Ein Läufer braucht Träume im Herzen, nicht Geld in der Tasche. Emil Zatopek

Hintergrund

Bei euch piept's wohl

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Die Idee der Twitter-Revolution macht Schule - in Tunesien und Ägypten. Soziale Medien verändern den Informationsfluss und helfen, Machtmonopole zu umgehen. Doch Veränderung und Freiheit werden immer noch auf der Straße erkämpft.

Hintergrund

Die Aufstände in Arabien haben deutlich gemacht, dass das Internet nicht nur die schnelle und effiziente Kommunikation, sondern auch ihre Überwachung vereinfacht. Wie wirksam die sozialen Medien für die Demonstranten und wie bedrohlich sie für die Autokraten im Nahen Osten geworden sind, zeigte sich in Tunesien und in Ägypten: Die Machthaber blockierten Facebook und Twitter und legten das Internet zeitweise sogar lahm.

Noch immer laufen sekündlich Twitter-Nachrichten mit den Hashtags #egypt und #jan25 ein, benannt nach dem Datum der auslösenden Demonstration auf dem Tahrir-Platz in Kairo. Die Keimzelle der breiten Protestbewegung bildete die Facebook-Gruppe 6th of April Youth Movement. Sie war aus Solidarität mit dem jungen Ägypter Ahamad Maher gegründet worden, der von der Polizei gefoltert wurde, nachdem er den Streik von Textilarbeitern öffentlich gemacht hatte. Den Stein ins Rollen brachte schließlich der Blogger Wael Ghonim, der am 25. Januar die weit über 5 Millionen ägyptischen Facebook-Nutzer zum „Tag des Zorns“ und zur Demonstration aufrief. Auf der Facebook-Seite We are all Khaled Said versammeln sich mittlerweile über 90.000 Menschen, die dem jungen Ägypter gedenken, der von Sicherheitskräften zu Beginn der Proteste zu Tode gefoltert wurde.

Etwa 80 Prozent der Ägypter sollen ein Mobiltelefon besitzen, Internetzugang hat offenbar nur jeder Vierte. Der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira gilt als die wichtigste Nachrichtenquelle. Eine noch geringere Rolle spielen soziale Medien in Libyen: Dort haben nur etwa fünf Prozent der Menschen Zugang zum Internet. Experten gehen jedoch davon aus, dass weder das Netz noch Handys oder Satellitenfernsehen den Volkszorn in Tunesien und Ägypten entscheidend stärkten – es waren vielmehr die Verhältnisse, die die Menschen auf die Straße trieben. Dass Facebook und Twitter einen Aufstand nicht auslösen, die Entwicklungen aber entscheidend befördern können, bewiesen die Demonstranten in Ägypten: Sie organisierten sich auch ohne soziale Netzwerke, als das Regime den Zugang zum Internet blockiert hatte.

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