Wir werden sehen, ob junge Leute wirklich besser sind, nur weil sie jung sind. Michel Friedman

Hintergrund

Stellungskrieg

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Frauen kämpfen seit mehr als 100 Jahren für ihre Emanzipation. Eine historische Debatte mit erschreckend aktuellen Argumenten.

Hintergrund

Männer waren noch nie verlegen darum, neue Argumente zur Verteidigung des ­Patriarchats zu erfinden. Was Aristoteles vor 2.000 Jahren schrieb, nämlich dass Frauen dem männlichen Geschlecht überlegen seien, glauben auch heute noch viele Menschen. Anders ist die Protestwelle nicht zu erklären, die 2013 in Form der #Aufschrei-Debatte durch Deutschland schwappte.

Seit den Lebzeiten von Aristoteles sind Weltreiche entstanden und wieder zerfallen – die Frage nach der Rolle und den Rechten von Frauen hat sie alle überlebt. Selbst der eigentlich eher liberale britische „Guardian“ etwa konnte seinen Lesern bis weit in die Moderne hinein noch glaubhaft versichern, Frauen sollten ihren Tee höchstens lauwarm zu sich nehmen – denn „die Natur hat die Frau schwächer als den Mann gemacht, und diese relative Schwäche ist auch heute noch charakteristisch für das weibliche Geschlecht“. Als biologisch oder theologisch motivierte Argumente im 20. Jahrhundert aus der Zeit zu fallen begannen, wurden flugs neue, sozialpolitisch oder psychologisch begründete Thesen in den Diskurs geworfen.

Wir haben diese historischen Texte zu einer ­Debatte gebündelt und wollen damit zeigen, dass sich vielleicht die Argumente der Gegner der Gleichberechtigung in den letzten 100 Jahren verändert haben, die Kontroverse allerdings nichts an Intensität eingebüßt hat. Denn wo Macht wächst, wächst auch Widerstand. Immer wieder gab es Frauen – und einige Männer –, die gegen solche und ähnliche Argumente angeschrieben, angeredet und angekämpft haben. Die Ziele und Taktiken der Frauenrechtsbewegung waren dabei so vielseitig wie die Erfahrungen und Werte ihrer Mitglieder.
Heute geht es zwar nicht mehr um das Wahlrecht, sondern um Frauenquoten, alltäglichen ­Sexismus oder das Recht auf Abtreibung. Doch wie genau Gleichberechtigung zu verstehen ist und welches gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Handeln daraus erwachsen soll, ist heftig umstritten. Mehr noch: Unter dem Deckmantel der Kritik an einer imaginären „Gender-Diktatur“ wird jüngst eine neue Generation von Argumenten salonfähig, mit der die Bedeutung von Gleichberechtigung auf ein Minimum eingedampft werden soll.

Den historischen Texten folgt deshalb ein Streitgespräch zwischen der Redakteurin Julia Korbik und unserem Kolumnisten Alexander Wallasch, in dem es um die Lehren aus der Erkenntnis geht, dass wir in der Frage der Gleichberechtigung trotz #Aufschrei und Suffragetten noch immer auf der Stelle treten.

Wir glauben: Der Streit um die Stellung der Frau ist längst noch nicht zu Ende.

von Martin Eiermann im Namen der Redaktion

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Autorin

Hedwig Dohm
09.03.2015
 
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