Wenn wir durch Zauberhand nicht mehr unter US-Recht fallen würden, wäre das großartig. Sergey Brin

Hintergrund

Das Jahr 2112

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Die Reise nach Übermorgen ist gebucht, das Ticket liegt bereit. Kommen Sie mit nach Utopia und erfahren Sie, wie unsere Welt in 100 Jahren aussieht.

Hintergrund

Die Suche nach Utopia ist eine geistige Reise zu dem, was kommen könnte. Der Utopist bereitet die Fahrt vor und markiert auf seiner mentalen Karte die Stationen bis zum Ziel. Er erkennt felsiges Gelände und weist auf Gefahren hin, er warnt vor falscher Weichenstellung und Sackgassen, er packt die Koffer der Reisenden bedächtig und nimmt heraus, was auf der Reise nicht zu gebrauchen sein wird.

Leid, Hoffnung und Neugier verleiten zum Aufbruch. Der Utopist ist Fluchthelfer aus der Gegenwart.

Stets gab es in der Geschichte der Menschheit jene Vordenker, die mit ihren Ideen von einem anderen Morgen ihre Zeitgenossen zum Träumen gebracht haben. Oft genug waren es Albträume. Insbesondere große Autoren wie Stanisław Lem, Robert A. Heinlein oder Jules Verne haben im literarischen Genre der Science-Fiction von einer anderen Zukunft erzählt.

Diese Utopien der philosophischen Moderne sind ein Gegenentwurf zu den großen eschatologischen Religionen. Am Ende, entgegen der Überzeugung von Islam, Christen- und Judentum, steht nicht mehr das Weltgericht. Die Utopie liefert eine alternative Antwort auf eine alte Frage. Nicht Ragnarök und Weltenbrand, nicht Jüngstes Gericht und Jesu Wiederkehr warten am Ende der Reise.

Und AC sprach: „Es werde Licht“

Die Science-Fiction greift die mythischen Motive von Paradies, Heilsbringer und Weltende zwar oftmals auf, ist in der Gesamtschau aber mehr säkulares Substitut. Religion ist in diesem Sinne ein Steinbruch, aus dem nur noch Motive für eine neue Erzählung herausgebrochen werden. Technologie
ersetzt Religion.

Die Apokalypse als grande finale der Endzeit wird abgesagt. Stattdessen zischen und dampfen Maschinen, zusammengefügt aus Tausenden Schläuchen und Ventilen. Träume von grenzenloser Mobilität, ewigem Leben und nie endender Energie werden Realität. Technik wird zum Vehikel gesellschaftlicher Evolution. Die Fortschrittsgläubigkeit gipfelt in Isaac Asimovs visionärem Supercomputer AC, der lange nach dem Ableben des letzten Menschen allein im Universum existiert und schließlich spricht: „Es werde Licht“.
Dieses und ähnliche Gedankenspiele offenbaren jenseits der reinen Lust an der Provokation zwei grundlegende Aspekte der Utopie.

Zuerst: Die Fragen, die wir stellen, sind oft interessanter als die Antworten, die wir geben. Die Sehnsucht nach Erklärung ist spürbar. Ein illustrierendes Beispiel liefert der vom britischen Humanisten Thomas Morus erdachte Ort Utopia. Morus beschreibt eine Insel der Glückseligkeit, deren Bürger sich zu einer Republik zusammengefunden haben. Nichts anderes als die Antithese des monarchistischen Englands seiner Zeit. Die Gegenwart ist nicht nur Basis der Utopie, sondern wird wiederum direkt von ihr beeinflusst. Deutlich zeigt dies der Begriff „Wunschtraum“ als Synonym für Utopie. Denn Träume sind Ausdruck des Erlebten. Wunschträume sind also das, was wir zu erleben hoffen. Vom Träumenden selbst und seiner Gegenwart ist beides nicht zu trennen. Die Utopie ist also gedankliche Verlängerung von Vergangenheit und Gegenwart in die Zukunft. Die Grundannahme der Vorstellung von einem anderen Morgen ist untrennbar mit unserer subjektiven Wahrnehmung des Gestern und Heute verknüpft.

Der zweite Aspekt der Utopie ist die Konsequenz, die sich aus der Zielsetzung ergibt. Wer die Republik propagiert, stellt sich dem Despoten in den Weg. Wer die Lösung des Ressourcenmangels durch Mondbasen gelöst sieht, muss Raumschiffe bauen. In jeder Utopie steckt eine Handlungsaufforderung, der es sich zu stellen gilt. Wer zeigt, was sein soll, fordert, was getan werden muss. Hier wird das gefährliche ideologische Moment der Utopie sichtbar. Denn auch die unmenschliche Vorstellung einer „finalen Gesellschaft“, wie sie Faschismus und Kommunismus propagieren, ist im Kern Utopie.

Behaupten Sie also nicht, es hätte Sie niemand gewarnt, wenn wir Sie jetzt zu einem Experiment einladen.

So sieht die Welt in 100 Jahren aus

Wie jede Utopie beginnt alles mit einem Fragezeichen: Wie wird unsere Welt in 100 Jahren aussehen? Werden wir in Städten leben und falls ja, werden sie nur auf dem Planeten Erde stehen? Was werden wir über Demokratie denken? Welche Antworten wird die Ethik auf den Umgang mit intelligenten Robotern geben?

100 Jahre sind für diese Fragen ein gut gewählter Zeitraum. 2112 ist so weit entfernt, dass man sich dem lästigen Eingeständnis, doch falsch gelegen zu haben, nicht persönlich stellen muss. Zumindest solange die Medizin nicht erstaunliche Fortschritte macht. 2112 ist außerdem weit genug entfernt, als dass die Antworten nicht bereits hinter der nächsten Straßenkurve erkennbar wären. 100 Jahre regen zum Träumen an. Auch deshalb haben sich unsere Autoren der drängenden Probleme unserer Zeit angenommen.

Weil die Suche nach der Utopie kein Stochern im Kaffeesatz sein darf, ist wissenschaftliche Genauigkeit geboten. Deshalb sei angemerkt, dass wir uns den Aufbau des Experiments abgeschaut haben. Der deutsche Journalist Arthur Brehmer hat bereits 1910 die Experten („Kapazitäten“) seiner Zeit zum Sinnieren über die Zukunft gebeten. Seine Frage ist unsere Frage: Wie werden wir in 100 Jahren leben? Unsere Antworten sind nicht seine Antworten.

Ob am Ende der Reise Utopia auf uns wartet? Finden Sie es heraus.

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