Die Geschichte lehrt die Menschen, dass die Geschichte die Menschen nichts lehrt. Mahatma Gandhi

hintergrund

In die Mitte der Gesellschaft

Big_96353d4ace

Der Christopher-Street-Day-Sommer ist voll im Gange, in New York ist seit Ende Juni die gleichgeschlechtliche Ehe erlaubt. Doch wird der Gleichberechtigung wirklich von hüpfenden und tanzenden Menschen vorangetrieben?

Hintergrund

Die Schätzungen schwanken teilweise stark, die Dunkelziffer ist hoch – um die zehn Prozent der Bevölkerung sind homosexuell, deutlich mehr haben Erfahrungen mit gleichgeschlechtlichen Partnern gemacht.

Doch trotz dieser numerischen Stärke haben sich Schwule und Lesben immer mit Inakzeptanz und Diskriminierung auseinandersetzen müssen. Erst in den 1960er-Jahren begann sich eine Emanzipationsbewegung in Deutschland zu entwickeln. Unter dem Symbol der Regenbogenflagge gingen seitdem immer wieder Menschen für Gleichheit und Toleranz auf die Straße – und haben mitgeholfen, Mauern der Ausgrenzung stückweise einzureißen. Doch bis 1994 standen manche homosexuellen Beziehungen auch in Deutschland offiziell unter Strafe, dann wurde Paragraf 175 des Strafgesetzbuchs nach vielen abschwächenden Änderungen endgültig gestrichen.

Seit dem 1. August 2001 gibt es in Deutschland die Möglichkeit für gleichgeschlechtliche Paare, sich als gemeinsame Lebenspartner eintragen zu lassen. Mit der traditionellen Form der Ehe ist diese Lebenspartnerschaft in vielen Bereichen – nicht jedoch in allen – gleichgestellt. Im Steuer- und Beamtenrecht sowie in Adoptionsfragen bestehen nach wie vor Unterschiede. Das Bundesverfassungsgericht hat jedoch deutlich gemacht wie zum Beispiel im Urteil zur Erbrechtsangleichung im August 2010, dass einer völligen Gleichstellung zumindest prinzipiell nichts im Wege steht. Doch warum gilt das “coming out” eines Schwulen oder einer Lesbe auch weiterhin als Bruch mit gesellschaftlichen Konventionen? Und warum sträubt sich die Politik auch weiterhin, den Begriff der “Ehe” für homosexuelle Partnerschaften zu verwenden?

Experten reden hier vom Unterschied zwischen “de jure”- und “de facto”-Ausgrenzung. Erstere beschreibt die gesetzlich verankerte Ungleichheit aufgrund der sexuellen Orientierung. Letztere dagegen kann auch bei Gleichheit vor dem Recht fortbestehen: durch Vorurteile, gesellschaftliche Konventionen oder religiöse Überzeugungen. Mit diesen Wirklichkeiten – zum Beispiel im Fußball – müssen sich Schwule und Lesben auch bei gesetzlicher Gleichstellung auseinandersetzen.

Zurück

Das Erbe des CSD

Medium_fb69292b7f 7

Tuntentrupps, keep partying!

Alle Jahre wieder: Derzeit wälzen sich erneut Horden Homosexueller zu fetten Beats in knappen Kostümchen durch viele EU-Metropolen – eigentlich, um an den Schwulenaufstand in der New Yorker Christopher Street gegen Polizei-Willkür zu erinnern.

Gleichgeschlechtliche Partnerschaften

Medium_b294d05f8f 3

Ehe ist Leistungswürdigung

Durch die Sonderstellung der Ehe würdigt der Staat die Verzichte und Leistungen Einzelner für das Gemeinwohl. Eine rechtliche Gleichstellung von homosexuellen Partnerschaften untergräbt diese Sonderstellung. Dazu darf es nicht kommen.

US-Schwulenbewegung

Medium_8ca5ec6a7a 3

Es brennt an vielen Ecken

An dem Verbot der Homo-Ehe in Kalifornien entzündet sich momentan der Zorn der Schwulen- und Lesbenbewegung in den USA. Doch Probleme gibt es viele. Eine Konzentration auf die Frage der ehelichen Gleichstellung kann nach hinten losgehen.

Medium_206ad4f206

Juristin

Maya Rupert
07.09.2010

Homosexualität im Fußball

Medium_ffcd3ecf9a

Im Abseits

Schwach, kraftlos, weiblich. Vor allem im Fußball beherrscht immer noch das Vorurteil den Diskurs zur Homosexualität. Dabei gibt doch erst Toleranz Kraft zum Toreschießen.

Gleichberechtigung von Homosexuellen

Medium_860fb668b0 27

Es gibt keinen Weg zurück in den Schrank

Mal wieder hat das Bundesverfassungsgericht dem Gesetzgeber die Leviten gelesen: Lesbische und schwule Partnerschaften sind mit der Ehe in ihren Wesenselementen identisch und müssen deswegen gleichbehandelt werden. Ein wichtiger Schritt – für Schwule und Lesben gibt es nur einen Weg vorwärts: ab in die Mitte der Gesellschaft.

Medium_f9cd9926b2

Politiker

Volker Beck
31.08.2010

Steuerrecht

Medium_06b9858339 4

Schwule und andere Ehen

Nach dem Verfassungsgerichtsurteil, das Schwulen die gleichen Erbrechte wie heterosexuellen Paaren zuspricht, wollen einige Politiker nun auch das Steuerrecht entsprechend verändern. Damit würden aber die Gründe für die Steuerprivilegien Verheirateter verwässert.

 
meistgelesen / meistkommentiert