Ich war der letzte Rock’n’Roller der deutschen Politik. Joschka Fischer

Hintergrund

Die Häuser der Anderen

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Wenn Hollywood-Stars wie Brad Pitt sich um den sozialen Wohnungsbau kümmern, ist das gut für ihr Bild in der Öffentlichkeit. Aber werden deshalb bessere Häuser gebaut?

Hintergrund

Dass Brad Pitt sich für Architektur ebenso interessiert wie für Filme, ist bekannt, sein soziales Engagement ebenso. Zwei dieser Leidenschaften verband er in seinem letzten Projekt: Dem Wiederaufbau des “Lower Ninth Ward” in New Orleans, einem der Viertel, in dem Hurrikan Katrina 2005 die größten Verwüstungen angerichtet hat. Pitt beauftragte 13 Architekturbüros mit Entwürfen. Die Architekten konnten ihrer Fantasie freien Lauf lassen – unter einer Bedingung: Ein einzelnes Gebäude durfte nicht mehr als 150 000 Dollar kosten und sollte umweltschonend gebaut und betrieben werden.

Um es vor einer neuen Flut zu schützen, musste der Wohnraum mindestens zwei Meter über dem Boden schweben. Kostengünstiges Bauen unter ökologischen Gesichtspunkten ist laut Pitt kein Widerspruch: “Grünes Bauen senkt die herkömmlichen Gebäudekosten um 75 Prozent.”

Bis die Häuser fertig waren, schmückten pinkfarbene Zelte die zukünftige Baustelle, je eines stellvertretend für jedes Ökohaus. Die Symbole konnten durch Spenden in 150 “echte” Häuser umgetauscht werden. Wie ihr künftiges Heim aussehen soll, konnten sich die Katastrophenopfer aus den Entwürfen der 13 Architekten aussuchen. “Das ist ein Kunstwerk”, so Pitt. Nachts leuchteten die Zelt-Installation weithin sichtbar – mithilfe von Energiesparlampen. Verantwortlich für das “Pink Project” ist Pitts Lieblingsarchitekturbüro aus Berlin: Graft.

Die drei Architekten haben auch einen eigenen Entwurf beigesteuert: “Das Grafthaus zeugt von der intensiven Auseinandersetzung mit der traditionellen Architektur von New Orleans”, so Verena Schreppel von Graft. “Diese wurde in eine moderne Formensprache übersetzt.” Wie jedes der geplanten Gebäude schwebt das Grafthaus zwei Meter über der Erde, um es vor künftigen Fluten zu schützen. Das Stelzenhaus erinnert an die Villa Savoye von Le Corbusier. Einer seiner “Fünf Punkte zu einer neuen Architektur”, das Bauen auf Stützen, wird jetzt in New Orleans beherzigt.

So viel Engagement ist sicher löblich, jedoch auch sehr werbewirksam. Es stellt sich die Frage, wie nobel hier die Beweggründe tatsächlich sind. Sind der Hollywoodstar und das Berliner Architekturteam ein Segen für New Orleans oder New Orleans ein Segen für deren Reputation?

Darüber hinaus teilen sich die Geister an der Frage, was Verantwortung in der Architektur bedeutet.
Was müssen die Prioritäten sein, was ist heiße Luft und was ein solider Boden auf dem sich verantwortungsvoll bauen lässt, nicht nur in Krisensituationen?

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