Ich bin der Jesus Christus der Politik. Silvio Berlusconi

Hintergrund

Fataler Dreier

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Obwohl die SPD jetzt einen Kanzlerkandidaten hat, setzt sie weiter auf die Troika. Das wird sich am Ende rächen, denn Gabriel, Steinmeier und Steinbrück handeln jeweils auf eigene Rechnung.

Hintergrund

Jedes Mal, wenn die SPD auf Dreiergespanne 
gesetzt hat, hat sie schlechte Erfahrungen damit gemacht. Das erste bilden in den 1970er- und 1980er-Jahren Bundeskanzler Helmut Schmidt, Parteichef Willy Brandt und Fraktionschef Herbert Wehner. Diese drei arbeiten tatsächlich mehrere Jahre gut zusammen, am Ende herrscht aber nur noch Misstrauen und Missgunst. Um das zweite Trio – bestehend aus Gerhard Schröder, Rudolf Scharping und Oskar Lafontaine – war es noch viel schlechter bestellt. Dass ausgerechnet die dritte Troika der SPD-Geschichte funktionieren soll, ist zu sehr Ironie, um Schicksal zu sein.

Die Troika: Nur auf den ersten Blick eine gute Entscheidung für die SPD

Die aktuelle Troika aus Sigmar Gabriel, Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück hat schon jetzt für die Wahl 2013 mehr Schaden angerichtet als Vorteile gebracht. Jeder von ihnen ist dafür auf seine Weise verantwortlich. Und deswegen muss auch jeder mit seinen Eigeninteressen einzeln betrachtet werden.

Auf den ersten Blick mag die Entscheidung von Parteichef Gabriel, im Sommer 2011 mit Steinmeier und Steinbrück ein Trio zu bilden, für die SPD von Vorteil gewesen sein – gerade als Gegensatz zur Union, wo außer Merkel nichts in Sicht ist. Als Verbündete, nicht als Rivalen seien sie angetreten, sagte damals Gabriel. Und Unrecht hatte er damit nicht. Denn die Rollenverteilung war von Anfang an klar. Für Peer Steinbrück war es die letzte Chance, noch einmal seinem einfachen Abgeordnetenstatus zu entkommen. Zudem wahrte er sich die Option auf die Kanzlerkandidatur. Frank-Walter Steinmeier wurde nach der 
heftigen Niederlage bei der Bundestagswahl 2009 der Rücken gestärkt. Und der Initiator der Troika konnte – erfolgreich – seinem Siggi-Pop-Image entgegenarbeiten. Eine Win-Win-Win-Situation. Zudem wurden alle drei als potenzielle Kanzlerkandidaten eingeführt.

Wie so oft ist die große Stärke aber zugleich das große Manko. So mögen Gabriel, Steinbrück und Steinmeier zwar nicht als Rivalen gestartet 
sein, das lag aber nur daran, dass jeder von Beginn 
an seine eigenen Ziele verfolgt hat. Deutlich wurde dies spätestens bei der vorgezogenen Kanzlerkandidatenkür: Eigentlich für Anfang 2013 geplant, offenbarte die verkorkste Nominierung Steinbrücks die wahren Interessen der drei.

Der Clevere: Am offensichtlichsten wurde das bei Parteichef Gabriel. Laut eigener Aussage habe er im Frühjahr 2011 Steinmeier und Steinbrück mitgeteilt, dass er nicht als Kanzlerkandidat zur Verfügung stehe. Trotzdem erweckte er bis zur Vorstellung Steinbrücks bewusst den Eindruck, dass er auch zum Kreis der Kandidaten zähle. So erhielt er maximale mediale Aufmerksamkeit und innerparteilichen Einfluss. Ohne seine Zustimmung wäre niemand Kanzlerkandidat geworden.

Zu böse wäre es, Gabriel zu unterstellen, er würde auf die Wahlniederlage nächstes Jahr hoffen. Die schlechte Presse bei der misslungenen Kandidatenwahl hat er aber bewusst in Kauf genommen. Mit der Inthronisierung Steinbrücks hat er sich für alles abgesichert. Ob in einer Großen Koalition oder in der Opposition: In beiden Fällen ist Gabriel erster Anwärter für die Kanzlerkandidatur 2017. Und auch unter einem Kanzler Steinbrück droht ihm kein Unheil. Insgesamt also ein cleverer Schachzug von Gabriel, welcher aber der SPD nichts gebracht hat.

Mediale Inszenierung auf Kosten der Partei

Der Unscheinbare: Frank-Walter Steinmeier hat aus der Konstellation den unscheinbarsten Vorteil
für sich gezogen. Ganz plötzlich, ohne konkreten 
Anlass, stand er aus „persönlichen Gründen“ nicht mehr für die Kanzlerkandidatur zur Verfügung. Auch hier müsste man ihm einiges an Boshaftigkeit unterstellen, wenn man meint, er wünsche sich die Große Koalition zurück. Aber mit seinem Verzicht auf die Kandidatur hat er sich abgesichert. In einer Großen Koalition stünden ihm alle Türen offen, und nach einer Wahlniederlage könnte er Oppositionsführer bleiben.

Der Egomane: Peer Steinbrück dagegen hat alles auf eine Karte gesetzt – und ist am Ende 
belohnt worden. Doch das ist Steinbrücks Triumph, nicht der seiner Partei. Schon sein Weg zur Kandidatur war geprägt von medialer Inszenierung auf Kosten der SPD. Ginge es ihm um den Gesamterfolg, hätte er auf die vielen ungeschickt platzierten Informationen in den Medien verzichtet. Vielleicht hätten auch eine Hannelore Kraft oder eben doch ein gereifter Frank-Walter Steinmeier eine bessere Chance gehabt. All das war Steinbrück nicht wichtig. 2013, das war ihm bewusst, ist seine letzte Chance. Wie es um die SPD nach einer Wahlniederlage bestellt wäre, ist ihm herzlich egal.

Aus der ersten Troika folgten 16 Jahre Kohl, aus der zweiten die Linkspartei. Mal sehen, welche Freude die dritte Troika der SPD beschert.

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Peer Steinbrück

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Der Problempeer

Er weiß genau, wo der nächste Fettnapf steht. Peer Steinbrück; Lautsprecher, Großverdiener, Sozialdemokrat. Eine Satire.

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Satiriker

Leo Fischer
14.01.2013

Frank-Walter Steinmeier

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Der nicht verlieren kann

Frank-Walter Steinmeier mag in der Troika die unwichtigste Rolle spielen. Für die Wahl 2013 hat er sich aber am besten positioniert.

Sigmar Gabriel

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Siggi Top

Sigmar Gabriels Verzicht auf die Kandidatur war richtig und zeugt von seiner Klasse. Dennoch wird die SPD 2017 hoffentlich jemand anderen ins Rennen schicken.

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Journalistn

Ines Pohl
12.01.2013
 
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