Manche verwechseln Colgate mit Golgotha. Karl Lehmann

Hintergrund

Jeder isst, was er verdient

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Drohen wir in der Glutamatschwemme unterzugehen? Fertigessen und Billigprodukte haben auch in deutschen Supermärkten und Küchen Einzug gehalten. Doch welche Alternativen bleiben, wenn der Geldbeutel keine Biodiät verträgt?

Hintergrund

Im europäischen Vergleich sind wir Deutschen unter den Geizigsten, wenn es um Geld für Nahrungsmittel geht. Während auf der einen Seite der Trend zu Bioprodukten geht, konsumieren vor allem sozial schwächere Schichten immer mehr Fast Food. Braucht es mehr Aufklärung über gesunde Ernährung? Oder bekommt jeder, was er verdient?

Eine am 23. September dieses Jahres veröffentlichte OECD-Studie (“Obesity and the Economics of Prevention: Fit not Fat”) hat ergeben, dass Fettleibigkeit in den Industriestaaten immer mehr zum Problem wird. Fettleibigkeit ist an die Spitze der Agenda des öffentlichen Gesundheitswesens gewandert. Vor 1980 lagen die Raten noch unter 10 Prozent, seitdem haben sie sich verdoppelt, in manchen Ländern sogar verdreifacht. 2009 waren in Deutschland 60 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen übergewichtig, 16 Prozent beider Geschlechter sogar fettleibig. Im OECD-Vergleich liegen nur noch Spanien, Großbritannien und Griechenland vor Deutschland. Auch Kinder sind immer stärker betroffen, mindestens jedes dritte Kind in den OECD-Ländern ist übergewichtig. Ungesunde Ernährung, Stress und Mangel an Bewegung tragen laut Studie dazu bei, dass Übergewicht und Fettleibigkeit immer mehr zunehmen und einen der Hauptrisikofaktoren für chronische Krankheiten darstellen.

Der in den letzten Jahren in Deutschland stark angewachsene Trend zu Bioprodukten beschränkt sich allerdings in erster Linie auf die Besserverdiener. Laut einer Forsa-Meinungsumfrage kaufen 71 Prozent der Haushalte mit einem monatlichen Nettoeinkommen von 3000 Euro Biolebensmittel, bei den Befragten mit weniger als 1000 Euro Nettoeinkommen sind es nur 57 Prozent. Ernährungsgewohnheiten sind nicht nur eine “Frage der richtigen Aufklärung, sondern auch verknüpft mit der sozialen Situation der Menschen”, betont der Bundesgeschäftsführer der Volkssolidarität, Dr. Bernd Niederland. Aldi statt Alnatura: Treiben teure Biolebensmittel die Zweiklassengesellschaft weiter voran? Oder ist “Bio” vor allem eine Frage der richtigen Setzung von Prioritäten? Gesünder essen, dafür mit weniger Fleisch und Süßem?

Viele Verbände plädieren dafür, dass Aufklärung über gesunde Ernährung und Bewegung in der Schule stattfinden muss. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung betont, dass durch die nachlassende Ernährungserziehung zu Hause Gesundheitserziehung in der Schule besonders wichtig ist, damit bereits Kinder in der Lage sind, ihre Ernährungsgewohnheiten kritisch zu reflektieren. Verbraucherorganisationen und gesetzliche Krankenkassen fordern ein “Ampel-System” in der Etikettierung, um durch eindeutige Symbole die Auswahl gesunder Lebendmittel zu erleichtern und somit mehr Transparenz zu schaffen.

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