Mit dem Platzen der Koalition in Hamburg steht auch das Projekt Schwarz-Grün in Frage. Doch allen inhaltlichen Unterschieden zum Trotz: Union und die Grünen werden wieder zusammenfinden. Beide Parteien wollen regieren. Schwarz-Grün verspricht bürgerlichen Konsens und machtpolitische Vorteile.
Der Zerfall der Koalition in Hamburg ist halb so schlimm. Auch die erste rot-grüne Landesregierung hielt nur 15 Monate durch. Die Grünen haben in Hamburg gezeigt, dass es ihnen nicht um die Totalopposition geht. Sie sind bereit für die Regierungsverantwortung.
Das schwarz-grüne Experiment in Hamburg ist gescheitert. Doch die Idee einer Zusammenarbeit von Union und Grünen ist nicht am Ende. Machtpolitik zählt mehr als inhaltliche Programmatik. Wenn die Wahlergebnisse passen, werden sich beide Parteien zusammenraufen.
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Die Grünen sind weit gekommen. Von einer Randerscheinung der Friedensbewegung haben sie sich zu einer vielseitig koalitionsfähigen politischen Kraft entwickelt. Trotzdem sind sie keineswegs beliebig.
Nach dem Rücktritt von Hamburgs Erstem Bürgermeister hat es die Grün-Alternative-Liste in der Hand, das schwarz-grüne Projekt am Leben zu erhalten. Die Abstimmung im August entwickelt sich dabei zur Gretchenfrage, denn der CDU-Kandidat Christoph Ahlhaus ist als Hardliner verschrien, der wenig mit grünen Ansichten anfangen kann.
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Der Rücktritt von Hamburgs Regierendem Bürgermeister ist eine Niederlage für all diejenigen, die die CDU weiter nach links rücken wollen. Das Schwarz-Grüne Pilotprojekt ist bedroht, doch die Union hat durch den Rücktritt von Beusts größeren Schaden erlitten.
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Natürlich ware es ein verlockendes Experiment: Schwarz-Grün im größten Bundesland als Vorstufe zu Schwarz-Grün im Bund 2013. Und wenn die Zahlen es am Wahltag nicht anders hergeben, würde NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers diese Koalition wohl auch versuchen - auch wenn er sich jetzt gerade klar zur FDP als Wunschpartner bekannt hat.