Vor zehn Jahren wurde der Begriff einer deutschen Leitkultur geprägt, mit der aktuellen Integrationsdebatte ist er wieder im politischen Diskurs aufgetaucht. Doch was verbindet und definiert „die Deutschen“? Und ist es hilfreich, diese Fragen mit dem Etikett der Leitkultur zu versehen?
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Der reflexhafte Ruf nach dem Staat wird parteiübergreifend zur Signatur deutscher Politik. Schutz und soziale Wärme bietet allein der allmächtige Fürsorgestaat – unser Bundesvolksheim Deutschland.
Lange war der Begriff der Leitkultur in der politischen Versenkung verschwunden. Jetzt ist er wieder aufgetaucht. Doch es geht nicht darum, einen traditionsschwangeren Kulturkanon zu diskutieren. Wir müssen über unsere ideelle Lebensgrundlage sprechen – diese ist wandelbar und wird auch von Migranten mitbestimmt.
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Für die Kirche ist die Leitkulturdebatte sehr verlockend. Wer hört nicht gern von der historischen Bedeutung des Christentums für Kultur und Identität? Doch die Kirche muss sich gegen die Vereinnahmung durch rechte Kräfte wehren. Gefragt ist Realismus anstelle von Nostalgie.
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Wir müssen darüber sprechen, wer und was zum Kanon der deutschen Leitkultur gehört. Ohne Zynismus, ohne Hysterie. Das ist interessant nicht nur für die anderen, sondern auch für uns selber.
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Europa streitet um Einwanderung und Integration und wählt Rechtsextremisten in seine Parlamente – da darf natürlich auch die erneute Debatte um "deutsche Leitkultur" nicht fehlen. Hilfreich ist das nicht.
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Die Debatte, die um Thilo Sarrazins Buch ausgebrochen ist, ist nicht nur eine über Integration, sondern auch darüber, was wir für wichtig halten. Sie ist überfällig.