Es sind die Bürger, die dem Staat die Einschränkung ihrer Freiheitsrechte zugestehen. Sebastian Blumenthal

Hintergrund

Die Kukident-Armee

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Immer mehr Menschen werden deutlich älter als 75 Jahre. Für die Sozialsysteme entstehen damit neue Herausforderungen. Rente, Gesundheit, Arbeit – was ist noch sicher? Doch die Idee der Solidargesellschaft ist mit den Reformen noch nicht am Ende.

Hintergrund

Mit der Rentenreform 1957 hin zu einem Umlageverfahren wurde ein neuer Begriff geboren, der sich heute durch die Diskussionen des gesamten Sozialsystems zieht: der Generationenvertrag. Die Grundidee: Die jeweils junge Generation unterstützt die alte Generation, motiviert durch die Sicherheit, dass auch sie eines Tages diese Unterstützung erlangen wird. So gesehen ein sehr intelligentes Konzept. Leider krankt es aber heutzutage – anders als damals – an der demografischen Entwicklung.

Lag die Geburtenrate in Deutschland bis 1970 noch bei mehr als zwei Kindern pro Frau, ist sie zu Beginn der 70er-Jahre drastisch eingebrochen (Pillenknick) und hat sich mittlerweile auf einem Wert eingepegelt, der in den letzten Jahren relativ konstant um die 1,35 Kinder pro Frau lag. Hinzu kommt die stetig steigende Lebenserwartung der Menschen. Beide Faktoren sorgen dafür, dass immer weniger Junge für immer mehr Alte aufkommen müssen. Dies nicht nur im Bereich der Renten-, sondern auch der Gesundheits- und Pflegeversicherung, denen ebenfalls eine Umverteilung von Jung zu Alt zugrunde liegt.

Ab etwa 2015 wird sich das Verhältnis zwischen Einzahlern und Empfängern drastisch verändern, da dann die geburtenstarken Jahrgänge ins Rentenalter kommen. Dieser Trend wird sich voraussichtlich bis 2030 zuspitzen, wenn die Babyboomer der 60er-Jahre zu Rentnern werden. Ab dann werden immer kleinere Jahrgänge nachrücken, deren Versorgung nach der Grundidee des Vertrags immer weniger Menschen zu tragen haben.

2009 bezogen etwa 20,4 Millionen Menschen eine Altersrente bei der deutschen Rentenversicherung. Die Gesamtzahl der Rentenempfänger lag relativ konstant bei etwa bei 1,25 Millionen. Doch problematisch ist, dass die Gruppe der Einzahlenden heute schon kleiner ist als zuvor, was auch nach sich zieht, dass beispielsweise der Rentenbeitrag, der 1957 noch bei 14 Prozent lag, heute bei 19,9 Prozent liegt. Hinzu kommt der Rückgang sozialversicherungspflichtiger Beschäftigungen in den letzten Jahren. Durch eine heute niedrigere Lohnquote sind relativ gesehen auch die Einnahmen durch Lohnnebenkosten gesunken.

Durch diese relative Verringerung der Beiträge als auch die absolut abnehmende Zahl der Beitragszahler steht der Generationenvertrag seit einigen Jahren immer wieder im Mittelpunkt der Sozialstaatsdiskussion. Auch wenn heutzutage niemand mehr dem Blüm’schen Satz “Die Renten sind sicher” Glauben schenken mag, so gibt es dennoch Verfechter des jetzigen Konzepts. Der Solidarstaat muss gerettet werden, so lautet das Credo vor allem aus den Reihen der Linken und Gewerkschaften. Kritiker hingegen fordern tief greifende Reformen eines Modells, das sich in Zukunft als nicht länger tragfähig erweisen könnte.

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