Politiker haben nur die Erkenntnis des Tages. Egon Bahr

Hintergrund

Ein Hauch von Nichts

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Zu dünn, zu dick, zu groß, zu klein: Models auf dem Laufsteg stehen im Rampenlicht, ihre Maße sind Gesprächsstoff und für viele Frauen auch Vorbild. Doch der Magerwahn der letzten Jahre hat zu einer harten Kontroverse geführt: Wie viel Frau darf es sein?

Hintergrund

Die anhaltende Diskussion um den Schlankheitswahn der Fashionindustrie wird durch immer neue Meldungen angeheizt. Sei es Kate Moss, die kürzlich in einem Interview mit dem Magazin “Women’s Wear Daily” neben der Bemerkung, sie sei nie nüchtern über den Catwalk gelaufen, sagte, dass nichts so schmecke, wie das Gefühl, dünn zu sein – oder die Offenbarungen des inzwischen vollschlanken Models Crystal Renn in ihrem Buch “Hungry” über den auferlegten Fastenzwang der Castingagenturen.

Das Model wurde zur Kunstfigur

In High-Fashion-Kreisen hält man an dem Schlankheitsideal fest, das sich im Laufe der 90er-Jahre als Heroin-Chic etablierte. Je ausgemergelter die Models und je dunkler ihre Augen, desto besser. Erklären lässt sich diese Ästhetik über einen kulturell-künstlerischen Zugang. Schauen wir etwa zehn Jahre zurück: “Cool” war das Schlagwort der 90er-Jahre, in der Mode wurde das häufig in kalte Farbtöne, Unnahbarkeit und Understatement übersetzt. Die Schauen wurden immer artifizieller und das Model zur Kunstfigur, zur Abstraktion, zur der zum Leben erweckten Skizze des Designers. Modepräsentationen entwickelten sich zu High-End-Shows, in denen sich magere Gestalten mit maskenhaften Gesichtern steifbeinig über den Laufsteg bewegten.

Strömungen, die den Kulminationspunkt erreicht haben, kippen um in Gegenbewegungen. Die einsetzende Trendwende, das Mannequin wieder menschlicher und realer zu machen, ist da eine logische Folge. Alexandra Shulman, die Chefin der britischen Vogue, wetterte kürzlich in einem Brief gegen die Mini-Größen der großen Modehäuser, und das Frauenmagazin Brigitte startet im neuen Jahr das Konzept “no models”, mit dem sie die Durchschnittsfrau mit der Durchschnittsfigur Mode präsentieren lässt. Vor allem die Sorge der älteren Generation um die Kinder ist der Motor der Gegenstimmen. Wo sie recht haben, haben sie recht. Denn es funktioniert nicht, den Glamour, den ein “Magermodel” auf dem Laufsteg hat, in den Alltag zu transportieren.

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