Wir müssen unseren freiheitlichen Lebensstil verteidigen. Philipp Mißfelder

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Wenig fasziniert uns mehr als der Untergang der Menschheit. Dabei werden weder Asteroiden, Megatsunamis, Pandemien, Supervulkane noch Nuklearkriege die Menschheit auslöschen.

Hintergrund

Am Morgen des 22. Dezember 2012 geht die Sonne auf. So, wie sie es seit Jahrmillionen tut. Nach anfänglichem Zögern, vielleicht aus Angst vor radioaktiver Strahlung oder haushohen Flutwellen, klettern überall auf der Welt Zehntausende Menschen aus extra gemieteten Bunkern und blinzeln verwirrt in das Licht des neuen Tages. Und während die Maya einfach weiter ihren bisherigen Kalender nutzen, müssen die Apokalyptiker feststellen, dass der Weltuntergang wieder einmal ausgefallen ist.

Das Geschäft mit dem Weltuntergang

Und das Ende aller Tage war schon immer ein immens lukratives Geschäft. Zeit also, den Untergangspropheten das Handwerk zu legen. Denn: Anders als Hollywood sind wir bei der Bewältigung katastrophaler Ereignisse nicht auf Will Smith oder Bruce Willis angewiesen. Wissenschaftliche Analyse, weltweite Vernetzung und technologischer Fortschritt helfen uns dabei, mit den größten potenziellen Katastrophen umzugehen. Wir sind in der komfortablen Lage, viele apokalyptische Ereignisse immer präziser vorherzusagen und uns zu wappnen. Wir verlegen das Ende aller Tage nach hinten.

Deshalb ist es an der Zeit, ein Geschäftsmodell zu beerdigen, das schon seit Jahrhunderten die Taschen der Scharlatane füllte. Der Trick ist so einfach wie perfide: Zunächst gilt es, Verzweifelte und Leichtgläubige zu finden – keine Sorge, von denen gibt es immer genügend. Dann braucht es eine Prophezeiung. Eine gute Grundlage bieten etwa frühzeitliche Inschriften und Kalender untergegangener Völker. Ein wenig Zahlensymbolik und Quersummen später steht fest, wann die Welt untergehen wird. Am besten liegt das Datum nur wenige Jahre in der Zukunft, denn Termindruck hilft dem Propheten enorm. Jetzt kommt das große Es-sei-Denn ins Spiel, das jeder Apokalyptiker seinen Anhängern anbieten muss: „Die Welt geht unter, es sei denn ihr bringt mir eure Erstgeborenen / euer Erspartes / euren Gehorsam.“ Bleibt der Weltuntergang dann aus, wird eine Ausrede benötigt. Die Gebete wurden erhört, bietet sich immer an – Rettung in letzter Minute eben. Im Idealfall sind die Betrogenen erleichtert, vor allem um ihr Geld.

Wie die Angst vor dem Untergang ist die Faszination, die von ihm ausgeht, eine Konstante der Menschheit. Wir lauschen gebannt Geschichten vom Ende der Welt: Damals am flackernden Lagerfeuer, heute vor der Kinoleinwand. Kam das deutsche Universalgenie Albrecht Dürer noch mit 15 Holzschnitten aus, um seine Zeitgenossen auf die Offenbarung des Johannes und die Apokalyptischen Reiter hinzuweisen, feuert Hollywood heute aus allen Rohren. Multimillionenproduktionen wie „Armageddon“ (Asteroid bedroht Menschheit), „Independence Day“ (Außerirdische bedrohen Menschheit) oder „2012“ (Sonneneruption bedroht Menschheit) füllen die Kinosäle und die Konten der Produzenten.

So überzeichnet viele der katastrophalen Ereignisse sind, so real sind einige ihrer Kernannahmen. Die Erdgeschichte kennt massenhaftes Artensterben. Sie kennt Eiszeiten, Vulkanausbrüche, Flutwellen, Erdbeben und Temperaturschwankungen. Ereignisse, deren erneuter Eintritt den Fortbestand der Zivilisation in ihrer derzeitigen Form bedrohen würden. Die Aufgabe der Wissenschaft ist es nun, mit kühlem Neonlicht auszuleuchten, was vorher nur im unsteten Flackerlicht des Lagerfeuers zu erkennen war.

Geben wir dem Affen also Zucker und werfen einen Blick auf jene punktuellen Katastrophen, deren Zerstörungspotenzial getrost als apokalyptisch bezeichnet werden kann. Die Eruption eines Supervulkans, der Einschlag eines Himmelskörpers, die Entstehung eines Megatsunamis infolge eines Seebebens, der Ausbruch einer Pandemie und – als menschengemachte Spezialität – ein Atomkrieg.

Apfelbäumchen statt Bunker

Der Schlüssel zum Umgang mit diesen Ereignissen ist der menschliche Verstand. Nicht immer können wir das Ereignis selbst aufhalten, doch unser stetig wachsendes Wissen um diese potenziellen Katastrophen hilft, das Ausmaß der Zerstörung auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Wissenschaft identifiziert die Bedrohung, Politik kommuniziert die Bedrohung, Gesellschaft schützt sich vor der Bedrohung. Das erste Mal in der Geschichte der Menschheit haben wir alle Informationen an der Hand, die unsere Spezies zum Überleben braucht.

Panik wäre angesichts dieser Ereignisse zwar nachvollziehbar, aber irrational. Risiko – und um nichts anderes geht es bei der wissenschaftlichen Betrachtung der Apokalypse – ist das Produkt aus Folgenschwere eines Ereignisses und seiner Eintrittswahrscheinlichkeit. Nur weil etwas also besonders gravierende Folgen hat, muss es nicht gleich morgen eintreten. Nach Sichtung der Fakten empfehlen wir deshalb, auf den Platz im Bunker zu verzichten und stattdessen ein Apfelbäumchen zu pflanzen.

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