Die zwei Hauptleidenschaften der Politik sind Angst und Hoffnung. Chantal Mouffe

Hintergrund

Schlusspfiff

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Aus! Aus! Aus! – Aus! – Das Spiel ist aus! Was wäre die Welt nur ohne Fußball? Unsere Autoren versuchen, das Unvorstellbare zu denken.

Hintergrund

Fußball ist unser Leben, der König Fußball regiert die Welt“ sang 1974 die deutsche Fußballnationalmannschaft. Und genau so ist es – Fußball ist überall, verbindet. Ob arm oder reich, alt oder jung – im Stadion spielt das keine Rolle. Eine Welt ohne Fußball ist kaum vorstellbar. Wo sollten die Fans hin? In die Oper? Montag morgens würden wir dann vermutlich Folgendes in der Zeitung lesen:

Was für ein toller Abend! Spielfreude, Dramatik, Spannung: das Fanherz schlägt höher. Minutenlanger Beifall, stehende Ovationen, Begeisterung.

Dieser Triumph hatte sich nicht angekündigt: Die etatmäßige Sopranistin Anna Netrebko fällt wegen einer Stimmbandentzündung bis auf Weiteres aus, und die Verantwortlichen mussten noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv werden. Mit der Verpflichtung von Superstar Cecilia Bartoli ist ihnen ein Coup gelungen – großartige Darbietung, tolle Teamspielerin. Das macht Hoffnung für den Rest der Saison.

Schweigen in den Logen

Einzig der Stimmungsboykott zu Beginn trübt die Freude an diesem Abend. Fangruppen und Intendantenvertreter verhandeln seit Wochen über ein neues Sicherheitskonzept, aber die Fronten sind verhärtet. Selbst die eigentlich verfeindeten Mozart- und Wagner-Ultras sind im Protest vereint.

Stille auf den Rängen: In der Allianz-Oper schweigen die Fans bis zum Ende der Ouvertüre. Kein Jubel hallt von den Rängen, als sich Darsteller und Orchester vor Beginn einspielen. Die Transparente werden erst zu Beginn des ersten Aufzugs entrollt, erst dann nimmt der Capo seinen Platz ein und gibt die Klatschrhythmen vor. Und als am Ende noch einmal „Der Vogelfänger bin ich ja“ angestimmt wird, grölt das ganze Haus aus voller Kehle mit. So wie immer.

Der Boykott ist am Tag darauf Aufmacher in den Zeitungen. So etwas hat es in der Deutschen Opernliga noch nicht gegeben. Doch was ist eigentlich der Anlass? Die Intendanten hatten ein Konzept vorgelegt, was Videoüberwachung und Gläserverbot im Innenraum vorsieht. Die Sicherheit des Ensembles soll im Mittelpunkt stehen, doch die Fans wollen sich nicht unter Generalverdacht stellen lassen.

Der aktuelle Protest ist die Reaktion auf eine Entwicklung, die das ganze Operngeschäft verändert. Vor allem die immer weiter voranschreitende Kommerzialisierung stößt vielen Fans sauer auf. Die Werbeaktionen des Rotweinherstellers mögen noch erträglich sein, fließt ein Teil der Erlöse doch in wohltätige Projekte. Pro verkaufter Weinkiste wird eine neue Korkeiche gepflanzt. Wenn selbst die Hamburg-Fans nicht mehr den Namen ihrer Oper kennen, weil mal wieder der Sponsor gewechselt hat, ist das Ende der Fahnenstange erreicht.

Der Schönste gemeinsame Nenner

Nächste Woche wollen sich Vertreter von Fangruppen und Intendanten zu einer weiteren Verhandlungsrunde zusammensetzen. Politiker aller Parteien appellieren im Vorfeld an die Verantwortlichen, einen Kompromiss zu finden. Beide Seiten wissen: Die Institution Oper ist zu wichtig für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft.

So könnte eine Welt ohne Fußball aussehen. Ziemlich absurd, oder? Denn neben dem Grundgesetz ist Fußball der schönste gemeinsame Nenner der deutschen Bevölkerung. Das Wunder von Bern, das Wembley-Tor, das Sommermärchen – alles fest im kollektiven Gedächtnis verankert. Umso reizvoller ist jedoch unser Gedankenexperiment: Was wäre denn, wenn es morgen mit einem Mal keinen Fußball mehr gäbe?

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