Neutralität ist ein zumeist unsäglicher Grundsatz. So besagt die “Steuerneutralität” etwa, dass jeder einzelne Dollar gleich besteuert wird. Oder die “Mautneutralität”: Jeder Autofahrer muss gleich viel zahlen, um die Straßen nutzen zu dürfen. Insofern ist die einzige Stärke der Netzneutralität ihr Name. Neutralität – das klingt fast schon nach dem American Way. Dabei wäre “Netzunvernünftigkeit” der deutlich passendere Begriff für diese scheußliche Idee.
Der Gedanke der Netzneutralität beinhaltet, dass Zugangsanbieter keine Unterschiede zwischen den Datenpaketen ihrer Kunden machen – ganz gleich, woher die Daten kommen. Sie werden unverändert und gleichrangig behandelt. Hier stellt sich die Frage, warum die Öffentlichkeit überhaupt verlangt, dass Spam und Newsletter auf einer Ebene mit wichtigeren Daten stehen. Wieso sollte ein Unternehmen seinen Kunden nicht einen schnelleren Service anbieten, wenn es die finanziellen Mittel dafür aufbringen kann – dort ist das Geld doch deutlich besser aufgehoben als in einer Jacht für den Juniorchef.
Die Bezahlung von Zugangsanbietern für schnelleren Datenverkehr ist ein Service am Kunden
Man stelle sich eine reiche Fluggesellschaft vor, die zusätzliche Check-in-Schalter mietet und mehr Personal einstellt, um die Wartezeiten der Kunden zu verkürzen. Sollen wir denen sagen: “Entschuldigen Sie, aber im Sinne der Neutralität ist es erforderlich, dass American Airlines und Southwest Peoria Air exakt die gleichen Kapazitäten bekommen”?
Gewiss: Es gibt im Internet viele Wege, um Kunden guten Service anzubieten. Die Bezahlung von Zugangsanbietern für schnelleren Datenverkehr ist nur einer davon. Man könnte auch Googles Vorgehen nachahmen und gigantische Computernetzwerke und Datenzentren aufbauen. Damit wäre sichergestellt, dass jedes Kundenanliegen auch schnell bearbeitet wird. Wenn wir doch aber unbedingt gleiche Wettbewerbsbedingungen wollen, warum wird dann so etwas nicht verboten? Im Übrigen war Google lange Zeit ein großer Unterstützer der Netzneutralität.
Unternehmen sollten selber entscheiden können, was sie tun. Warum also will man Zugangsanbieter, zum Beispiel Verizon, die ja noch andere Firmen bedienen, dazu verpflichten, alle Kunden gleich zu behandeln? Jeder Nutzer hat die Möglichkeit, den Anbieter zu wechseln. Das nennt man Wettbewerb. Das ist sicher kein Allheilmittel und es klappt auch nicht immer perfekt. Eigentlich ist es sogar, ebenso wie die Demokratie, das schlechteste System – ausgenommen alle anderen.
Dieser Präventivschlag soll Furcht einflößen
Die kürzlich von Google und Verizon vorgeschlagene Regelung löst ein theoretisches Problem – aber kein echtes. Dieser Präventivschlag soll Furcht einflößen. Wenn zwei große Firmen Regeln für einen Markt vorschlagen, den sie selbst beherrschen, ist das eine nette Abmachung. Ich persönlich würde aber schon mal das Tafelsilber zählen.
Als ich noch ein Kind war – lang ist’s her –, war Free-TV ein großes Thema. Das klang richtig gut, meinte aber letztlich ein geschrumpftes, minimalistisches Programm. Es war nur eine Kampagne, finanziert durch etliche Kinobetreiber und andere private Interessenten, die sich gegen das aufkommende Kabelfernsehen zur Wehr setzen. Netzneutralität ist nichts anderes als eine Wiederkehr dieser Kampagne. Eine dumme Idee in nettem Gewand.
Dieser Kommentar wurde in der New York Times veröffentlicht. Wir bedanken uns für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung.


















Unternehmen wie Google zahlen bereits milliardenbeträge um ihre Rechenzentren mit Hilfe der Netzbetreiber ans Internet anzuschießen. Wenn hier die Provider nochmal extra geld für Premium leistungen verlangen dann bedeutet dies das die Firmen 2 mal zahlen müssen.
Für Milliardenunternehmen wie Google kein Problem, für kleinere Startups hingegen schon. Wenn nur noch YouTube videos flüssig wiedergegeben werden können dann kleine Firmen die keinen Zugang zu den Premiumdiensten haben ein Problem und der Markt monopolisiert sich zunehmend.
Anbieterwechsel kommt meist auch nicht in betracht, meist ist ein Haushalt eben nur über ein Kabel angschlossen das einer Firma gehört, zumindest in den USA hat man da oft kaum wirkliche Wahlfreiheit.