtwende auf. Reaktion der Bundesregierung? Bisher keine.

Wie soll die politische Strategie für mehr Nachhaltigkeit aussehen und ist ein Markteingriff überhaupt gerechtfer-tigt? Die Landwirte fürchten um ihr Einkommen und fühlen sich stigmatisiert. Manche würden gerne ressourcenscho-nend produzieren, doch Marktzwänge und Großinvestitionen der Vergangenheit fesseln sie an die Massentierhaltung. Andere finden, der Staat solle sich raus halten. Gleichzeitig fordern Tier- und Umweltschützer sowie eine wachsende Zahl von Konsumenten vehement eine nachhaltige Fleischproduktion. Wir debat­tieren deshalb:

Was muss passieren, um die Fleischproduktion Zukunftsfähig zu machen?

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