Streitende sollen wissen, dass nie der eine ganz recht hat und der andere ganz unrecht. Kurt Tucholsky

Wie Kritiker der Homo-Ehe zu Untermenschen erklärt werden

Schon seit geraumer Zeit haben fanatische Gegner des “Normalen” der Welt, in der sie aufwuchsen, den Kampf angesagt und träumen von einem “queeren Dschihad”, der die “heteronormative” Gesellschaft komplett mithilfe der Ideale der Gender- und Queertheorien umbauen soll.

Ein Gerücht, an dessen Entstehung der Verfasser dieser Zeilen nicht unschuldig ist, macht die Runde. Nicht nur in der homosexuellen Subkultur gibt es die Unterstellung, es gäbe keine
gesellschaftliche Gruppe, die so gehässig intolerant sei wie die Homosexuellen. Und zwar gilt das auch innerhalb der schwulen Subkultur: Vor nicht allzu langer Zeit unternahm die Deutsche Aidshilfe den Versuch, der intoleranten Gehässigkeit der extrem femininen Schwulen (“Tunten”) gegen die bemüht männlichen Schwulen ("Ledermänner) und umgekehrt mit einer aufwändigen Plakat-Aktion entgegen zu wirken. Wie bei der Aidshilfe seit vielen Jahren üblich, war auch diese Kammpagne erfolglos. Was untereinander funktioniert, funktioniert natürlich noch besser nach außen.

Schon seit geraumer Zeit haben fanatische Gegner des “Normalen” der Welt, in der sie aufwuchsen, den Kampf angesagt und träumen von einem “queeren Dschihad”, der die “heteronormative” Gesellschaft komplett mithilfe der Ideale der Gender- und Queertheorien umbauen soll. Die Öffnung der Ehe für alle in Deutschland ist dabei für diese Queeriban keineswegs eine Anpassung an die heteronormative Welt. Sondern sie dient der Abschaffung der Ehe generell, die als Relikt einer patriarchalen, heteronormativen Welt angesehen wird.

Es ist kein Zufall, dass ein großes Bündnis aus LGBT-Gruppen, das vor etwa eineinhalb Jahren den Kampf für die Öffnung der Ehe aufnahm, zu seinem Chef ausgerechnet einen schwulen Aktivisten machte, der schon seit vielen Jahren für die Abschaffung der klassischen Ehe plädiert.

Mit zu diesem queeren Dschihad gehört es, dass man Kritiker der Homoehe kurzerhand und ohne jede Differenzierungen als “rechstpopulistisch”, “Nazis” oder “homophob” betitelt. Da hilft es auch nichts, wenn sie selbst homosexuell sind. Ganz im Gegenteil: Wie im Islam der Konvertit zum Christentum wesentlich härter bestraft wird, als "geborene " Christen, so gelten diese Kritiker auch als Verräter: kein Hasskommentar, der zu heftig ist, als dass er nicht in queeren Portalen gepostet werden darf. Überdeutlich hat man das an den jüngsten Ereignissen rund um einen FAZ-Artikel gesehen: Alleine der bloße Verdacht, ich könnte der Autor dieses unter einem Pseudonym verfassten Artikel sein, reicht aus, mich auf Twitter als “rechtsradikal” zubeschimpfen. Woraufhin Twitter statt solche justiziablen Tweets zu löschen, paradoxerweise mir zum Vorwurf machte, auf dem sozialen Netzwerk “Hasskommentare” zu veröffentlichen

Bislang beschränkte sich dieses sinistere Klima allerdings auf die genannten esoterischen Kreise. Nun dringt es – gefördert von der Maaschschen Panikmache rund um Hatespeech – auch zunehmend in die großen Medien vor.

Bezeichnend dafür ist ein Kommentar, der in der “Welt” im Zusammenhang mit der Bundestagsabstimmung zur Eheöffnung publiziert wurde. Ronja von Rönne ist die Autorin, ihres Zeichens Redakteurin im Feuilleton der “Welt”. Laut Mitarbeiterprofil ist sie ledig und hat “Kreatives Schreiben” studiert

Ihr Kommentar beginnt sogleich mit einem Glaubenssatz, der tief blicken lässt: Es gibt keinen Grund, Menschen, die die „Ehe für alle“ ablehnen, noch irgendwie höflich zu behandeln

Die Zeit sei nun vorbei, wo man die Homoehe einfach als ein „Diskussionsthema“ aufgefasst hat, “mit verschiedenen Seiten und Blickpunkten und Talkrunden”. Begründung: es gebe “kein einziges logisches Argument gegen die Ehe für alle”. Auf die Gefühle der Menschen, die mit Homoehe und Adoptionsrecht Schwierigkeiten haben, dürfe man ab jetzt keine Rücksicht mehr nehmen. Das sei keine Einschränkung der Meinungsfreiheit, sondern ein Kampf gegen den “Hass” und für die “Liebe”.

Wer homophob sei und deshalb “das Gefühl hat, definitiv keinen gleichgeschlechtlichen Partner heiraten zu wollen, sollte das auch weiterhin auf gar keinen Fall tun.” Man beachte wie niedrig die Schwelle inzwischen für den Homophobie-Vorwurf inzwischen liegt.

Solche zu homophob erklärten Kritiker der Homoehe sollen nach Frau von Roenne bitte den Mund halten und sich schamhaft in die Ecke stellen. Und für alle, die jetzt noch ein leises “Ja, aber …” vor sich hin flüstern, hat die Autorin am Ende ihres Kommentars nur noch zwei, an Bergengruens Großinquisitor erinnernde Ausrufe: “Das ist falsch. Schluss.”

Nein, Frau von Roenne, es ist nicht Schluss. Und gerade ich als schwuler Mann lasse mir nicht von Ihnen das Wort verbieten, wenn es um eine Institution geht, die angeblich nun für mich geöffnet wurde. Ja noch mehr. Als Demokrat, für den unser Grundgesetz wichtiges Leitmotiv seines Denkens und Handelns ist, und als Freund der offenen Gesellschaft sage ich Ihnen: Wenn wir eines nicht brauchen, dann sind es neue GesinnungsdiktatorInnen, die Andersdenkende quasi zu Untermenschen erklären. Zu Hasspredigern, die zum Schweigen gebracht und sozial isoliert werden müssen. Sonst mache ich mal etwas, was Sie sonst nur aus Ihren Kreisen kennen: ich rufe Ihnen “Nazi” zu.

philosophia-perennis

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von David Berger: Alice Weidel nimmt die Sorgen Homosexueller ernst

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