Für Berliner Kaufhäuser, wie das Kulturkaufhaus Dussman, scheinen seit Jahren andere Regeln zu gelten als in der restlichen Republik. Fröhlich kann man hier bis spät abends und selbst am Sonntag dem Konsumvergnügen frönen.
Arbeit verboten
Dabei verordnet Paragraph 9 Absatz 1 des deutschen Arbeitsgesetzes, Arbeitnehmer an Sonn- und gesetzlichen Feiertagen von 0 bis 24 Uhr strenge Ruhe.
Nicht etwa eine Erfindung deutscher Juristen sondern ein Jahrtausende erprobtes Prinzip. Schon in der Bibel heißt es “Bewahre den Sabbat, um ihn heilig zu halten, wie Adonai, deine Gottheit, dir befohlen hat. Sechs Tage sollst du arbeiten und all dein Werk verrichten. Doch der siebte Tag ist Sabbat für Adonai, deine Gottheit, da sollst du keinerlei Werk verrichten.”(Dtn 5,15 LU)
Dies wird in Deutschland bei weitem nicht so streng genommen, wie in anderen Ländern. In Israel fahren beispielsweise in vielen Hotels Sabataufzüge, die auf jedem Stock anhalten. So kommt der gläubige Jude nicht in die Bredouille, den Sabat durch Bedienen des Knopfes zu schänden.
Ein humaner Ruhetag
Neben religiöser Gründe führen auch sozial- humanitäre Überlegungen zu dem Schluss, dass mindestens ein gemeinsamer Ruhetag in der Woche das gesellschaftliche Leben bereichert, indem unter anderem Familien- und Nachbarschaftsbeziehungen gestärkt werden.
Doch so sehr die Gesellschaft an einem Tag ohne Kommerz gewinnt, desto niedriger ist der Gewinn ohne Kommerz für die Wirtschaft. Befürworter von Sonntagsöffnungszeiten klagen zudem über den Aufwand unter der Woche noch nach Arbeitsschluss alle Einkäufe tätigen zu müssen.
Shoppen ist keine Ausnahme
Im Arbeitsgesetz gibt es zwar eine Anzahl von Ausnahmen bezüglich lebensrettender Arbeiten oder solcher, die nicht an Werktagen durchgeführt werden können. Doch solange in Deutschland niemand an Konsummangel gestorben ist, fällt Sonntagsarbeit in Kaufhäusern nicht hierunter.
Berliner Öffnungszeiten sind verfassungswidrig
Das sieht auch das Verfassungsgericht in Karlsruhe so und erklärte die langen Berliner Öffnungszeiten jüngst für verfassungswidrig.
Two steps forward, Three steps back?
Ist diese Entscheidung unverantwortlich in Zeiten der Finanzkrise und könnte das Berliner Konzept, Vorbild für die restliche Republik sein?
Vielleicht verweigern wir uns dem Fortschritt, wenn wir Traditionen wie einheitliche Feiertage beibehalten. Doch, wenn selbst Gott sich nach sechs Tagen Arbeit, eine Pause gönnt, sollte es der Mensch dann nicht allemal?