Der Klassenkampf ist ein historischer Fakt, er wird von meiner Klasse geführt und wir sind dabei ihn zu gewinnen. Warren Buffet

Hintergrund

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Nur 15 Prozent der Deutschen haben einen Organspendeausweis, die Warteliste für Transplantationen ist lang. Drei Menschen sterben pro Tag in Deutschland, während sie auf Spenderorgane warten. Doch ethische Fragen bleiben. Die Menschenwürde endet nicht mit dem Hirntod.

Hintergrund

Auf den Wartelisten der europäischen Verteilungsorganisation Eurotransplant stehen derzeit etwa 12.000 Patientinnen und Patienten aus Deutschland, die auf eine Organspende warten. Mit rund 8000 stellen die Nierenpatienten die größte Gruppe in Deutschland, die durchschnittliche Wartezeit auf eine Niere beträgt laut Deutscher Stiftung Organtransplantation fünf bis sechs Jahre. Zurzeit können Niere, Herz, Leber, Lunge, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm nach dem Tod gespendet werden.

Die Spendenbereitschaft hinkt in Deutschland dem Bedarf allerdings deutlich hinterher: Durchschnittlich 21 Menschen sterben pro Woche, weil kein geeignetes Transplantat verfügbar ist. In Deutschland kommen auf eine Millionen Einwohner nur etwa 15 Spender (Organe, die lebend gespendet werden sind hier nicht berücksichtiget). International liegt Deutschland damit lediglich im unteren Drittel.

Um bislang in Deutschland als Organspender zu gelten, muss man selbst aktiv werden und einen Organspendeausweis ausfüllen (das Formular kann hier online abgerufen werden). Nach dem Tod können aber auch die nächsten Angehörigen eines Verstorbenen darüber entscheiden, ob Organe gespendet werden sollen oder nicht. Hier wird häufig kritisiert, dass dies zu zusätzlichen psychischen Belastungen bei den Angehörigen führt.

Es gibt alternative Modelle, die in anderen Ländern zu deutlich höherer Spendenbereitschaft führen. Beispielsweise in Spanien, wo wie in Österreich und Italien eine Widerspruchsregelung gilt: Hier ist jeder Erwachsene per se Organspender, wer dies nicht möchte, muss den Widerspruch in schriftlicher Form bei sich tragen, seine Angehörigen informieren oder sich in ein Register eintragen lassen. Die Zahl der Spender liegt mit etwa 34 pro eine Million Einwohner mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland.

Entsprechend gibt es Bestrebungen, das Organspenderecht in Deutschland zu reformieren. Das deutsche Transplantationsgesetz (TPG) ist seit 1. Dezember 1997 in Kraft, im Herbst 2011 soll der Bundestag über eine Novelle entscheiden. Geht es nach Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP), werden künftig alle gesetzlich Krankenversicherten nach ihrer Spendenbereitschaft gefragt. Die Krankenkassen sollen dazu verpflichtet werden, ihre Mitglieder bei der bevorstehenden Ausgabe der elektronischen Gesundheitskarte über die Organspende zu informieren und zu einer Erklärung über die Spendenbereitschaft aufzufordern. Die Versicherten können dann einer Organspende zustimmen, sie ablehnen oder erklären, dass sie sich zunächst nicht entscheiden möchten.

Auch die Fraktionschefs von Union und SPD im Bundestag, Volker Kauder (CDU) und Frank-Walter Steinmeier, haben bereits einen Gruppenantrag ihrer Parteien angekündigt. Sie zielen in eine ähnliche Richtung wie der Vorstoß von Daniel Bahr, den Menschen zwar die freie Entscheidung über eine Spende zu lassen, sie aber konkret zu fragen. Eine Widerspruchslösung wie in Spanien lehnen die meisten Beteiligten ab, auch weil es Zweifel an der Vereinbarkeit mit dem Grundgesetz gibt.

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