Die Berühmtheit mancher Zeitgenossen hängt mit der Blödheit der Bewunderer zusammen. Heiner Geißler

Hintergrund

In der Not geboren

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Energie für alle, unvorstellbare Rechenleistung, der neue Super-Stoff: Europa und Amerika arbeitet bereits jetzt an den Innovationen, die einmal die Welt verändern werden. Wir stellen vier davon vor.

Hintergrund

Die Aussichten sind schlecht. Dem Westen läuft der Rest der Welt davon. Während die Schwellenländer unermüdlich weiter wachsen, sind Europa und die USA mit sich selbst beschäftigt: Politisch entscheidungsunfähig versinken sie in der Rezession und werden nur noch vom Geld und der Nachfrage aus den Schwellenländern gestützt. Die Globalisierung hat die Verhältnisse umgekehrt. Den USA bleibt vorerst noch ihre globale Vormachtstellung, für Europa scheint das Schicksal bereits besiegelt. Bleibt uns noch mehr, als auf das Wohlwollen von China, Indien und Co zu hoffen?

Bei umfassender Betrachtung verliert das Szenario seinen Schrecken. Denn so ausweglos die Krise gegenwärtig auch scheinen mag: Innovationen werden nicht nur unser aller Leben verändern, sondern auch dafür sorgen, dass der Westen die wirtschaftliche Macht bleibt, die es ist und immer war.

Gefördert wird, was den eigenen Zwecken dient

Der Ökonom Joseph Schumpeter beschreibt in seiner „Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung” einen Wirtschaftskreislauf, der heute Grundlage für viele Konjukturzyklus-Modelle ist. Zentral ist dabei die Idee des Innovators, des „schöpferischen Unternehmers“, der eine Innovation durchsetzt und durch den Erfolg, den diese mit sich bringt, ein kurzzeitiges Monopol genießt. Dieses Monopol ruft Nachahmer hervor, die versuchen, die Innovation zu imitieren. Für Schumpeter ist das Trachten des Innovators nach dem Monopol – sowie das Wechselspiel zwischen Innovator und Imitator – die Triebfeder des Wettbewerbs. Die Innovation selbst ist der Ausgang des wirtschaftlichen Aufschwungs. Auf die Weltwirtschaft umgelegt ergibt sich so ein neues Bild.

Das derzeitige Wachstum der Schwellenländer ist den enormen Bedürfnissen der Massen geschuldet. Die unteren sozialen Schichten befreien sich aus der Armut und erheben den ihnen zustehenden Anspruch auf Grundversorgung: sauberes Wasser, Energie, Mobilität oder medizinische Versorgung. Dieser Bedarf birgt das entsprechende Wachstumspotential.

Die westliche Welt hingegen hat diesen Weg schon weitestgehend hinter sich. Dementsprechend unterscheiden sich die Bedürfnisse von jenen der Schwellenländer und dementsprechend stehen andere Probleme im Zentrum unserer Ambitionen. Gefördert wird nur, was auf absehbare Zeit notwendigen Zwecken gerecht wird oder wirtschaftliche Rentabilität verspricht. Schließlich sind Innovationen zeitlich und finanziell aufwändig.

In Innovationen liegt die Chance für den Westen

Während in Schwellenländern das oberste Ziel noch die flächendeckende Energieversorgung ist, kümmern wir uns bereits um deren ökologische Nachhaltigkeit. In China werden überdimensionale Staudämme gebaut. Millionen von Menschen werden dafür umgesiedelt. Das ökologische Gefüge großflächiger Gebiete wird vollkommen aus den Angeln gehoben. Alles, um den wachsenden Energiehunger der Bevölkerung zu stillen.

In Europa und Nordamerika denkt man hingegen schon seit Jahrzehnten darüber nach, wie Energie umweltverträglicher gewonnen werden kann. Windräder und Solaranlagen werden gebaut. In Südfrankreich entsteht mittlerweile der Kernfusionreaktor ITER. Läuft alles nach Plan, sind wir in absehbarer Zeit nicht nur in der Lage, komplett auf unsauberen Strom aus Nuklearkraft und fossilen Energieträgern zu verzichten, sondern können selbst die Windräder und Solaranlagen wieder abbauen. Und ist diese Technologie erst realisiert, wird sie auch im Rest der Welt gefragt sein.

Der technische Vorsprung versetzt den Westen also in die Lage, sich bereits heute Problemen zu widmen, die in weiten Teilen der Welt zwar von Interesse, jedoch noch drittrangig sind. Im übertragenen Sinne kommt der Westen dadurch in die Rolle des Innovators, der das Monopol genießt und seine Nachahmer finden wird. Genau darin liegt die Chance.

Wir denken bereits an überübermorgen

Der Kernfusionreaktor wird nicht unser einziger Wirtschaftsmotor sein: Der 3D-Drucker holt die industrielle Produktion in unser Wohnzimmer. Eine neu entdeckte Molekülstruktur namens Graphen verspricht Materialien, die sich kein Science-Fiction-Autor hätte besser ausdenken können. Der Quantencomputer, der uns scheinbar unendlich Rechenleistung bescheren wird. Die Entwicklung all dieser Innovationen wird maßgeblich von westlicher Industrie mit westlichtem Know-how vorangetrieben.

Die Welt dreht sich also weiter. Die Schwellenländer genießen ihr wohlverdientes Wirtschaftswunder und wir denken bereits an die ferne Zukunft. Der weltwirtschaftliche Wettbewerb wird mit Innovationen gewonnen. Der Westen wird seinen technologischen und innovativen Vorsprung verteidigen und darum im globalen Wettbewerb auch weiterhin vorne mitspielen. Die Krise wird spätestens damit überwunden – auch ohne das Wohlwollen der Schwellenländer.

Unsere Autoren stellen jeweils eine Innovation vor. Entscheiden Sie, welche das Potential hat, unsere Wirtschaft umzukrempeln.

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