Die FDP ist der Wandzeitungsagitator des Kapitalismus. Nils Pickert

Hintergrund

Welt sucht Superheld

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Krise, wohin das Auge blickt. Politiker und Wirtschaftsbosse können uns nicht daraus befreien. In der Stunde größter Not brauchen wir einen Retter mit übermenschlichen Kräften.

Hintergrund

Eurokrise, Wirtschaftskrise, Bankenkrise, Staatsschuldenkrise und nicht zuletzt Vertrauenskrise – die Krise ist allgegenwärtig, hält uns auf Trab und lässt uns nicht zur Ruhe kommen. Wer kann uns aus dieser Lage befreien? Die Politik schafft es auf jeden Fall nicht, Zeit also für einen Superhelden.

Nicht zufällig entstanden Superhelden, wie wir sie heute kennen, zwischen Weltwirtschaftskrise und Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Superman tritt 1938 das erste Mal auf, Batman ein Jahr später. Sie sind Kinder der Krise.

Superhelden sind ein Spiegel unserer Zeit

Superheldengeschichten thematisieren die Geschehnisse ihrer Zeit. Sie sind nicht losgelöst von der Wirklichkeit. Vielmehr kommentieren, reflektieren und kritisieren sie das, was um uns herum geschieht. So kämpft Captain America zunächst gegen die Achsenmächte und später gegen die Kommunisten. Black Panther, König des fiktiven afrikanischen Landes Wakanda, ist der erste schwarze Superheld und betritt 1966 die Bühne – parallel zur Bürgerrechtsbewegung in den USA. In den 1980er-Jahren werden analog zur politischen Stimmung auch die Geschichten um die Superhelden ernster. Northstar darf 1992 zugeben, dass er homosexuell ist und 20 Jahre später seinen Freund heiraten. 9/11 ist ebenso Gegenstand von Superheldencomics wie Guantanamo. Und auch in der Welt der Superhelden sind Frauen in Führungspositionen in der Minderheit.

Superhelden üben seit Jahrzehnten eine große Anziehungskraft aus, weil sie neben ihren Superkräften noch über eine menschliche Seite verfügen. Sie sind charakterlich nicht perfekt, sondern haben Schwächen und Fehler. Spider-Man kämpft oft mit seinen Schuldgefühlen, und Batman wird durch Rachegelüste angetrieben. Dadurch sind sie uns viel näher und wir können uns leichter mit ihnen identifizieren – handelt es sich doch häufig um ganz normale Menschen, die mehr oder minder zufällig zu ihren Kräften gekommen sind. Peter Parker wird durch den Biss einer radioaktiven Spinne zu Spider-Man und Bruce Banner durch einen Unfall zu Hulk. Die Fantastischen Vier wiederum erhalten ihre Fähigkeiten durch kosmische Strahlung, als sie mit einem Raumschiff ins All aufbrechen. Noch faszinierender werden die Helden, weil sie häufig kostümiert auftreten. Theoretisch könnte jeder unter der Maske stecken – auch Ihr Nachbar.

Superhelden beschäftigen allerdings nicht nur US-amerikanische Comiczeichner. Auch ihre Kollegen in Europa und Japan lassen in ihren Geschichten das Gute gegen das Böse kämpfen. Asterix und Obelix sind das Pendant zur französischen Résistance, wenn sie die Unabhängigkeit ihres Dorfes gegen die Römer verteidigen, und der aus Japan stammende und für den Frieden kämpfende Roboter Astro Boy ist eine Reaktion auf die Schrecken des Zweiten Weltkriegs.

Wer kann uns aus dieser Krise retten?

Heute ist wieder Krise. Und wie in den 1930er-Jahren machen wir uns auf die Suche nach einem 
Superhelden, der uns rettet – und wenn es nur auf der Leinwand ist. Marvels „The Avengers“ ist 2012 angelaufen und bereits heute der dritterfolgreichste Film aller Zeiten. Zahlreiche weitere Comicverfilmungen sind in Planung.

Je größer die Krise ist, in der sich die Menschheit befindet, desto größer ist die Sehnsucht nach Superhelden. In sie können wir unsere Hoffnungen hineinprojizieren, sie spenden Trost und sind die 
einzige Konstante in Krisenzeiten. Wer soll uns retten? Welcher Superheld ist am besten für diese schwierige Aufgabe geeignet? Unsere Autoren schicken zwei Kandidaten ins Rennen.

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Der Allmächtige kann die Krise lösen

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Genesis verpflichtet

Nur ein einziger Superheld kann alle Probleme der Welt lösen. Nämlich der, der sie auch gemacht hat.

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Autorin

Sarah Bosetti
17.03.2013

Der Superschurke löst die Krise

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Blaues Wunder

Was Europa in der Krise fehlt, ist ein gemeinsames Feindbild. Wir brauchen einen Superschurken, der so schrecklich ist, dass Staatsschulden und Arbeitslosigkeit wie Luxusprobleme erscheinen.

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Musiker

Tommy Finke
16.03.2013
 
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