Am Ende hat alles mit Macht zu tun. Andreas Mühe

Hintergrund

Time to Say Goodbye

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Die politische, wirtschaftliche und kulturelle Identität Großbritanniens galt immer als unerschütterlich. Dann kam die Finanzkrise und änderte alles. Am 6. Mai wählten die Briten Premierminister Gordon Brown ab. Doch eine klare Mehrheit gibt es im Unterhaus nicht. David Camerons Torries müssen mit den Liberalen koalieren.

Hintergrund

Die politische, wirtschaftliche und kulturelle Identität Großbritanniens galt immer als unerschütterlich, doch die momentane Krise trifft auf wunde Flanken: Das britische Vertrauen in die Politik ist vom jüngsten Skandal um Abgeordnetenspesen zutiefst erschüttert, und New Labour hat die volle Wucht der Krise abbekommen und liegt am Boden. Die Regierung der linken Mitte, die sich an die Spitze der marktfiebrigen Kapitalisten setzte, droht nun gemeinsam mit dem Modell des angelsächsischen Kapitalismus entsorgt zu werden. Allen voran wird Premierminister Gordon Brown die Schuld für den desolaten Zustand von Partei und Land in die Schuhe geschoben: Zehn Jahre lang war er Schatzkanzler und ließ sich als Architekt des britischen Wirtschaftswunders feiern. Er behauptete immer wieder, er habe den Wirtschaftszyklus von “Boom and Bust” abgeschafft. Aber er schwächte das Regulierungssystem, weil er der Bank von England zwar die unabhängige Verantwortung für die Geldpolitik gab, ihr aber Kompetenzen bei der Bankenaufsicht nahm. Die Umfragen deuten darauf hin, dass Labour die Wahl am 6. Mai 2010 verlieren wird.

Die Conservative Party hat nach anfänglichen Umfrage-Hochs dagegen wieder an Popularität eingebüßt. Es zeichnet sich eine historische Entwicklung im Vereinigten Königreich ab. Denn die Liberaldemokraten, die über Jahrzehnte hinweg ein Randdasein fristete, kamen zuletzt auf Umfrage-Ergebnisse von knapp 30 Prozent. Werte, von denen Browns Labour derzeit nur träumen kann. Nick Clegg, Partei-Chef der Liberaldemokraten, düpierte seine beiden Kontrahenten Ende April bei einer Fernsehdebatte.

Dennoch: Einen Liberaldemokratischen Premierminister wird es kaum geben. Zu sehr ist das britische System auf die beiden großen Parteien zugeschnitten. Selbst bei einem Wahlsieg Cleggs werden Torries und Labour über mehr Sitze im Unterhaus verfügen. Eine Koalition in der Regierung scheint aber kaum mehr zu umgehen zu sein.Besonders groß ist es nicht mehr, das British Empire, zumindest geografisch. Trotzdem gehört das Vereinigte Königreich bis heute zu den globalen Big Players: Das Bruttoinlandsprodukt ist eines der höchsten weltweit, Großbritannien ist Gründungsmitglied von NATO und UNO, sitzt im Sicherheitsrat, verfügt über eine gewaltige Atommacht und ein ebenso starkes kulturelles Selbstbewusstsein.

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