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Die 10 wirkungsvollsten Wege zur Öffnung der Ehe für alle

Deutschland sträubt sich: Die Ehe ist heilig und bleibt Mann und Frau vorbehalten. Wie sich das ändern lässt, weiß unser Kolumnist David Berger.

Ganz viele haben sie schon: die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. Zuletzt hat der Oberste Gerichtshof der USA beschlossen, dass das Recht auf Ehe in keinem der Bundesstaaten Schwulen und Lesben verweigert werden darf. Nur in Deutschland scheint alles ins Stocken geraten, sind Homosexuelle in diesem Punkt noch nicht komplett mit Heterosexuellen gleichgestellt. Hier sind die zehn Methoden, mit denen wir das ändern können:

1. Äußert sich ein Kritiker der „Ehe für alle“ öffentlich zu dem Thema, werden wir in den sozialen Netzwerken möglichst heftig ausfallend, beschimpfen ihn zum Beispiel als geisteskrank oder Nazi, der kein Recht habe, sich zu der Sache zu äußern. Zu der Sache, über die man generell nicht mehr zu diskutieren bereit sei, alles sei doch schon gesagt. Schon als Kinder haben wir gelernt, dass Bockigkeit und „Blöde-Sau“-Rufe unsere Eltern und Lehrer besonders rasch überzeugen, unseren Wünschen nachzukommen. Und auch bei Politikern ist das der beste Weg, damit sie ihre Positionen doch noch einmal überdenken.

2. Wir zeigen, wie schlecht es Homosexuellen in Deutschland geht – indem wir ihren tragischen Leidensweg in unserer Gesellschaft zum Beispiel mit Juden im Dritten Reich oder mit Schwarzen in Zeiten der Apartheid vergleichen. So ein unübertriebener, sachlicher Blick auf die Realitäten, den alle werden nachvollziehen können, bewegt die Gesamtgesellschaft nachhaltig.

Ehe für alle, sonst gibt’s Krawalle!

3. Wir drohen mit Gewalt, sollte es nicht umgehend zu einer Öffnung der Ehe kommen: „Ehe für alle, sonst gibt’s Krawalle!“ Wenn auch nur verbal, gewalttätigen Menschen nimmt man leichter ab, dass es ihnen nur darum geht, der Liebe Recht zu verschaffen.

4. Wir arbeiten nur mit Parteien zusammen, die an der gegenwärtigen Situation etwas ändern können. Also SPD und Linken. Bei diesen Parteien ist auch davon auszugehen, dass sie den nächsten Kanzler stellen und spätestens dann die Ehe für alle öffnen. Eine Zusammenarbeit mit den Unionsparteien, besonders mit den Schwulen und Lesben in der Union (LSU) verteufeln wir. Denn diese Parteien haben sowieso nichts zu melden.

5. Wir sagen ganz offen, dass wir die Öffnung der Ehe eigentlich nur wollen, um damit die Ehe als verhasste, spießige und „heteronormative“ Institution letztlich abzuschaffen. Das überzeugt besonders die Menschen, die sich wegen ihrer Sorge um die klassische Ehe und Familie einer Eheöffnung entgegenstellen.

6. Wir verharmlosen Kindesmissbrauch und Pädophilie, indem wir auf den Christopher Street Days und beim „Bund lesbischer und schwuler Journalisten“ Preise vergeben, die nach bekannten Autoren benannt sind, deren Werk pädophile Straftaten genüsslich verherrlicht. So etwas ist perfekt geeignet, um auch das unangenehme Bauchgefühl zu beruhigen, dass viele Menschen beim gleichgestellten Adoptionsrecht für Homosexuelle haben.

Streitigkeiten zerreißen die Langeweile

7. Jemanden, der Punkt 5.) und 6.) in sich vereint, machen wir zum Sprecher einer Initiative der „Ehe für alle“.

8. Auf CSDs treten wir möglichst lasziv auf. Zwei Lesben, die sich barbusig gegenseitig mit einem großen Dildo auf einem CSD-Wagen befriedigen, oder Schwule, die einander wie Hunde an der Leine führen und sich auspeitschen, erreichen in positiver Weise genau das Publikum, das sich noch nicht so recht mit einer „Homo-Ehe“ anfreunden kann. Welcher Konservative, der nach solchen Bildern nicht umgehend unsere Anliegen mit all seinen Kräften unterstützen wird?

9. Wir kümmern uns darum, dass sich Schwule und Lesben aufgrund von Nebensächlichkeiten maßlos zerstreiten. Zum Beispiel, ob der CSD in Zukunft „Stonewall“, „Pride“ oder weiterhin „CSD“ heißen soll. Oder, ob wir „Homo-Ehe“ oder „Ehe für alle“, ob wir „Coming out“ oder „Outing“ sagen dürfen. Solche Streitigkeiten zerreißen die langweilige Einigkeit und wir können dafür viel Energie und Geld aufwenden. Und was gibt es Besseres, um ein politisches Anliegen durchzusetzen, als eine zerstrittene und finanzschwache „Lobby“, die dahinter steht.

10. Jeder, der Bedenken gegen die Öffnung der Ehe für Homosexuelle äußert, bekommt ohne Diskussion den Stempel „homophob“ oder „Homo-Hasser“ verabreicht. Das kommt nicht nur der „Homo-Ehe“, sondern all unseren Anliegen zugute. Denn je öfter wir diesen Begriff gebrauchen, umso wirkungsvoller und schärfer wird er.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von David Berger: Messerangriff auf den Bürgermeister von Altena

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