In einer Diktatur haben sie nur zwei Möglichkeiten: Konformität oder Widerstand. Marco Schöller

Hintergrund

Der Spion, den wir lieben

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Einerseits ist Google oftmals Teil unseres Alltags geworden, andererseits regt sich vor allem in Deutschland Widerstand gegen die Fahrten der Street-View-Autos. Was keinen Einspruch erhebt, wird wegfotografiert. Aufbruch in eine neue Digitalidylle oder Abgesang auf den Datenschutz?

Hintergrund

Google Street View ist ein neuer Dienst des US-Konzerns Google, der es Nutzern ermöglicht dank 3D-Panorama-Bildern aus Straßenperspektive quasi einen virtuellen Spaziergang durch diverse Städte zu machen. Die Aufnahme der Bilder erfolgt mit speziell ausgerüsteten Autos und Fahrrädern, die mit neun Kameras ausgestattet sind: acht Kameras für den 360-Grad-Blick und eine Kamera, die zur Orientierung nach oben gerichtet ist. Darüber hinaus sind drei Lasermessgeräte vorhanden, die später eine räumliche Darstellung von Gebäuden in Google Earth ermöglichen sollen.

In vielen Ländern ist der Dienst bereits jetzt aktiv. Große Teile der USA, Frankreichs, Japans, Italiens, Spaniens, Neuseelands und Australiens sind längst über den Kartendienst verfügbar. Für Deutschland gibt es noch keine Veröffentlichungen, da es im Vorfeld Bedenken und Beschwerden bezüglich des Datenschutzes gab.

Bereits im Jahr 2008 regte sich Widerstand in vielen Gemeinden. So wurde unter anderem angeregt, dass Gesichter, Kraftfahrzeugkennzeichen und Hausnummern zu verschleiern und alle Betroffenen rechtzeitig darauf hinzuweisen seien, dass sie jederzeit Einspruch gegen die Veröffentlichung sie betreffender Daten erheben können.

Prostest rief vor allem die Tatsache hervor, dass Google zusätzlich zu den Foto- und 3D-Daten Informationen über WLAN-Netzwerke sammelte. Diese Daten umfassen den Netzwerknamen (SSID), die Verschlüsselungsstärke und die MAC-Adressen der verwendeten Geräte. Neben diesen Informationen wurden auch übermittelte persönliche Daten mitgeschnitten, falls die Netzwerke nicht verschlüsselt waren. Daraufhin wurden im Mai 2010 die Aufnahmen in deutschen Städten vorerst gestoppt.

In der Sommerpause trieb Google den Start des Dienstes in Deutschland jedoch weiter voran. Am 10. August 2010 gab Google bekannt, dass Street View noch im Jahr 2010 für die 20 größten Städte Deutschlands gestartet werden soll. Seit dem 17. August 2010 können Bürger auf einer Webseite die Unkenntlichmachung des eigenen Hauses beantragen. Die Widerspruchsfrist dazu beträgt vier Wochen und geht bis zum 15. September 2010.

Im Wesentlichen zufrieden mit den neusten Entwicklungen zeigt sich jetzt Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU), die zuvor eine scharfe Kritikerin war: “Meine Forderung und die öffentliche Diskussion über die Veröffentlichung von Informationen über Häuser und Grundstücke im Internet bei Google haben Wirkung gezeigt”, erklärte sie in Berlin.

Doch die Problematik um Google Street View zeigt erneut, dass unsere Gesellschaft und die deutsche Politik neue Wege im Umgang mit Datenaggregatoren wie Facebook und Google finden muss. Eine Reform des Datenschutzgesetzes ist längst überfällig, findet auch der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar.

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