Die Demokratie ist keine Frage der Zweckmäßigkeit, sondern der Sittlichkeit. Willy Brandt

Hintergrund

Es ist angerichtet

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Gehört Fleisch auf den Teller? Darüber streiten wir schon seit der Antike. Drei historische Kostproben.

Hintergrund

Auch bei den Nazis war das Sprichwort „ein gesunder Geist in einem gesunden Körper“ populär. Der „Volkskörper“ brauchte laut nationalsozialistischer Lehre regelmäßige Ertüchtigung und gesunde Ernährung. Es ging um Kriegstauglichkeit, um wache, arische Geister. Als gesund galt vor allem: viel Vollkornbrot und viel Fleisch. Umso verwunderlicher ist es, dass Hitler selbst Vegetarier war.

Ernährung ist immer Produkt einer Kultur und einer Zeit. Oft ist sie ideologisch gefärbt. Und ebenso oft gibt es Abweichler, die sich nicht an sie halten. Hitler litt an Flatulenzen, mit der fleischlosen Kost versuchte er sie in den Griff zu bekommen. Ein Pionier des Vegetarismus war er allerdings bei weitem nicht: Schon vor 2.500 Jahren verzichtete Pythagoras auf Fleisch. Und da es den Begriff „vegetarisch“ seinerzeit nicht gab, sprach man von „pythagoreischer Kost“.

Wenn heute wieder über vegetarische Ernährung diskutiert wird – der „Veggie-Day“ dominierte gar kurz den Wahlkampf – so geht es also um ein Thema, das die Menschen schon seit Jahrhunderten bewegt. Ernährung betrifft schließlich alle, daher ließ sich schon immer vorzüglich darüber debattieren. Gerade die Grundsatzentscheidung für oder gegen Fleischkonsum sorgte für viel Streit. In dieser historischen Debatte möchten wir den Streit und seine Argumente nachzeichnen. Ihm zugrunde liegt die gleiche Frage, welche noch heute Geister scheidet: Fleisch essen, ja oder nein?

Vom antiken Griechenland bis heute entstanden die Antwort immer im Kontext der jeweiligen Epoche. Pythagorasʼ Vegetarismus war von der griechischen Ethik motiviert. US-Präsident Theodore Roosevelt galt als Umwelt- und Tierschützer, weil er so viele Nationalparks gründete. In seiner Freizeit widmete er sich jedoch ohne Bedenken der Großwildjagd und aß Fleisch. Hitlers Abweichen vom staatlichen Speiseplan begründete die Propaganda damit, dass er eben ein aufopferungsvoller Asket sei. Gründe, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Doch nicht nur der Zeitgeist bestimmt, was wir moralisch und unmoralisch, gesund und ungesund finden. Ernährung mag uns alle betreffen – die Entscheidung, was auf unserem Teller landet, war und ist letztlich eine persönliche.

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Von Schlamm und Baumrinde mussten sich die ersten Menschen ernähren, wer hätte ihnen da ein saftiges Steak missgönnt? Doch spätestens seit Erfindung des Ackerbaus gehört totes Tier nicht mehr auf den Teller, findet der antike Philosoph Plutarch.

 
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