Ich sage laut, was jeder heimlich denkt. Nicolas Sarkozy

hintergrund

In die Mitte der Gesellschaft

Jerome_marot

Der Christopher-Street-Day-Sommer ist voll im Gange, in New York ist seit Ende Juni die gleichgeschlechtliche Ehe erlaubt. Doch wird der Gleichberechtigung wirklich von hüpfenden und tanzenden Menschen vorangetrieben?

Hintergrund

Die Schätzungen schwanken teilweise stark, die Dunkelziffer ist hoch – um die zehn Prozent der Bevölkerung sind homosexuell, deutlich mehr haben Erfahrungen mit gleichgeschlechtlichen Partnern gemacht.

Doch trotz dieser numerischen Stärke haben sich Schwule und Lesben immer mit Inakzeptanz und Diskriminierung auseinandersetzen müssen. Erst in den 1960er-Jahren begann sich eine Emanzipationsbewegung in Deutschland zu entwickeln. Unter dem Symbol der Regenbogenflagge gingen seitdem immer wieder Menschen für Gleichheit und Toleranz auf die Straße – und haben mitgeholfen, Mauern der Ausgrenzung stückweise einzureißen. Doch bis 1994 standen manche homosexuellen Beziehungen auch in Deutschland offiziell unter Strafe, dann wurde Paragraf 175 des Strafgesetzbuchs nach vielen abschwächenden Änderungen endgültig gestrichen.

Seit dem 1. August 2001 gibt es in Deutschland die Möglichkeit für gleichgeschlechtliche Paare, sich als gemeinsame Lebenspartner eintragen zu lassen. Mit der traditionellen Form der Ehe ist diese Lebenspartnerschaft in vielen Bereichen – nicht jedoch in allen – gleichgestellt. Im Steuer- und Beamtenrecht sowie in Adoptionsfragen bestehen nach wie vor Unterschiede. Das Bundesverfassungsgericht hat jedoch deutlich gemacht wie zum Beispiel im Urteil zur Erbrechtsangleichung im August 2010, dass einer völligen Gleichstellung zumindest prinzipiell nichts im Wege steht. Doch warum gilt das “coming out” eines Schwulen oder einer Lesbe auch weiterhin als Bruch mit gesellschaftlichen Konventionen? Und warum sträubt sich die Politik auch weiterhin, den Begriff der “Ehe” für homosexuelle Partnerschaften zu verwenden?

Experten reden hier vom Unterschied zwischen “de jure”- und “de facto”-Ausgrenzung. Erstere beschreibt die gesetzlich verankerte Ungleichheit aufgrund der sexuellen Orientierung. Letztere dagegen kann auch bei Gleichheit vor dem Recht fortbestehen: durch Vorurteile, gesellschaftliche Konventionen oder religiöse Überzeugungen. Mit diesen Wirklichkeiten – zum Beispiel im Fußball – müssen sich Schwule und Lesben auch bei gesetzlicher Gleichstellung auseinandersetzen.

Zurück

Homosexuellen-Rechte

2501241533_60150df6f8_z 9

Mit König gegen Papst

Der Christopher Street Day ist und bleibt wichtig – denn auch heute sind Lesben, Schwule und Transsexuelle noch weit von der Akzeptanz in unserer Gesellschaft entfernt.

Christopher-Street-Day 2011

Thomas_leuthard

Helau, wir lieben uns

Homosexuelle sind auch in Deutschland noch lange nicht gleichberechtigt. Doch es ist fraglich, ob Karneval und Partystimmung dazu beitragen, das zu ändern. Wir kämpfen einen politischen Kampf - mit Selbstbewusstsein und Spaß, aber ohne unsere Gegner zu verschrecken oder zu dämonisieren.

Selbstbewusster Umgang mit der Homosexualität

Hikingartist_homosexualit_t_heute 38

Somewhere under the rainbow

Der CSD ist ein wichtiger Termin für die lesbisch-schwule Bewegung. Während die Teilnehmer zu Kohls Zeiten noch ausgelacht worden sind, bilden sich heute in immer mehr Städte diese Züge der Toleranz. Ein gutes Zeichen.

Das Erbe des CSD

116958622 7

Tuntentrupps, keep partying!

Alle Jahre wieder: Derzeit wälzen sich erneut Horden Homosexueller zu fetten Beats in knappen Kostümchen durch viele EU-Metropolen – eigentlich, um an den Schwulenaufstand in der New Yorker Christopher Street gegen Polizei-Willkür zu erinnern.

Gleichgeschlechtliche Partnerschaften

2989204069_85f015bee1_z 3

Ehe ist Leistungswürdigung

Durch die Sonderstellung der Ehe würdigt der Staat die Verzichte und Leistungen Einzelner für das Gemeinwohl. Eine rechtliche Gleichstellung von homosexuellen Partnerschaften untergräbt diese Sonderstellung. Dazu darf es nicht kommen.

US-Schwulenbewegung

Gay 3

Es brennt an vielen Ecken

An dem Verbot der Homo-Ehe in Kalifornien entzündet sich momentan der Zorn der Schwulen- und Lesbenbewegung in den USA. Doch Probleme gibt es viele. Eine Konzentration auf die Frage der ehelichen Gleichstellung kann nach hinten losgehen.

Maya_rupert

Juristin

Maya Rupert
07.09.2010
 
meistgelesen / meistkommentiert