Die Geschichte lehrt die Menschen, dass die Geschichte die Menschen nichts lehrt. Mahatma Gandhi

Hintergrund

Keime Entwarnung

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Schweinegrippe, Vogelgrippe, SARS und jetzt EHEC: Mit relativer Regelmäßigkeit grassiert die Angst vor Epidemien in Deutschland. Sind wir geschützt genug, um uns keine Sorgen machen zu müssen?

Hintergrund

Im April 2011 kam es in Deutschland zum Ausbruch einer vorerst rätselhaften Infektion, deren Ursprung erst nach Wochen ausgemacht werden konnte. In Hamburg angefangen, wurden mehr und mehr Fälle bekannt – betroffen waren vor allem Personen, die sich kurz davor im Großraum Norddeutschland aufgehalten hatten.

Auslöser waren sogenannte EHEC-Bakterien, einen besonderem Stamm der Escheria Coli Bakterien, welche im menschlichen Darm zu finden sind. Dieser Stamm produziert Giftstoffe, die sich im Darm einnisten und dort Gefäße zerstören. In Deutschland ist der Keim bereits seit 1998 nach §6 des Infektionsschutzgesetzes meldepflichtig. Besonders am Ausbruch 2011 war der schwere Krankheitsverlauf und die Tatsache, dass vor allem Erwachsene betroffen waren. Durchfall, Übelkeit und Erbrechen, in gewissen Fällen auch Fieber, gehören zu den ersten Symptomen.

Mit EHEC infizierte Personen erkranken nicht immer. Wenn es jedoch dazu kommt, dann leiden die Betroffenen oftmals am hämolytisch-urämischen Syndrom, welches im schlimmsten Fall zu Nierenversagen, neurologischen Folgen und Blutgerinnseln im Gehirn führen kann.

Eigentlich kommen die Erreger im Darm von Wiederkäuern vor, werden aber nicht ausgeschieden. Da die Erreger außerhalb des Darms monatelang überleben können, umweltresistent und auch in kleiner Zahl wirkungsfähig sind, ergeben sich somit mehrere mögliche Infektionsquellen. Im Fall der sogenannten HUS-Epidemie 2011 wurde am 10.Juni in einer gemeinsamen Presseerklärung u.a. vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit und dem Bundesinstitut für Risikobewertung veröffentlicht, dass kontaminierte Sprossen an der schnellen Verbreitung schuld waren. Zuvor waren Salat, Tomaten und vor allem spanische Gurken als Ursache angenommen worden, was zum einem erheblichen Rückgang im Import und Verzehr führte. Ein weiterer Verdacht, der jedoch nicht bestätigt wurde, fiel auf Ab- bzw. Trinkwasser.

Insgesamt erkrankten bundesweit ca. 3500 Menschen an EHEC, 700 davon an HUS. In den Medien war EHEC über mehrere Wochen Dauerthema.

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