Leute haben zu meiner Meinung eine Meinung. Matthias Matussek

Hintergrund

Jagd auf Doktor No

Big_90f62d5c0f

Guttenberg ist zurückgetreten. Der Druck war nach den Enthüllungen der letzten Tage zu hoch geworden. Dass der Minister jetzt die Konsequenzen gezogen hat, ist richtig: Das Ministeramt darf nicht durch das Verhalten Einzelner beschädigt werden.

Hintergrund

Am 16. Februar berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ über die Dissertation von Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU): Wörtlich zitierte Textstellen seien nicht als solche gekennzeichnet, die Arbeit somit teilweise abgeschrieben. Der Verteidigungsminister weist die Vorwürfe zurück. Erst Tage später räumt er „Fehler“ ein und legt seinen Doktortitel der Universität Bayreuth „vorübergehend“ nieder: „Es wurde allerdings zu keinem Zeitpunkt bewusst getäuscht.“

Der CSU-Politiker hatte seine Doktorarbeit im Jahr 2006 an der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät in Bayreuth abgegeben. Im darauffolgenden Jahr wurde er mit der Bewertung summa cum laude zum Dr. jur. promoviert. Karl-Theodor zu Guttenberg besaß bereits zu dieser Zeit vielerlei “Ehrenämter und führende Positionen”:http://www.zuguttenberg.de/person.php, sowohl national als auch international. 2009 wurde er mit 37 Jahren zum Bundesminister für Wirtschaft und Technologie gewählt und wurde bis 2011 als jüngster Verteidigungsminister an Angela Merkels Seite gestellt.

Die Diskussion um die Dissertation beherrscht die Medien. Die Online-Community GuttenPlagWiki deckt immer mehr nicht gekennzeichnete Zitate auf. Bundeskanzlerin Merkel stellt sich hinter ihren Minister, die Opposition kritisiert Guttenberg. Dieser erklärt am 21. Februar, nach der intensiven Durchsicht der Arbeit dauerhaft auf seinen Doktortitel zu verzichten. Bei einer Fragestunde nimmt Guttenberg am 23. Februar im Bundestag Stellung zu den Vorwürfen. Am Abend entzieht ihm die Universität Bayreuth den Doktortitel.

Die Medien kritisieren Guttenbergs Verhalten. Am 28. Februar schreiben mehr als 50.000 Doktoranden einen Protestbrief an Bundeskanzlerin Merkel. Auch Peter Häberle, Guttenbergs Doktorvater, distanziert sich von Guttenberg und spricht von „unvorstellbaren Mängeln“. Am 1. März legt Karl-Thedor zu Guttenberg alle politischen Ämter nieder. Einen Tag später wird Thomas de Maizière (CDU) als Nachfolger in der Position des Verteidigungsministers vorgestellt.

Seitdem sind weitere Politiker unter Plagiatsverdacht geraten. Silvana Koch-Mehrin und Jorgo Chatzimarkakis (beide FDP) haben ebenso wie die Tochter des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Stoiber ihre Doktortitel aufgrund von Plagiatsvorwürfen aberkannt bekommen.

zurück

Ein deutsches Statussymbol

Medium_c13dd3f19c

Von Unis Gnaden

In keinem Land ist der Anteil der Parlamentarier mit Doktortitel so hoch wie in Deutschland. Meistens steht dabei nicht die wissenschaftliche Kompetenz im Vordergrund. Es geht um die Karriere und den Status. Doch Führungskompetenz lässt sich nicht im Archiv finden.

Niveau der Dissertationen

Medium_b03e4c70b7

Des Doktors neue Kleider

Deutschland braucht mehr echte Doktoren mit neuen Ideen. Der Dissertationsprozess muss reformiert werden, wenn wir den „Doktor light“ verhindern wollen. Eine Dissertation à la Guttenberg hilft nur der eigenen Karriere. Denker und Ideen produziert sie nicht.

Guttenberg und die Presse

Medium_38f3c6baf4

Sternstunde der Medien

Der Medienhype um Guttenberg war eine Sternstunde der Medienvielfalt; er hat bewiesen, dass Bürger sich nicht manipulieren lassen und er hat die unverzichtbare Rolle des Internets für die klassischen Medien herausgestellt.

Medium_f204f7e402

Journalist

Ernst Elitz
07.03.2011

Doktoren in der Politik

Medium_4d33445d12

Lenker statt Denker

Für viele Politiker ist der Doktortitel vor allem ein Schritt auf der Karriereleiter. Doch die Doppelbelastung von ehrlicher Dissertation und Mandat ist kaum zu bewältigen. Und es geht auch anders: Weder Adenauer noch Brandt hatten das Dr. vor dem Namen. Große Staatsmänner waren sie trotzdem.

Die CDU und Guttenberg

Medium_2aa913240b

Was passiert mit meinem Land?

Der Baron ist entzaubert, die Union bloßgestellt. Zu lange hatte sich Merkel hinter Guttenberg gestellt, zu folgelastig sind die Plagiate für das Werteverständnis der CDU. Doch zum Glück regte sich Widerstand: Das Bürgertum darf sich ein solches Polittheater nicht gefallen lassen.

Medienpolitiker Guttenberg

Medium_1d9c3a6c10

Die Grenzen des Glamours

Der Rücktritt Guttenbergs ist zu begrüßen. Zwei Wochen lang stellte sich der Verteidigungsminister nicht der Verantwortung, jetzt hat er endlich die Konsequenzen gezogen. Es bleibt zu hoffen, dass wir die richtigen Lehren aus der Affäre ziehen. Politik lebt nicht von der Inszenierung, sondern von der Detailarbeit.

 
meistgelesen / meistkommentiert