Wir haben das Ende der Experimentalphysik noch lange nicht erreicht. Rolf-Dieter Heuer

Vatikan lehnt Gewalt und Aggression gegen Homosexuelle strikt ab

Doktrinär verändert die katholische Kirche nichts an ihrer Lehre über Homosexualität. Das ist schmerzhaft, war vom Papst aus gesehen jedoch klug, denn dies hätte eine Kirchenspaltung zur Folge gehabt. Aber bei ihren praktischen Anweisungen zeigt sie dem real existierenden Islam, dass Aggression und Gewalt gegen Homosexuelle kompromisslos abzulehnen sind.

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Am vergangenen Freitag, dem 8. April 2016, veröffentlichte der Heilige Stuhl „Amoris Laetitia”, zu deutsch: „Über die Liebe in der Familie" — das nachsynodale apostolische Schreiben von Papst Franziskus, in dem er die Ergebnisse eines fast zwei Jahre langen Ringens der Weltkirche zum Thema Ehe, Familie und Sexualität zusammenfasst. Im Unterschied zu den vorab veröffentlichen Papieren der Synodentagungen oder gar einzelner Interviews von Bischöfen oder Stellungnahmen von Bischofskonferenzen hat dieses Papier nun wirklich lehramtlichem Status. Das heißt, es bringt die verbindliche Lehrer der katholischen Kirche zum Ausdruck. Das Papstschreiben umfasst 300 Seiten und äußert sich in zwei Kapiteln auch zu Lesben und Schwulen. Damit kommt die erfreuliche Willensbekundung von Papst Franziskus zum Ausdruck, der sich zu Randthemen des Glaubens nicht mehr zu oft äußern möchte. Die zwei Passagen im Wortlaut:

„250. Die Kirche passt ihre Haltung Jesus, dem Herrn, an, der sich in grenzenloser Liebe für jeden Menschen, ohne Ausnahme, geopfert hat. Mit den Synodenvätern habe ich die Situation von Familien bedacht, welche die Erfahrung machen, dass in ihrer Mitte Menschen mit homosexueller Orientierung leben – eine Erfahrung, die nicht leicht ist, sowohl für die Eltern, als auch für die Kinder. Darum möchten wir vor allem bekräftigen, dass jeder Mensch, unabhängig von seiner sexuellen Orientierung, in seiner Würde geachtet und mit Respekt aufgenommen werden soll und sorgsam zu vermeiden ist, ihn in irgendeiner Weise ungerecht zurückzusetzen oder ihm gar mit Aggression und Gewalt zu begegnen. In Bezug auf die Familien kommt es hingegen darauf an, eine respektvolle Begleitung zu gewährleisten, damit diejenigen, welche die homosexuelle Tendenz zeigen, die notwendigen Hilfen bekommen können, um den Willen Gottes in ihrem Leben zu begreifen und ganz zu erfüllen.“

„251. Im Laufe der Debatte über die Würde und die Mission der Familie haben die Synodenväter angemerkt: » Was die Pläne betrifft, die Verbindungen zwischen homosexuellen Personen der Ehe gleichzustellen, gibt es keinerlei Fundament dafür, zwischen den homosexuellen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie Analogien herzustellen, auch nicht in einem weiteren Sinn. « Es ist unannehmbar, » dass auf die Ortskirchen in dieser Frage Druck ausgeübt wird und dass die internationalen Organisationen Finanzhilfen für arme Länder von einer Einführung der „Ehe“ unter Personen des gleichen Geschlechts in ihrer Gesetzgebung abhängig machen“

Keine Ehe, aber Bekenntnis

Doktrinär bedeutet dieses Schreiben keinen Fortschritt. Das ist intern gesehen auch verständlich. Auf der letzten Synode wurde eindeutig klar: eine Einführung des Sakraments der Ehe für Homosexuelle hätte eine Spaltung der katholischen Kirche hervorgerufen, die sie bis an den Rand ihrer Existenz getrieben hätte. Von keinem Papst kann man verlangen, dass er wegen eines Randthemas (für ihn und 98 % der Katholiken) bereit ist, seine Kirche zu zerstören.

Betrachtet man jedoch die Position der katholischen Kirche, wie sie hier zum Ausdruck kommt, global und im Gesamtkonzert der Religionen, wird sehr gut deutlich: Das Christentum und auch der Katholizismus können unter den großen Weltreligionen zu denen zählen, die eine eher liberale Haltung im Hinblick auf Homosexualität vertreten.

Schaut man sich den Umgang des real existierenden Islam mit Homosexuellen an, würde man sich sehnlichst wünschen, dass man dort eine ähnliche Devise wie im Vatikan anordnen würde: Ein unzweideutiges Ja zu der Vorstellung, dass jeder Mensch, unabhängig von seiner sexuellen Orientierung, Hautfarbe, Religion, Herkunft und seinem Geschlecht, in seiner Würde geachtet und mit Respekt aufgenommen werden soll. Dass mit allen Mitteln zu vermeiden ist, dass er diskriminiert wird oder er gar Aggression und Gewalt zu erleiden hat“.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von David Berger: Alice Weidel nimmt die Sorgen Homosexueller ernst

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