Europa ist keine USA mit Krankenversicherung und Louvre, sondern ein Riesenmarkt unter deutscher Hegemonie. Stefan Gärtner

Latent schwule ISIS-Sympathien

Die neue Devise queerer Medien, keine Bilder oder Videos islamistischer Gräueltaten mehr zu veröffentlichen, ist fatal. Denn sie ersetzt die abschreckenden Fotos durch Bilder, die den Islamismus verniedlichen und erotisieren.

Eine neue Devise macht in der kleinen Blase des Homo-Journalismus derzeit die Runde. Sie hängt mit einem Thema zusammen, mit dem man sich in diesem Milieu ohnehin schwertut, dem Islamismus. Nachdem man etwa beim schwulen Nachrichtenblog queer.de angesichts der muslimischen Attentate von Paris gar kein Aufsehen machen wollte, sondern aus diesem Anlass lieber nur einen Artikel über die Homofreundlichkeit der in Deutschland lebenden Muslime publizierte; nachdem man hier auch zu den Gräueltaten der ISIS-Kämpfer an schwulen Männern und den Drohungen, den Anti-Gay-Terror auch nach Europa zu exportieren, lange Zeit eisern schwieg, kommt man nun so langsam um das skandalöse Thema nicht mehr herum.

Devise: keine Bilder von der ISIS-Gewalt gegen schwule Männer

Um die Zumutung für die vorwiegend links-queere Leserschaft, die eher zum Antisemitismus als zur Islamophobie neigt, nicht zu groß werden zu lassen, hat man nun diese neue Devise ausgegeben: Keine Bilder mehr von den Hinrichtungen (angeblich) schwuler Männer!

Begründung: diese Bilder, die von CNN über Blogs von Menschenrechtsaktivisten bis zur „New York Times“ alle großen Medien ganz bewusst veröffentlichen, stammten von der ISIS und man würde den Fotografen und ihren Multiplikatoren ja noch eine Freude machen, wenn man ihre Aufnahme nun publizistisch verwendet. Außerdem seien solche Bilder und Videos geeignet, die Leserschaft gegen den Islamismus zu emotionalisieren, was mit den strengen rationalen Kriterien, die der queere Blog auch sonst anlegt, wohl nicht zu vereinbaren ist.

… lieber Bilder von jugendlich-strammen, strahlenden ISIS-Kämpfern!

Welche Bilder verwendet man also stattdessen? Als besonders gelungenes Beispiel gilt der queeren Bilderpolizei etwa ein kampfentschlossener ISIS-Krieger, der, das Paradies vor Augen, strahlend und mit der wehenden Fahne in den Kampf zieht. Bildunterschrift: „Diesen IS-Kämpfer mit wehender Fahne kann man dokumentieren. Die von den Terroristen selbst erstellten Aufnahmen ihrer Verbrechen sollten jedoch ignoriert werden.“

Bezeichnend auch das Portal „maenner-online“, das sofort auf den Zug aufsprang und gelobte, die von der großen Schwester ausgegebene Regel artig befolgen zu wollen. Hier postete man über seinem Bericht zu den jüngsten ISIS-Hinrichtungen schwuler Männer das Foto eines Jungen, der die ägyptische Fahne in der Hand hält, zusammen mit einem Schild, auf dem steht: „Selig sind die Friedfertigen“.

Wie diese Friedfertigkeit in Ägypten gegenüber schwulen Männern aussieht, will man dabei gar nicht so genau wissen – hat man doch auf eben diesem Portal alle Artikel, die den Terror ägyptischer Sicherheitskräfte gegen schwule Männer dokumentieren, vorsorglich gelöscht. Man weiß ja nie, welche Redaktion sich die ISIS als Nächstes in Europa aussucht.

Bilder emotionalisieren immer: Besser Entsetzen als subtile Sympathien

Vermeidet man so Emotionalisierung? Ein unverdächtiger Zeuge, Elmar Kraushaar, schreibt in seiner taz-Kolumne fast zeitgleich mit dem Gebrauch von Bildern strammer ISIS-Kämpfer und islamischer Friedens-Epheben durch die genannten Portale: „Keine [schwule] Pornoseite im Netz kommt aus ohne Bilder aus der Abteilung ,gay arabs‘ oder ,turkish gays‘. Und die profitabelsten Filme in der schwulen Pornoindustrie Frankreichs sind die mit arabischen Männern aus den Banlieues der großen Städte.“

Bilder emotionalisieren halt immer, egal welche man wählt: Während die Bilder der ISIS jedem vernünftigen Menschen Abscheu einjagen, sind es die Bilder von queer.de und maenner-online, die mit der subtilen Anziehungskraft von Macht und sexueller Gewalt spielen und so unbewusst Sympathien für die Terroristen erzeugen. Und das zumal bei einem Publikum, das für das Stockholm-Syndrom als besonders anfällig gilt.

Ginge es nur um Pornofantasien, könnte man den jeweiligen Redakteuren nur Scheinheiligkeit vorwerfen. Hier geht es aber um Menschenleben! Ob daher die neu ausgegebene Devise schlicht Dummheit, ideologischer Verbohrtheit oder gezielter Bösartigkeit entspringt, bleibt der Einschätzung des Lesers überlassen.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von David Berger: Wenn ein politisches Amt als Werbung für den Islam missbraucht wird

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