Wir haben unsere Probleme auf klassisch schottische Art gelöst: Wir haben sie weggetrunken. Irvine Welsh

Hintergrund

Brauchen wir noch MTV?

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Der Kurzfilmcharakter, den Musikvideos in der Blütezeit der Gattung in den 90er-Jahren hatten - erinnert sei an die Clips von Madonna und Michael Jackson - ist heute selten anzutreffen. Auch Dank Internet laufen auf MTV nunmehr Reality Shows und Klingeltöne. Was wird aus dem Musikfernsehen?

Hintergrund

Rauschhafte Endzeitstimmung bei den MTV Europe Music Awards 2009. Die mit stabilem Livestream via Internet übertragene Veranstaltung glich einer Abi-Abschlussfeier. Alle waren betrunken, man kicherte, tuschelte, erzählte sich schmutzige Witze und Bill Kauliz von Tokio Hotel kam in den High Heels seiner Mutter.

Als ob es kein Morgen gäbe, feierte MTV seinen Musikpreis am 5. November 2009 in der O2-Arena Berlin. Der exzessive Ablauf des Events vermittelte den Eindruck, man habe nichts mehr zu verlieren – denn MTV ist schon lange nicht mehr das, was es mal war: Musikfernsehen.

Als MTV am 1. August 1981 in Amerika auf Sendung ging, sollten die Interessen der Plattenindustrie und die der Heranwachsenden symbiotisch im medialen Äther verknüpft werden. Der anfänglich noch recht magere Programminhalt mauserte sich bald zu einer qualitativ hochwertigen, audiovisuellen Ganztags-Hitparade. MTV prägte das Genre des Musikvideos entscheidend mit.

Mit den Geldsorgen der Musikindustrie kamen auch die schrumpfenden Budgets für kostspielige Clips und die Krise des Musikvideos begann. Die teilweise millionenschweren Mega-Etats wurden immer seltener. Durch die Internetästhetik geprägte Low-Fi-Videos, meistens ohne einen einzigen Cent gedreht, entstanden, und man fragte sich ernsthaft, was einem noch alles zugemutet werden sollte.

Ein filmisches Pendant des Popsongs zu kreieren gehört nun aber mittlerweile zum guten Ton und so wird trotz Ebbe in der Kasse munter weiter gedreht. Glücklicherweise hat sich in den vergangenen Jahren durch sinkende Produktionskosten aufgrund technologischen Fortschritts und Fronarbeit verrichtender Filmteams die Zahl ansehnlicher Clips wieder erhöht.

Heute geht das Musikvideo in seiner ästhetischen Ausrichtung auf seine Ursprünge zurück: Das Performance-Video hat wieder Hochkonjunktur. Der Kurzfilmcharakter, den Musikvideos in der Blütezeit der Gattung in den 90er-Jahren hatten – erinnert sei an die Clips von Madonna und Michael Jackson oder an Regisseure wie Michel Gondry oder Chris Cunningham – ist heute selten anzutreffen.

MTV ist nur mehr ein Jugendsender, in dem sich Reality Show mit Castinghorror und Klingelton mit R’n’B-Videos von Beyoncé mischt. Sicher wird der Sender demnächst verkauft und umbenannt oder irgendwann gänzlich eingestampft. Dann werden alle Praktikanten, die MTV finanziell mit ihrer unbezahlten Arbeit am Leben erhalten haben, in die Freiheit entlassen und das Kapitel wird abgeschlossen sein. So ist das Leben und das Leben ist schön!

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