Glaube oder philosophische Argumente können Sie nicht durch Experimente überprüfen. Rolf-Dieter Heuer

Hintergrund

Hurra, die Uni brennt

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Bildung ist das letzte ideologische Feld der Innenpolitik. Wahlen werden gewonnen, wenn Politiker versprechen, Studiengebühren abzuschaffen. Sie werden verloren, wenn das Gymnasium auf acht Jahre verkürzt oder eine Grundschule mit sechs Jahren eingeführt wird oder werden soll. Das Bildungssystem als Ganzes steht auf dem Prüfstand: Es soll sich von den Ländern weg entwickeln und eine Angelegenheit des Bundes werden.

Hintergrund

Die Universität soll ein Ort sein, an dem Studierende und Lehrende gemeinsam im Dienste der Wissenschaft zusammenarbeiten. Dabei existierte durchaus einmal das klassische Bildungsideal, dass jeder das studieren könne, wonach ihm der Sinn steht – und sei es von allem ein Bisschen.

Mit dem Einzug der industriellen Revolution ging jedoch die sich immer weiter ausbreitende funktionale Differenzierung einher, sodass ein universelles Wissen nicht länger erforderlich schien. Émile Durkheim schreib dazu einst: Bereite Dich vor, eine bestimmte Funktion nützlich auszufüllen. Er liefert damit zumindest einen Kritikpunkt der Streikenden am aktuellen Bachelor-System.
Ziele der Einführung des Bachelor-Systems waren unter anderem, verständliche und vergleichbare Abschlüsse einzuführen, sowie die Verbesserung der Mobilität von Studierenden und die Transparenz über Studieninhalte durch Kreditpunkte zu gewährleisten.

Der Bildungsstreik 2009 monierte jedoch, dass die meisten dieser Ziele nicht erreicht worden seien, dass mit dieser Reform vielmehr die Ökonomisierung des Bildungssystems Einzug gehalten habe. In Universitäten würde nur noch versucht, die Studierenden möglich schnell in die Wirtschaft zu bringen.

Doch befasste sich der Bildungsstreik nicht nur mit dem Für und Wider der Bologna-Reform, sondern auch mit anderen Streitpunkten des deutschen Bildungssystems: acht Jahre Gymnasium oder nicht, die Abschaffung der Studiengebühren und längeres gemeinsames Lernen an den Grundschulen waren Themen der verschiedenen Aktionen an Universitäten in ganz Deutschland.

Und tatsächlich scheint Uneinigkeit darüber zu herrschen, wie Bildungspolitik in Deutschland aussehen sollte. So führten CDU/CSU in verschiedenen Bundesländern Studiengebühren ein, die bei einem Machtwechsel zu Gunsten der SPD wieder abgeschafft wurden. Ähnlich verhält es sich mit dem Disput über vier oder sechs Jahre Grundschule.

Die Bildungspolitik ist, und das hat der deutschlandweite Bildungsstreik nochmal verdeutlicht, ein umkämpftes Feld. Es scheint eines der Themenfelder zu sein, auf dem sich die Parteien noch scharf von einander abgrenzen können. Die Krux des deutschen Bildungssystems scheint also nicht nur in der umstrittenen und teilweise als gescheitert bezeichneten Bologna-Reform zu liegen, sondern ebenso am Föderalismus, nach dem Bildung Ländersache ist.

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