Im Jahr 1967 hätte dem jungen Staat Israel kein größeres Unglück widerfahren können, als den “Sechs-Tage-Krieg” zu gewinnen. Außer, selbstverständlich, ihn nicht zu gewinnen.
Überrumpelte Ideale
Alles, was der Zionismus an Ethik und Moral geschaffen hatte, ging in diesem Krieg verloren. Eine falsche messianische Idee überrumpelte das Ideal des neuen Juden. Die (allerdings verständliche) Paranoia, erwachsen aus zweitausend Jahren Mord und Vertreibung, siegte über diese Ideale.
Israel muss vor sich selbst gerettet werden
Noch immer glaubt sich Israel von der Welt missverstanden. In dieser “Die ganze Welt ist gegen uns”-Stimmung muss Israel vor sich selbst gerettet werden. Vor allem wenn uns etwas an einem jüdischen Staat liegt. Ich selbst vertrete eine radikal linke Anschauung, doch auch mir liegt viel an dem Bestehen dieses jüdischen Heimlands.
Schon alleine aus dem Grund, dass, hätte dieser Staat vor 70 Jahren bereits existiert, eine recht ansehnliche Zahl meiner Familie – eingeschlossen meine Mutter und Vater –nicht unter den Nazis ermordet worden wären.
Linksradikal sagte ich. Und doch habe ich Netanjahu gewählt und würde auch heute wieder eine rechtsradikale Regierung in Israel erhoffen. Das erste Mal in meinem Leben wählte ich nicht mit dem Herz, sondern mit dem Kopf. Denn keine Regierung an deren Spitze Leute meiner Anschauung stehen, kann das tun, was getan werden muss: Die Okkupation und Unterdrückung eines anderen Volks beenden.
Keine Verräter-Rufe
In dem oben genannten paranoiden Gefühl ist es für eine liberale Regierung geradezu unmöglich, das zu erreichen. Ein Premierminister hat es bereits versucht. Aber Rabins Engagement hat er mit seinem Leben bezahlt. Nur eine rechtsnationale Regierung kann es, wenn die Welt, oder besser die Vereinigten Staaten, sie dazu zwingt, schaffen, diesen Prozess durchzuführen. Nur in diesem Falle müsste die Regierung nicht mit Hunderttausenden Demonstranten, die sie “Verräter” nennen, rechnen.
Die Linken, ob sie nun an der Macht sind oder nicht, unterstützen ohnehin ein Ende der Okkupation und würden politische Schritte in diese Richtung begrüßen. Also kann nur eine rechte Regierung, wie wir sie momentan mit Netanjahu haben, die Situation ändern, und sie wird es auch dank ausländischen Drucks müssen. Paranoia hin oder her.
Nixon in China
In der amerikanischen Politik gibt es die Redensart, etwas “brauche Nixon, um nach China zu gehen”. Dies bezieht sich auf den Besuch des damaligen amerikanischen Präsidenten in China im Jahr 1972. Ein politisches Zeichen, dass damals niemand erwartet hatte.
Diese Redensart steht heute dafür, dass gerade Hardliner eine höhere Legitimität haben und mehr Glaubwürdigkeit genießen, wenn sie auf eine oppositionelle Organisation oder ein gegnerisches Land zugehen.
In Israel wird man hoffentlich irgendwann sagen: “Nur Netanjahu hätte das schaffen können, es brauchte Netanjahu, damit die Okkupation ein Ende fand.”





















