Wir kranken daran, dass Älterwerden von anderen definiert wird. In der Regel von Jüngeren, die selbst noch keine Erfahrung damit haben. Frank Schirrmacher

Bürger aller Länder, vereinigt euch

Ohne die Tatkraft der Bürger werden Staaten alleine die Probleme der Welt nicht lösen können. Und dass es auf den Staat weiterhin ankommt, zeigt der Mangel an Alternativen. Deshalb brauchen wir jetzt eine Public-Diplomacy-Stiftung, die gemeinsame Bemühungen im Kampf gegen die Übel der Welt koordiniert.

„Die Zeit der Nationalstaaten geht ihrem Ende entgegen“, behauptete Parag Khanna, Direktor der „Global Governance Initiative“ an der New America Foundation, vor Kurzem auf The European. Khanna zufolge umfasst der Auswärtige Dienst der Vereinigten Staaten ungefähr 5.000 Angestellte – weniger als die Besatzung eines einzigen Flugzeugträgers! Was kann Diplomatie unter diesen Bedingungen überhaupt leisten? Und was sollte sie leisten?

Zunächst einmal: der Staat ist aus der internationalen Politik nicht wegzudenken. Wer sollte ihn auch ersetzen? Unternehmen wie Ikea, Facebook oder BMW prägen zwar das Bild, das wir von anderen Ländern haben, aber viele Firmen fühlen sich nicht gerade wohl dabei, als „Botschafter“ ihres Ursprungslands wahrgenommen zu werden. Die dänische Molkereikette Arla Foods verzeichnete 2005 Verluste von 1,3 Millionen Euro pro Tag als Folge des Boykotts dänischer Produkte wegen der Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen.

Gipfeldiplomatie allein reicht nicht

Im 21. Jahrhundert misst sich der Erfolg eines Staates in der internationalen Politik jedoch nicht mehr an der Zahl seiner Soldaten oder am Anteil der Staatsquote am BIP. „Die zunehmend vernetzte Welt des 21. Jahrhunderts existiert über dem Staat, unter dem Staat und zwischen dem Staat. In dieser Welt ist der Staat mit den meisten Verbindungen der zentrale Akteur, der die globale Agenda bestimmen und Innovationen und nachhaltiges Wachstum anstoßen kann“, schreibt die ehemalige Leiterin des Planungsstabes des US-Außenministeriums Anne-Marie Slaughter.

Was bedeutet das für die Diplomatie? Die gegenwärtigen Bedrohungen – fragile Staaten, Klimawandel, Hunger – können nicht durch Gipfeldiplomatie allein gelöst werden. Sie erfordern das verantwortungsvolle Handeln von Hunderten von Staaten, Tausenden von Unternehmen und Millionen von Bürgern. Die neue Diplomatie wird nicht mehr allein Sache der Diplomaten sein, sondern zusammen mit Bürgern, NGOs, Unternehmen und Religionsgemeinschaften entwickelt werden.

Um öffentliche und private Interessen in einer effektiven Public Diplomacy zu verbinden, sollte die Bundesregierung eine Public-Diplomacy-Stiftung in Form eines Public-Private-Partnership gründen. Die Stiftung müsste eine fördernde Stiftung sein, bei der sich jeder – Behörden, NGOs, Schulen oder Einzelpersonen – mit seinen Vorschlägen für Public-Diplomacy-Projekte bewerben könnte. Solch ein Projekt könnte etwa ein gemeinsames Schulbuch mit einem anderen Land sein, ein Film über Migranten und Diaspora-Gemeinden oder eine wissenschaftliche Konferenz.

Wir brauchen eine Public-Diplomacy-Stiftung

Neben der Projektförderung sollte die Stiftung in drei weiteren Bereichen tätig sein: in der Evaluation ihrer Programme und der Förderung von Forschung über Public Diplomacy, in der Aus- und Weiterbildung der geförderten Personen und vielleicht auch von Diplomaten und Entwicklungshelfern (dies könnte auch eine zusätzliche Quelle für Einnahmen der Stiftung sein) und in der Entwicklung einer deutschen Public-Diplomacy-Strategie in enger Kooperation mit dem Auswärtigen Amt.

Solch eine Public-Diplomacy-Stiftung wäre mehr als nur eine gute Idee: Sie würde die Art und Weise, wie Diplomatie in Deutschland betrieben wird, grundlegend transformieren. Sie würde das Auswärtige Amt öffnen, die Verantwortung der deutschen Wirtschaft in der Außenpolitik stärken und der Zivilgesellschaft eine Stimme in der Welt geben. Wir alle sind verantwortlich für die Lösung globaler Probleme wie Klimawandel, Naturkatastrophen und Hungersnöte. Eine Public-Diplomacy-Stiftung würde uns ein Instrument zur Lösung dieser Probleme geben.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Ragnar Weilandt, Benjamin Dürr, Roland Benedikter.

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Kolumne

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von Jörg Friedrich
23.09.2012
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