Mikrofone sind das einzige, was Politiker sich gerne vorhalten lassen. Frank Elstner

hintergrund

Borderline-Syndrom

Big_c31e0b6202

Europa streitet über seine Grenzen: Ob Flüchtlinge aus Nordafrika oder die Asyl-Problematik im Inneren. Frankreichs Präsident Sarkozy wagt den Vorstoß und fordert, das Schengen-Abkommen temporär auszusetzen, während im Süden der Union die Agentur Frontex die Grenzen der Festung Europa sperrt.

Hintergrund

Nach den Unruhen im Nahen Osten 2011 stand Europas Umgang mit Flüchtlingen grundsätzlich zur Debatte: Italien verlangte eine Lastenteilung und mehr Solidarität der europäischen Partner. Der damalige Innenminister Roberto Maroni rechnete mit „mindestens einer Million Flüchtlingen“, mehr als 5.000 Tunesier hatten sich bereits zuvor auf die italienische Insel Lampedusa abgesetzt. Etwa 50 davon stellten Asylanträge. Die EU-Kommission beschied Italiens Gesuch um finanzielle Hilfe grundsätzlich positiv – gleichzeitig blieb unklar, wie die Verteilung von Flüchtlingen aus Nordafrika innerhalb der EU-Staaten ablaufen soll.

Deutschland und andere Nordländer verweigerten die Aufnahme der Flüchtlinge mit dem Hinweis, Aufbau- und nicht Flüchtlingshilfe sei gefragt. Mit Hinblick auf die Statistik lehnte die Bundesregierung eine Aufnahme von Flüchtlingen aus Italien ab: 2010 wurden dort 6.500 Asylanträge gestellt, in Deutschland hingegen 41.000. Auch Schweden und Österreich meldeten hohe Zahlen.

Bisher unterstützen zehn Mitgliedstaaten, darunter auch Deutschland, Italien aber bei der Sicherung der EU-Außengrenze mit der Grenzschutzagentur Frontex, die im Oktober 2004 eingerichtet wurde. Während ihrer Aufbauphase übernahm sie hauptsächlich Koordinierungsmaßnahmen, um den Grenzschutz von EU-Staaten, Transit- und Herkunftsländern besser aufeinander abzustimmen. Heute kommt Frontex als punktuelle Eingreiftruppe überall dort zum Einsatz, wo außergewöhnlich starke Flüchtlingsströme auf die EU-Grenzen zusteuern. Frontex-Operationen fanden bisher rund um die Kanarischen Inseln, vor den Kapverden, dem Senegal und auf Malta statt.

Die Dublin-II-Verordnung der EU setzt fest, dass Flüchtlinge ihren Asylantrag in dem Land stellen müssen, in dem sie ankommen. „Randländer“ wie Griechenland, Italien oder Spanien sehen sich deshalb mit einer Flut von Verfahren konfrontiert. Im Stockholmer Programm hatten die EU-Staaten 2009 das Ziel formuliert, 2012 ein gemeinsames Asylsystem mit einer Strategie zur Verbesserung des Grenzmanagements zu schaffen. Noch immer steht Deutschland dem Konzept kritisch gegenüber und sperrt sich gegen Quotenregelungen.

Im Frühjahr 2012 brachten dann Frankreich und Deutschland gemeinsam eine Initiative auf den Plan, die verstärkte Kontrollen innerhalb der EU zulassen sollen. Bis zu 30 Tage dürften demnach Länder ihre Binnengrenzen vor der Reisefreiheit schließen. Vorausgegangen waren mehrere Alleingänge unter anderem von Frankreich und Dänemark, die eigenmächtig ihre Grenzen kontrollierten. Hauptargument auch hier: Flüchtlingsströme und unsichere EU-Außengrenzen.

Zurück

Europas Umgang mit Immigranten

Medium_759eaaf762 1

Die Guten ins Töpfchen

Wie sollte Europa mit Flüchtlingen und Einwanderern allgemein umgehen? Es sollte seiner Verantwortung gerecht werden. Und es sollte sich die Rosinen herauspicken. Beides zusammen geht.

Drohende Einschränkung der Freizügigkeit

Medium_edeacec7e8

Freie Reise

Wer versucht, Schengen einzuschränken, der legt die Hand an Europa. Die offenen Grenzen müssen verteidigt und Schengen weiter entwickelt statt zurückgebaut werden.

Deutsch-französischer Vorstoß zu Schengen

Medium_3616ced988

Begrenzt europäisch

Schengen ist die europäische Erfolgsgeschichte. Nun unterstützt Innenminister Friedrich einen französischen Vorstoß und will das Rad zurückdrehen. Europas Ideale dürfen nicht dem Wahlkampf geopfert werden.

Grenzkontrollen im Schengen-Raum

Medium_20dcbe8f3c 1

Visa-Mikado

Die Freizügigkeit der EU ist eine ihrer größten Errungenschaften - sie infrage zu stellen, ist gleichsam ein Angriff auf das Fundament der Union. Die Verteidiger der europäischen Idee müssen nun handeln; notfalls knallhart.

Medium_0cbdc65265

Politiker

Elmar Brok
04.06.2011

Freizügigkeit in der EU

Medium_3c5fd15a73 3

Das Ende der Alleingänge

Wir haben in der EU alle Instrumente zur Hand, um der Flüchtlingssituation Herr zu werden - ein Ende der Freizügigkeit darf es deshalb nicht geben! Der Aufbau eines gemeinsamen europäischen Asylsystems ist der richtige Weg, doch nur auf Basis vernünftiger Gesetze.

Solidarität in Europa

Medium_de38e4134b 4

Mehr Europa, aber besser

Es gibt in der Europäischen Union kein gemeinsames Verständnis von Solidarität. Während Italien und Frankreich sich in der Flüchtlingsfrage in die Haare bekommen, werden nur vage Schritte hin zu einer gemeinsamen Linie unternommen - dabei könnte die, trotz späten Krisenmanagements, zu einem besseren Europa führen.

 
meistgelesen / meistkommentiert