England wird sich von der weltweiten Entwicklung nicht entkoppeln können. Harald Christ

Hintergrund

Petrischalen-Perfektion

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Der BGH hat entschieden: Embryonen dürfen selektiert werden, wenn schwere Erbkrankheiten das werdende Leben befallen würden. Damit hat das Gericht die eigentlich in Deutschland verbotene Präimplantationsdiagnose erlaubt. Jetzt ist das Tor zur Selektion von Embryonen offen.

Hintergrund

Im Juli 2010 hat der Bundesgerichtshof in Urteil 5 StR 386/09 entschieden, dass die Präimplantationsdiagnostik (PID) zur Untersuchung von Zellen auf schwerwiegende genetische Schäden nicht gegen das Embryonenschutzgesetz verstößt. Die PID kann bei einer In-vitro-Fertilisation angewendet werden. Dabei werden dem Embryo ein bis zwei Zellen entnommen und verschiedenen gentechnischen Diagnoseverfahren unterzogen. Ein Ziel dabei ist, Chromosomenanomalien sowie Erbkrankheiten festzustellen und diese Embryonen nicht in den Mutterleib einzupflanzen.

Am 7. Juli 2011 hat der Bundestag eine gesetzliche Regelund zur PID verabschiedet. Der Gesetzentwurf wurde mit 326 zu 260 Stimmen (bei 8 Enthaltungen) angenommen. Die Abgeordneten wurden von der Fraktiondisziplin befreit und stimmten dementsprechend sehr unterschiedlich ab. Zwei Alternativvorschläge, ein striktes Verbot und ein Mittelweg mit einer restriktiven Ausnahmeregelung, wurden zuvor abgelehnt.

Seitdem ist eine begrenzte Anwendung der Präimplantationsdiagnostik erlaubt. Gentest an Embryonen werden dieser zufolge nur nach positivem Entscheid einer Ethik-Kommission zugelassen, wenn bei Paaren die Veranlagung für eine schwerwiegende Erbkrankheit in sich tragen oder wenn mit einer Tot- oder Fehlgeburt zu rechnen ist.

Gegner der neuen Regelung befürchten eine wachsende Diskriminierung von Menschen mit Behinderung, ebenso dass nun die Türe für weitere Ausnahmen, bis hin zum “Designerbaby”, geöffnet wurde.

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