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Wirkt's noch?

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Grün ist sexy. Mit Themen wie Stuttgart 21 oder dem Atomausstieg profilieren sich die einstigen Protestler als Alternative zu den großen Volksparteien CDU und SPD. Der Einzug in Staatskanzlei und Kanzleramt ist angesichts der Umfragewerte keine reine Träumerei mehr.

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Bündnis 90/Die Grünen gehörten mit 10,7 Prozent der Erststimmen zu den Gewinnern der vergangenen Bundestagswahl. Das waren nicht nur 2,6 Prozent mehr Stimmenanteil als bei der letzten Wahl, sondern auch das beste Ergebnis der Partei bei einer Bundestagswahl überhaupt. Bei der Landtagswahl 2011 in Baden-Württemberg wurden die Grünen mit 24,2 Prozent zweitstärkste Kraft nach der CDU. Mithilfe der SPD stellen sie nun mit Winfried Kretschmann den ersten grünen Ministerpräsidenten Deutschlands.

Es gibt viele Versuche, diesen Höhenflug zu erklären. Die Reaktorkatastrophe in Fukushima und die damit verbundene Angst vor Atomenergie, der Streit um Stuttgart 21 und zum Teil auch im Wandel der Lebensstile in Deutschland (hin zu Bio, Öko und Nachhaltigkeit als anzustrebende Ideale) haben traditionelle grüne Themen auf die politische Agenda gehoben. Die Grünen haben Rückenwind und sich – auch nach eigener Aussage – in der bürgerlichen Mitte der Gesellschaft durchaus angekommen.

Doch wer soll an der Seite der ehemaligen Protest-Partei segeln?Die FDP spielt wohl angesichts der Wahlumfragen keine Rolle; ebenso wenig DieLinke – diese ist für viele Grüne immer noch ein Tabuthema. Neben dem Wunschpartner SPD bleibt daher nur noch die Union. Die Pizza-Connection könnte 2013 bei entsprechenden Stimmverhältnissen in Form einer schwarz-grünen Koalition durchaus eine Renaissance erleben.

Das Spekulieren über mögliche Machtalternativen ist jedoch nicht die einzige Frage, der sich die Grünen stellen müssen. Der Absturz der FDP zeigt, welche Auwirkung plötzliche Regierungsverantwortung auf die Umfragewerte haben kann. Und die Enttäuschung der Grünenwähler scheint vorprogrammiert, denn auch unter einer grünen Bundeskanzlerin müsste der ein oder andere Castor durch das Land rollen. Bereits 2011 zeigt sich in Baden-Württemberg, dass ein Baustopp in Stuttgart zwar leicht gefordert werden kann, von der Staatskanzlei aus aber mitunter schwer durchzusetzen ist. Gezeigt hat sich dies auch in Hamburg, wo zugunsten einer Bildungsreform ein Kohlekraftwerk und die Vertiefung der Elbmündung in den Koalitionsvertrag mit der CDU aufgenommen wurden. Die Bildungsreform wurde bekanntlich von den Grünen-Wählern selbst durch ein Referendum verhindert; Kohlekraftwerk und Elbvertiefung hingegen haben dennoch Sympathiepunkte gekostet.

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