Ich kann sehr glücklich sein und trotzdem eine Szene voller Elend drehen. David Lynch

Hintergrund

Das Museum ist museumsreif

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Im Museum wird nur noch Kunst gezeigt, Interaktion mit dem Publikum findet längst anderswo statt. Kann Instagram das Museum ablösen?

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Was, wenn das Museum auf einmal kostenlos wäre, jeder dort ausstellen dürfte und Besucher Informationen zum Werk nicht mehr von weißen Wänden­ ablesen müssten, sondern im direkten Austausch mit dem Künstler stünden?

Dass dieses Szenario nur schwer vorstellbar ist, verrät viel über unsere Ausstellungsräume und unser durch sie geprägtes Kunstverständnis. Wer Kunst sehen will, geht ins Museum oder in die Galerie. Was es dort zu sehen gibt, bestimmen Kuratoren und andere Kunstexperten. Künstler, deren Werke es nicht in diese Ausstellungsräume schaffen, muss man nicht kennen – ganz einfach, oder? Nicht ganz.

Künstlerischer Widerstand gegen die Begrenzungen und angebliche Deutungshoheit der Museen und Galerien gibt es schon fast so lange wie diese Einrichtungen. So entstand 1863 beispielsweise eine Parallelaustellung zum renommierten Salon de Paris namens Salon des Refusés. Dort wurden ausschließlich Werke von Künstlern ausgestellt, die vorher von der Jury des offiziellen ­Salons abgelehnt wurden. Viele der Ausstellenden, wie zum Beispiel Édouard Manet, sind heute nicht mehr aus der Kunstgeschichte wegzudenken. Spätere Künstler – wie Marcel Duchamp – gingen noch einen Schritt weiter und machten die Kritik am Konzept des Museums sogar zu ihrer Kunst.

Bezeichnend war auch, dass Künstlergrößen der 1980er-Jahre wie zum Beispiel Jean-Michel Basquiat oder Keith Haring ihre Kunst auf der Straße stattfinden ließen, um außerhalb des Museums auf sich aufmerksam zu machen. Erst später wanderten ihre Werke von New Yorker U-Bahnwaggons und Häuserfassaden in die bekanntesten Kunstmuseen der Welt.

Was für Manet der Salon und für Haring die Straße war, ist für viele zeitgenössische Künstler das Internet geworden. Genauer gesagt: Die Plattform Instagram, auf der sich zwischen haufenweise Selfies und #foodporn auch immer mehr Kunst findet. Auf Instagram tummeln sich ­bekannte Künstler neben solchen, die es noch werden wollen. Erlaubt ist erst mal alles. Und was gut ist, entscheiden nicht etwa angesehene Kuratoren, sondern die Menschen, an die sich die Kunst in erster Linie richtet: das breite Publikum.

Ist es nicht überhaupt paradox, dass wir in einer Zeit der digitalen Kunst noch auf analoge Kunsterlebnisse setzen? Wenn Musik aus den Konzert­sälen zu Youtube und Filme aus dem Kino zu Netflix wandern, wieso sollte die Kunst dann nicht auch aus dem Museum ins Digitale abwandern? Schließlich ist sie dort ständig und von überall aufrufbar, kostenlos und ungefiltert. Auch der direkte Kontakt zum Künstler ist viel leichter möglich. Wenn das Museum nur die Funktion des Kunstvermittlers übernimmt, könnte Instagram ihm den Rang ablaufen.

Als das bekannte New Yorker Museum of Modern Art 1929 seine Türen öffnete, kommentierte die Schriftstellerin Gertrude Stein zynisch: „Man kann entweder ein Museum sein, oder man kann modern sein. Beides zusammen geht nicht.“ Wir fragen: Sollten wir das Museum digitalisieren?

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