Es ist nicht Sache eines Politikers, allen zu gefallen. Margaret Thatcher

Hintergrund

Politik Stil

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Kleider machen Leute, Politiker nicht ausgenommen. Eine Debatte zur Wirkung des Zwirns.

Hintergrund

Dass es bei Politik auf die Inhalte ankommt, stimmt meistens – manchmal zählt das Äußere aber eben auch. „Er wird sich fein machen“, berichtete der „Spiegel“ 1985 kurz vor der Vereidigung von Joschka Fischer als hessischem Umweltminister. „Ein italienischer Fischgrät-Sakko, ein teures Hemd ‚in den aktuellen Herbstfarben‘, neue Jeans und schneeweiße Nike-Turnschuhe zu 149,90 Mark.“ Das fand Fischer-Freundin Claudia zwar „Schicki-Micki“, aber ein Politiker muss schließlich an seinen Ruf denken. Und daran, wie sich grünes Unangepasstsein kombiniert mit politischer Verantwortung modisch ausdrücken lässt.

Denn eines dürfte klar sein: Politikerstil ist meistens nicht zufällig. Man oder frau hat nicht mal eben übergeworfen, was im Kleiderschrank gebügelt oben auf dem Stapel lag und wonach der Sinn stand. Große Verwirrung löste Angela Merkel 2012 aus, als sie anlässlich der Eröffnung der Bayreuther Festspiele dasselbe Kleid trug wie bereits 2008: War das Kleid (laut „Süddeutsche“ ein „Wickeltraum in Petrol“) als politische Botschaft gemeint? Unterstrich es – wie „Spiegel Online“ befand –, was Merkel damals „auf allen politischen Bühnen“ predigte, nämlich Sparsamkeit und Bodenständigkeit? Oder fühlte sich die Bundeskanzlerin in dem Kleid einfach so wohl, dass sie es ein zweites Mal tragen wollte?

In der alltäglichen Politik haben ausgefallene Auftritte (Fischer) oder gar ein Hauch von Glamour (Merkel) in der Regel aber keinen Platz – modische Statements wie die goldenen Sneaker von CSU-Verkehrsminister Alexander Dobrindt sind die Ausnahme. Stilexperte und Maßschneider Stephan Görner befindet: „Manchmal lässt sich die politische Richtung gerade noch durch die Farbe der Krawatte erahnen.“ Wir sagen: Besonders in Zeiten der Großen Koalition herrscht politischer und modischer Einheitsbrei. Je trister die Mode, desto trister die Politik. Oder umgekehrt.

Die politische Mode muss interessanter werden, damit die Politik neuen Schwung erhält. Denn Mode macht eben nicht nur Leute, sondern auch Politik.

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